Obergerlafingen
Ein Idealer Standort – aber nur einer profitiert davon

Die Industriezone Bolacker in Gerlafingen spült viel Geld in die Gemeindekasse – jetzt wollen auch die Nachbargemeinden Kriegstetten und Recherswil daran teilhaben.

daniel rohrbach
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Der Bolacker ist für Obergerlafingen eine Goldgrube - andere Gemeinden möchten auch profitieren
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Bolacker in Gerlafingen
Die Gewässerschutzzone daneben liegt einigen auf dem Magen
Die Industriezone wächst stark
Viele Firmen haben sich angesiedelt
Der Bolacker zieht auch viel Verkehr an
Nächste Ausfahrt Bolacker

Der Bolacker ist für Obergerlafingen eine Goldgrube - andere Gemeinden möchten auch profitieren

Hanspeter Bärtschi

Davon können andere Gemeinden nur träumen. Innerhalb von nicht einmal zehn Jahren hat sich das Steueraufkommen der juristischen Personen von Obergerlafingen gut verzehnfacht. Betrugen die Steuereinnahmen bei den juristischen Personen vor sieben, acht Jahren noch zwischen 30000 und 40000 Franken, sieht das Budget 2012 stolze 370000 Franken vor.

«Die Gewerbezone Bolacker hat sich schneller entwickelt, als wir erwartet hätten», sagt denn auch Gemeindepräsident Beat Muralt. Die rasche Entwicklung dieser Zone, die unmittelbar bei der Autobahnausfahrt Kriegstetten liegt, manifestiert sich auch bei einem Blick ins Handelsregister: In den letzten fünf Jahren haben sich nicht weniger als zehn neue Firmen im Bolacker angesiedelt. Der Steuerfuss für Firmen beträgt in Obergerlafingen 100 Prozent. Derjenige für natürliche Personen ist mit 105 Prozent nur minim höher.

Einst ein Steuerfuss 175 Prozent

Doch präsentierte sich die finanzielle Situation der Gemeinde nicht immer derart vorteilhaft wie heute. In den 1930er Jahren hätte sich Obergerlafingen gerne Gerlafingen angeschlossen. Im florierenden Von-Roll-Dorf wollte man aber vom damals armen Nachbarn nichts wissen. Ende der 1970er-Jahre betrug der Steuerfuss heute kaum mehr vorstellbare 175 Prozent. Die Gemeinde hatte soeben die Mehrzweckhalle gebaut und wollte diese aus eigenen Mitteln finanzieren. Heute plagen Obergerlafingen keine solchen Sorgen mehr. Im Gegenteil. «2014 werden wir wohl zu den Zahlern beim Finanzausgleich gehören», sagt Gemeindepräsident Muralt.

In unmittelbarer Umgebung des Autobahnanschlusses Kriegstetten ist der Bolacker die bisher einzige grössere zusammenhängende Industrie- und Gewerbezone. Das Land daneben, teilweise auch auf Gemeindegebiet von Kriegstetten und Recherswil liegend, soll unbebaut bleiben. Eine sich dort links und rechts erstreckende Gewässerschutzzone verhindert weitere Einzonungen. Und gemäss dem Raumentwicklungskonzept (REK) Wasseramt soll dies auch künftig so bleiben. Im REK Wasseramt, das unter der Federführung des kantonalen Amts für Raumplanung im Entstehen begriffen ist, wird aufgezeigt, wie sich die Siedlungsstruktur, der Verkehr und die Landschaft im Wasseramt bis 2025 entwickeln sollen.

Für Jäggi «unlogisch»

Für den Recherswiler Gemeindepräsidenten Hardy Jäggi ist die Gewässerschutzzone entlang der A1 zumindest «fragwürdig». Jäggi verweist auf mehrere «belastete Standorte», die sich in der Gewässerschutzzone befänden und derzeit vom Amt für Umwelt untersucht würden. «Wäre in diesem Gebiet keine Gewässerschutzzone, wäre dort der ideale Standort für weitere Einzonungen», ist Jäggi überzeugt. Dies nicht zuletzt wegen des Autobahnvollanschlusses. Dass dieser Umstand im REK nicht einmal in Betracht gezogen worden sei, ist für Jäggi «unlogisch». Doch damit nicht genug.

So wie das REK derzeit konzipiert ist, ist vorgesehen, dass nur noch die Agglomerationsgemeinden so genannte Schwerpunkte Wohnen und Arbeiten erhalten. Die kleineren Gemeinden ausserhalb des Agglomerationsgürtels sollen nicht mehr nach aussen wachsen können.

Und bei diesem Punkt setzt Jäggis grundsätzliche Kritik am REK an. So kann der Recherswiler Gemeindepräsident nicht verstehen, warum in Gemeinden, die bereits heute grosse Verkehrsprobleme haben, noch zusätzlich grosse Landwirtschaftsflächen überbaut werden sollen. Ebenso lasse das REK finanzielle Aspekte ausser Acht. Sprich: Entschädigungen für Gemeinden, die nicht mehr wachsen können. Jäggis Fazit zum REK Wasseramt: Die kleinen Gemeinden sollen verhungern und in Fusionen getrieben werden.

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