Deitingen

«Ein Gefühl der Freiheit» im 24-Stunden-Betrieb an der Autobahn

Das Interieur von «Cindy’s Diner» ist im Stil der 1950er-Jahre gehalten. Hier gehen dieHamburger reihenweise über die Theke.

Das Interieur von «Cindy’s Diner» ist im Stil der 1950er-Jahre gehalten. Hier gehen dieHamburger reihenweise über die Theke.

In der Ferienzeit packt Christian Iff als Chef der Autobahnraststätte «Cindy’s Diner» in Deitingen schon mal selber mit an. «Die Autobahn ist unsere Geldquelle», betont Iff.

Christian Iff strahlt Freundlichkeit und Herzlichkeit aus. Er ist der Geschäftsführer des «Cindy’s Diner». Die Raststätte Deitingen Süd erlangte 1968 als Silberkugel und als erstes Autobahnrestaurant der Schweiz Aufmerksamkeit. Mittlerweile trägt sie den Namen «Cindy’s Diner» und gehört zu den Gastronomiebetrieben der «Marché Restaurants Schweiz AG», welche Anfang 2014 zur Coop-Gruppe wechselten. Die an einen Vogel mit ausgebreiteten Schwingen erinnernden Isler-Schalen aus Beton stehen unter Denkmalschutz.

Ein «Schickimicki-Betrieb» würde Christian Iff nicht behagen. Er schätzt den lockeren Umgang mit Gästen, Freunden und Angestellten und hinterlässt den Eindruck, als könnte ihn nichts erschüttern. «Das Ambiente dieses Betriebs gibt mir ein Gefühl der Freiheit», sagt er. Ob da wohl das Innenleben der Raststätte mit dem zeitlos trendigen Stil der 50er-Jahre mithilft? Immerhin handelt es sich um einen 24-Stunden-Betrieb mit rund 55 Angestellten.

Autobahn als Geldquelle

«Die Arbeitssteigerung zwischen der schwächsten und stärksten Frequenz beträgt 400 Prozent», sagt Christian Iff. Das bedeute vorausschauen und planen und dabei hoffen, dass es aufgeht. Grossen Einfluss hätten etwa Konzerte, Hockeymatchs, die Anlässe im Stade de Suisse in Bern, die Ferienzeit. Der Blick ins Internet sei dabei hilfreich und unerlässlich. Der Genfer Autosalon bedinge sogar zwei Mitarbeitende mehr im Abendgeschäft. Notfalls könnten Schichten vor- oder nachverschoben werden. In Extremsituationen ist der Geschäftsführer selber an der Front anzutreffen. «Die Autobahn ist unsere Geldquelle», resümiert Christian Iff. Im Jahr 2012 fuhren pro Tag gegen 90 000 Fahrzeuge auf der A 1.

Ansturm auf die Toilette

Eine grosse Herausforderung bedeuteten die Feiertage, auch in Bezug auf den Materialeinkauf. Und dieser lässt sich sehen. 70 000 Kilo Kartoffeln, 21 500 Kilo Rindfleisch, 1850 Kilo Speck, 6500 Kilo Tomaten, 2500 Stück Kopfsalat pro Jahr, zählt der 32-jährige gebürtige Biberister auf. «Alles wird hier im Haus frisch zubereitet», hebt Iff hervor. Die Gäste werden im «Cindy’s Diner» vor allem mit speziellen Gourmet-Burgern verwöhnt, deren Rindfleisch direkt vom Fleischwolf auf den Grill kommt, eingeklemmt in Brot aus Dinkelmehl. Die Kartoffeln für die «Cindy’s Fries» werden selber geschnitten und frittiert. Die Lebensmittel stammen grösstenteils aus der Region.

Aufhorchen lassen die Zahlen betreffend das stille Örtchen: Jährlich werden dort 300 Liter Flüssigseife und 10 500 grosse Papierrollen verbraucht. Dass die WC-Besuche – 1500 bis 1800 pro Tag – einen Franken kosten, ist nachvollziehbar. Vielfach würden Reisende carweise die Toiletten benutzen, ohne zu konsumieren. Für Gäste aber ist die Benutzung gratis, denn der gleichzeitig abgegebene Bon kann in allen «Marché»-Restaurants der Schweiz eingelöst werden.

«Papa Joe’s» in Wien

Wenn Christian Iff als Geschäftsführer eines 24-Stunden-Betriebs sagt: «Der Beruf nimmt viel von meiner Zeit ein», ist dies verständlich. Seine Hobbys liegen mit Gastronomie und Kultur erleben sowie Reisen auf der Geniesserseite. Mit einer Kochlehre im Gasthof Sternen in Kriegstetten begann seine Karriere. Nach der militärischen Laufbahn, vom Küchenchef bis zum Quartiermeister sowie zwischenzeitlichen Arbeitseinsätzen in verschiedenen Betrieben, absolvierte er die Hotelfachschule in Thun.

Das Restaurant «Papa Joe’s» in Bern machte ihm schliesslich das verlockende Angebot, in Wien ein ebensolches Lokal von Grund auf aufzubauen. Das hiess, Arbeitsabläufe und Geräte prüfen, Pläne überarbeiten, Personal suchen. Nach drei Jahren Wien zog es ihn zurück in die Schweiz, wo er seit Mitte Juli 2010 erfolgreich das «Cindy’s Diner» in Deitingen Süd führt sowie seit Anfang Jahr zusätzliche Führungsaufgaben in allen drei Schweizer «Cindy’s Diner» übernommen hat.

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