Es habe lange gedauert, bis die Kriegstetter mit ihrer katholischen Kirche zufrieden waren, schreibt die Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte in ihrer Ankündigung der neusten Nummer. Die Baugeschichte der St. Mauritius-Kirche ist komplex: Vor 500 Jahren entstand anstelle einer früheren Kirche ein neuer Kirchenbau. Von der 1276 erstmals urkundlich bezeugten Kirche blieb nichts erhalten. Die neue Kirche wurde 1512 zu Ehren des heiligen Mauritius geweiht. Im 18. Jahrhundert wuchs die Zahl der katholischen Bevölkerung, sodass die Kirche die Mitfeiernden nicht mehr fassen konnte.

Im Jahr 1841 wurde St. Mauritius deshalb wiederum ganz neu gebaut. Überliefert ist, dass der damalige Bischof die fertige Kirche abfällig als «Scheune» bezeichnet hat. So kam es, dass in Kriegstetten in den Jahren 1907/08 nochmals ein Anlauf genommen wurde. Mutig wurde der Entscheid gefällt, den namhaften Architekten August Hardegger zu engagieren, der aus der Saalkirche mit flacher Kassettendecke eine dreischiffige Hallenkirche mit Gewölbe machte. Auf genau diese Kirche sei Kriegstetten heute stolz.

«Äusserlich unscheinbar»

Die Umgestaltung gefiel, und zwar so sehr, dass sie den Erneuerungsbestrebungen in den 1960er- und 1970-er Jahren entging. Der Autor Fabrizio Brentini sieht in der «äusserlich unscheinbaren Pfarrkirche», darum ein «herausragendes, dem Historismus verbundenes Zeugnis, für das man heute dankbar sein kann».

Die wenigen schwarz-weissen Bilder, die den Zustand der Pfarrkirche vor dem letzten Umbau dokumentieren, sind im Führer enthalten und lassen rasch nachvollziehen, wie stark die Wirkung eines Raumes von Baustil und Ausstattung abhängt. Als Ko-Autor neben Brentini arbeitete der Theologe Rudolf Schmid mit, der sich insbesondere der Untersuchung der Heiligenbilder und -statuen widmete. (uby/mgt)

«500 Jahre Kirche Kriegstetten», ISBN 978-3-03797-065-2, ab 20. September erhältlich. Buchvernissage: Sonntag 23. September, 12 Uhr, Mehrzweckhalle Kriegstetten (gleich neben St. Mauritius).