Kleinlützel

Ein ländlicher Zeitzeuge soll gerettet werden: Der letzte Weidstall steht kurz vor dem Wiederaufbau

Der baufällige Weidstall vor dem Sicherungsrückbau.

Der baufällige Weidstall vor dem Sicherungsrückbau.

Die Mauerresten des letzten Weidstalls nahe der Ruine Blauenstein in Kleinlützel warten auf den baldigen Wiederaufbau. Bisher wurde die Umsetzung des Projekts immer wieder wegen unterschiedlicher Hürden hinausgezögert. Nun sollten aber bald alle Auflagen abgeklärt sein.

«Den letzten Weidstall erhalten» titelte das «Wochenblatt für das Schwarzbubenland» vor zwei Jahren. Die vom Bürgerrat Kleinlützel damals eingesetzte Arbeitsgruppe, die sich um Möglichkeiten eines Wiederaufbaus dieses alten, zerfallenen Weidstalls kümmern sollte, besteht immer noch und blieb keinesfalls untätig. Um diesen schätzungsweise rund 150 Jahre alten Bau – das genaue Datum ist nicht bekannt – vor dem Einsturz zu retten und nicht zu riskieren, dass wertvolle Bausubstanz verloren geht, entschied man sich für einen sorgfältigen Rückbau. Dies geschah vor rund vier Monaten.

Ein mit grünen Planen verpacktes Mauerwerk, einem Werk des kürzlich verstorbenen Künstlers Christo gleichend, zeugt aktuell vom letzten Lützler Weidstall. «Alles für den Wiederaufbau Brauchbare haben wir an einem sicheren Ort eingelagert und was morsch, zerfallen oder sonst unbrauchbar geworden ist, entsorgt», erklärt Thomas Allemann, Geschäftsleiter einer einheimischen Zimmerei und Mitglied der Arbeitsgruppe.

Thomas Allemann mit einem alten Ziegel und Holzbrett im mit Planen gesicherten Gemäuer.

Thomas Allemann mit einem alten Ziegel und Holzbrett im mit Planen gesicherten Gemäuer.

Er habe mit Freude festgestellt, dass erstaunlich viel Baumaterial von damals in gutem Zustand sei und durchaus wiederverwendet werden könne. Der Fachmann für Holzbau und Bedachungen sprach von rund 900 alten Ziegeln, die vor rund 120 Jahren im Kleinlützler Taläggerli gefertigt wurden. Eingepresste Stempel mit dem Namen «Giger», bei einigen sogar mit Jahrzahl, zeugen von diesen handgefertigten Biberschwanzziegeln. Zudem ist laut Allemann auch das tragende Gebälk teils in wiederverwendbarem Zustand.

Die letzten Hürden müssen noch genommen werden

Das Projekt sei zwar schon weit fortgeschritten, die Umsetzung aber mit einigen Hürden immer wieder hinausgezögert worden, bedauert Erich Lutz. Der alt Gemeindepräsident, der sich in der Arbeitsgruppe mit Verve einsetzt, sieht aber Licht am Ende des Tunnels. «Beim Amt für Denkmalpflege und Archäologie des Kantons Solothurn sind wir von Anfang an auf Wohlwollen gestossen», sagt Lutz.

Das Amt für Wald, Jagd und Fischerei hat sich ebenfalls interessiert gezeigt, wollte allerdings noch abgeklärt haben, ob dieser Weidstall – nach all den Jahren umringt von Bäumen und Sträuchern – nicht in der Waldzone stehe. «Das wurde vor wenigen Wochen geprüft und der Weidstall zum Glück definitiv der Landwirtschaftszone zugeordnet», freut sich Lutz.

So dürfte, nachdem alle Auflagen abgeklärt sind, mit einem baldigen Wiederaufbau zu einem Begegnungsort gerechnet werden. «Falls denn auch das Finanzielle sich den Wünschen der Bauherren und -damen anpasst», wie Erich Lutz beifügt.

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