«Nun wissen wir die ungefähre Anzahl der Jungstorche», sagt Renata Gugelmann, Mitarbeiterin des Infozentrums Witi und Storchen-Expertin. Sie und zwei weitere Mitarbeiterinnen hätten 45 Junge in 38 Horsten gezählt.

Einige würden schon keck über den Nestrand hinausblicken, andere hielten sich noch zurück. «Darum könnten es sogar noch mehr sein», so Gugelmann. Auch seien die Störchlein zurzeit noch sehr unterschiedlich gross. «Wir sind schon sehr froh, dass trotz des schlechten Wetters etliche überlebt haben», zeigt sich Gugelmann glücklich.

Letztes Jahr nur zwei Storchen-Babys

Für die Storchensiedlung Altreu ist die Nachricht des grossen Nachwuchs eine erfrischend positive Nachricht. Im letzten Jahr nämlich waren Kälte und Nässe das Todesurteil für die meisten Jungstörche. Weil das Sommerwetter zu spät kam, hatten bis zum Schluss nur zwei von ihnen überlebt.

Storchenspezialistin Gugelmann: «Wenn die Kleinen schlüpfen, ist das Federkleid am Anfang ganz strubblig, fast daunenhaft, und saugt die Nässe auf, die sich im Horst sammelt.» Die Kleinen sterben darum wegen Unterkühlung an einer Lungenentzündung. Die Expertin sagt, dass ein Altstorch mit seinen Flügeln den Jungen zwar eine gewisse Zeit lang Schutz bieten könne, sollte es aber über längere Zeit regnen, werde es problematisch. «Dann sind auch die Federn des Altstorchs durchnässt und das Wasser sammelt sich am Nestboden wie in einer Schale».

Und was passiert jetzt mit den mindestens 45 Jungstörchen im europäischen Storchendorf Altreu? Gugelmann erklärt: Rund zweieinhalb Monate nach der Geburt kann ein Storchenbaby sein Nest bereits zum ersten Mal verlassen. Es folgen verschiedene Flug- und Fresstrainings. Mitte Juni werden die Jungstörche dann, kurz bevor sie fliegen können, vom Verein «Storch Schweiz» beringt.

Zu diesem Zeitpunkt haben sie schon fast die Grösse und das Gewicht ihrer Eltern erreicht. Man erkennt sie einzig noch an ihrem schwarzen Schnabel und den schwarzen Beinen, die aber bald rot werden.

Mitte August, um Mariä Himmelfahrt, fliegen sie dann zum ersten Mal in den Süden und bleiben dort die nächsten zwei bis drei Jahre, bis sie die Geschlechtsreife erlangt haben. Ihre Eltern fliegen zirka Ende September ab, einige bleiben sogar über den Winter in Altreu.