Derendingen
Ein Koffer voller Überraschungen für frischgebackene Eltern

Beatrice Kaufmann freut sich seit 14 Jahren über ihren beinahe massgeschneiderten Job. Sie ist als Hostesse tätig und beschenkt Eltern von Neugeborenen mit Überraschungskoffern. Der Datenschutz macht die Arbeit schwieriger als früher.

Agnes Portmann-Leupi
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«Köfferle», nennt Beatrice Kaufmann ihre Arbeit.

«Köfferle», nennt Beatrice Kaufmann ihre Arbeit.

Agnes Portmann-Leupi

Der Name von Beatrice Kaufmanns Arbeitgeber «Felicitas» – Glück und Glückseligkeit – kündet es an. Ihr Klingeln an der Haustür verheisst einen Koffer voller Überraschungen. Von Babyflasche, Nuggi, Windeln, Salben, flauschigen Plüschbärchen, bis hin zu Gutscheinen von Zeitschriften und regionalen Geschäften. Auch sie erhielt bei den Geburten ihrer Kinder, mittlerweile 19 und 22 Jahre alt, den Besuch mit der Präsentation von attraktiven Produkten. Als die Tochter die Spielgruppe besuchte, weckte das Inserat von Felicitas, worin Hostessen gesucht wurden, ihre Aufmerksamkeit.

Seit 14 Jahren ist nun Beatrice Kaufmann selber mit den Geschenkkoffern unterwegs und erfreut damit Hochzeitspaare, Eltern und Grosseltern. «Ich sage nicht, ich gehe arbeiten, sondern ‹köfferle›.» Damit drückt sie aus, wie lieb ihr die Einsätze geworden sind. «Die Arbeit ist nach wie vor massgeschneidert für mich», sagt sie. Sie könne die Arbeitszeit frei einteilen, und sie schätze den Kontakt mit den Leuten. Wegen des Geldes müsse man diesen Job zwar nicht machen, die Freude müsse überwiegen.

Datenschutz macht es schwieriger

«Früher war es viel einfacher, Adressen zu erhalten. Seit Januar 2012 geben die Gemeinden wegen des Datenschutzes absolut keine Informationen mehr», erzählt die Derendingerin. So sucht sie etwa anhand der Fotos von Neugeborenen in Zeitungen nach Adressen. Aber auch das erweise sich zusehends schwieriger, weil sich heute viele Personen nicht mehr im Telefonbuch registrierten. Für «Felicitas» sei es am idealsten, wenn infrage kommende Personen durch bereits Beschenkte angemeldet würden. Manchmal spüre sie eine gewisse Skepsis, weil es normalerweise nichts gratis gebe.

Viel Schönes hat Beatrice Kaufmann bei ihren Besuchen erlebt. Aber auch Trauriges, etwa die drogenabhängige junge Frau oder das krank geborene Kind. Besonders geniesse sie jeweils die Besuche bei den Zeit habenden Grosseltern. Seit einem halben Jahr amtet sie zusätzlich als Fachverantwortliche und ist somit Ansprechpartnerin für die Hostessen in den Kantonen Bern, Wallis und Jura. Das bedeutet für sie, neue Hostessen mit ihrer Arbeit vertraut zu machen oder scheidende zu verabschieden.

Marketing ausschlaggebend

Ausschlag für die Geschenkkoffer gaben die sogenannten «Welcome Wagons» während der grossen Einwanderungswelle in die USA Anfang des letzten Jahrhunderts. Den Neuankömmlingen wurde zur Gründung einer eigenen Existenz eine Grundausrüstung von Werkzeugen und Lebensmitteln zur Verfügung gestellt. Dieser Gedanke fand später Anklang im Marketing. Seit 1966 setzt Felicitas Promotions AG mit Sitz in Cham die Idee in der ganzen Schweiz um und baut somit Brücken zwischen Anbieter und Markt.

Diverse namhafte Firmen halten «Felicitas» scon seit Jahren die Treue. Ausschau nach neuen Produkten hält das Unternehmen an diversen entsprechenden Messen. Die Koffer stellen Menschen mit einer Behinderung in der Behindertenwerkstatt «Brändi» in Kriens zusammen. «Somit unterstützen wir zusätzlich eine soziale Institution», betont Beatrice Kaufmann.