Selbst der Kugelschreiber streikt. Es ist schlicht zu kalt für die «Tinte». Im Kühlraum der Glaceherstellerin Mister Cool AG in Zuchwil herrschen Temperaturen von minus 25 Grad. In der Lagerhalle ist das ganze Jahr über Winter. Das riesige Hochregallager bietet Platz für 600 Paletten, gefüllt mit gegen 300 verschiedenen Speiseeis-Sorten, abgepackt in Gebinden von 100 Milliliter bis zu 5 Liter. «Von hier aus beliefern wir die ganze Schweiz mit unseren Spezialitäten», erklärt auf dem Betriebsrundgang Daniel Jüni, Geschäftsführer und Inhaber der Mister Cool AG.

Sein Betrieb ist ein grosser unter den Kleinen. An der Spitze des Schweizer Glacemarktes stehen unangefochten internationale Konzerne wie Nestlé, Mövenpick, Unilever, Emmi oder etwa der Migros-Produktionsbetrieb Midor. «Wir sind aber der grösste private, das heisst von Konzernen unabhängige Produzent von Glace», sagt Jüni nicht ohne Stolz. Pro Tag stellt sein Unternehmen bis zu 20 000 Liter Speiseeis her, im Jahr sind es über zwei Millionen Liter. Damit gehören die Zuchwiler zu den fünf grössten Glaceherstellern der Schweiz.

In der Branche bekannt

Und doch ist das 1987 gegründete Unternehmen in der Öffentlichkeit kaum bekannt; hingegen in der Branche schon. Das hat mit dem Geschäftsmodell zu tun. «Wir beliefern direkt keine Privatkundschaft», begründet Jüni. Die Mister Cool AG setzt ihre Speiseeis-Produkte über Wiederverkäufer und Abholmärkte an die Hotellerie, Gastronomie oder auch an Spitäler oder Altersheime ab. Ein zweiter Vertriebskanal sind Lieferungen an Warenhäuser und Grossverteiler und drittens produziert Jüni und sein Team Glacen für andere Hersteller, sogenannte Private-Label-Produkte.

So stammen beispielsweise die von Unilever unter der Marke «Lusso» verkauften Produkte aus der Zuchwiler Küche. So kommt es, dass die Marke «Mister Cool» nur auf Dessertkarten in Restaurants und Hotels auftaucht. «Daneben vertreiben wir als Generalimporteurin verschiedene Glace- und Dessertprodukte aus fünf europäischen Ländern. Damit können wir unser eigenes Sortiment gezielt ergänzen und vervollständigen», erklärt Daniel Jüni weiter.

«Wir sind nahe beim Kunden»

Dass sich der Zuchwiler Betrieb im von Grosskonzernen dominierten Markt behaupten kann, habe mehrere Gründe. «Wir produzieren massgeschneiderte Produkte für unsere Kunden», verrät Jüni. Der Betrieb sei in der Lage, auf Wunsch des Kunden ganz individuelle Produkte herzustellen, sei es im Aromabereich, in der Verpackung oder auch in der Form. Der Betrieb sei zudem in der Lage, sowohl Kleinst- wie Grossmengen herzustellen. «Wir sind viel flexibler als ein Grossbetrieb und können rasch auf neue Trends reagieren.» So komme es immer wieder vor, dass sich ein Küchenchef mit einer Idee melde, die Mister Cool dann umsetze. «Wir sind sehr nahe beim Kunden. Das kann die Grossindustrie nicht bieten.»

Nicht minder wichtig sei die Qualität, betont Jüni weiter. Es würden nur hochwertige Rohstoffe wie Milch, Zucker, Rahm und weitere Bestandteile aus der Region oder zumindest aus der Schweiz verwendet. «Wir setzen nur noch auf Kundenwunsch künstliche Aromen und Farbstoffe ein», versichert der 43-jährige Unternehmer. Daraus produziert die Firma unterschiedliche Qualitäten, von der Glace aus Pflanzenfett über Rahm- und Doppelrahm-Glace bis hin zu Sorbets und Bio-Glacen. Letztere laufen etwa unter der Marke «Luna Llena», die im Biofachhandel schweizweit vertrieben werden.

Im Nischengeschäft tätig

Um die Qualität und die Lebensmittelsicherheit zu garantieren, hat sich die Mister Cool AG mehrfach zertifizieren lassen. Die Kontrollen zeigten auf, dass die Arbeitsabläufe innerhalb des Produktionsbetriebes professionell und qualitativ hochstehend erfolgten, erläutert Jüni deren Bedeutung. Heute sei der Betrieb mit den Zertifikaten der globalen Food-Standards wie BRC, IFS, ISO 22 000 oder Bio-Knospe eines der bestzertifizierten Nahrungsmittelunternehmen der Schweiz.

Trotz generell schwierigem wirtschaftlichem Umfeld ist Daniel Jüni mit dem Geschäftsverlauf zufrieden. «Wir konnten kontinuierlich wachsen und haben unseren Umsatz in den vergangenen zehn Jahren massiv erhöhen können.» Aktuell beschäftigt das Unternehmen je nach Saison zwischen 12 und 15 Angestellte. Während im Winter die Produktion einschichtig läuft, wird im Sommer in zwei Schichten Glace hergestellt. Die Aussichten beurteilt er positiv. «Wir sind als KMU in einem Nischensegment tätig und, wie gesagt, ganz nahe am Kunden. Das ist unsere USP oder die Unique Selling Proposition.»