Fliegerei
Ein fliegendes Denkmal für Grenchen

Die «Dewoitine D.26» ist eine der zwei ältesten flugfähigen Maschinen der Schweiz. Nun soll sie zurück in ihre Heimat Grenchen. Dort stand das Flugzeug jahrelang als Schleppflugzeug im Einsatz.

Andreas Toggweiler
Drucken
Teilen
Peter Brotschi, links, und Alfred Fasnacht setzen sich dafür ein, dass die Dewoitine zurück nach Grenchen kommt
8 Bilder
Dewoitine
Die Dewoitine im Flug
Blick ins Cockpit
D26 HB-RAG-Restaurationsteam
1994 wurde die Maschine an das Luftwaffenmuseum Dübendorf abgegeben
Am Rumpf prangt das Grenchner Wappen
D26 HB-RAG in Begleitung von Ju-52

Peter Brotschi, links, und Alfred Fasnacht setzen sich dafür ein, dass die Dewoitine zurück nach Grenchen kommt

Solothurner Zeitung

83-jährig ist die alte «Dame» inzwischen, aber immer noch flugtüchtig. Das historische Flugzeug «Dewoitine D.26», einst in den Diensten der Schweizer Luftwaffe und später lange Jahre auf dem Flughafen Grenchen als Schleppflugzeug im Einsatz, soll zurück in seine «Heimat» am Flughafen Grenchen gebracht werden.

Dies hat sich eine Gruppe flugbegeisterter Grenchner rund um den Lehrer, Politiker und Aviatikschriftsteller Peter Brotschi vorgenommen. «Wir möchten, dass dieses einmalige Flugzeug, das in besonderer Weise mit Grenchen verbunden ist, wieder eine Heimat am hiesigen Flughafen bekommt», so Brotschi. «Denn es hat den gleichen Jahrgang wie der Flughafen Grenchen und war nach der Ausmusterung auch viele Jahre hier als Schleppflugzeug für die Segelfluggruppe im Einsatz. Zudem waren die Jagdflugzeuge des gleichen Typs im Zweiten Weltkrieg in Grenchen stationiert. Die Maschine trägt sogar das Wappen von Grenchen», schwärmt der derzeitige Kantonsratspräsident. Und schliesslich ist es zusammen mit einer anderen Maschine desselben Jahrgangs das älteste betriebsfähige Flugzeug der Schweiz überhaupt.

Geschichte mit Höhe- und Tiefpunkten

Die Dewoitine D.26 ist eine von elf baugleichen Flugzeugen, die von 1931 bis 1936 in Thun gebaut wurde. Der Franzose Émile Dewoitine hatte Ende der 20er-Jahre zuerst ein Jagdflugzeug mit zwei Maschinengewehren (D.27) entwickelt, dem danach die Trainingsversion folgte. Anfang August 1963 wurde
die HB-RAG bei einem Startabbruch beschädigt und in der Folge aus dem Verkehr genommen.
Die Segelfluggruppe Grenchen schenkte sie darauf der Stadt Grenchen für das geplante Heimatmuseum. Die Stadt lagerte das demontierte Flugzeug während rund 20 Jahren in verschiedenen Liegenschaften. Die Umzüge und die Tatsache, dass die Lagerräume ungesichert waren, schadeten dem Flugzeug. 1982 nahmen sich die flugbegeisterten Jugendlichen Stefan Haudenschild, Heinz Randegger, Peter und Rolf Stuber vor, das arg lädierte Flugzeug am Flugtag «50 Jahre Segel- und Motorfluggruppe Grenchen» auszustellen. Die Dewoitine war ein viel beachtetes Objekt an den Flugtagen vom 28./29. August 1982. Nach den Flugtagen wird es wieder ruhig um die Dewoitine. Sie findet einen Platz im Farner-Hangar, bis sie demontiert wird.
Die Stadt Grenchen überreichte schliesslich die Maschine der 1984 gegründeten Stiftung Museum Grenchen. «Das Museum hätte allerdings keinen Platz gehabt, das Flugzeug auszustellen», erklärt Alfred Fasnacht, ehemaliger Stiftungsratspräsident. 1994 vermachte die Stiftung das Flugzeug dem Luftwaffenmuseum Dübendorf, das die Maschine in Interlaken gründlich restaurieren liess; dies durch ehemalige Mitarbeiter der Luftwaffe, die sich beispielsweise in der Aufarbeitung stoffbespannter Flügel auskannten. Im Jahr 2000 war es so weit und das Flugzeug konnte wieder nach Dübendorf fliegen, wo es bis 2008 ausgestellt war. Aus Gründen der Geldbeschaffung für die Renovation des dortigen Museums wurde die Dewoitine 2008 an einen privaten Sammler verkauft. (at.)

Umfassend restauriert

Die Maschine ist in uneingeschränkt flugtüchtigem Zustand und wird voraussichtlich auch Ende August angesichts der Festivitäten zu 100 Jahre Schweizer Luftwaffe in Payerne gezeigt. Dies dank einer umfassenden Restauration durch sieben ehrenamtlich arbeitende Pensionierte der Bundesbetriebe der Luftwaffe, die in einem Hangar bei Interlaken nicht weniger als 11 000 Arbeitsstunden in das Flugzeug investiert hatten.

Nach 28 Jahren Odyssee in Grenchner Kellern (vgl. Kasten) und acht Jahren Restaurationszeit hatte die Maschine danach im Jahr 2000 ihren zweiten Erstflug. «Allein der Arbeit dieser Männer, von denen manche schon nicht mehr leben, sind wir es schuldig, dass die Maschine weiterfliegt und öffentlich zugänglich ist», so Brotschi.

«Denn diesbezüglich besteht Handlungsbedarf», sagt Alfred Fasnacht, ehemaliger Präsident der Grenchner Museumsgesellschaft, welcher das Flugzeug jahrelang gehörte (vgl. Kasten). «Der derzeitige Besitzer der Maschine, der Flugzeug-Enthusiast Albert Zeller (Teufen), möchte die Maschine nämlich verkaufen und räumt uns ein Vorkaufsrecht ein. Diese Chance müssten wir packen», meint auch Fasnacht. Denn der Besitzer habe Sorge getragen zur Maschine und diese gut unterhalten.

Es fehlen 64 000 Franken

«Dieses Flugzeug hat intakte Chancen, hundertjährig zu werden», so auch der passionierte Flieger Brotschi. Doch für den Kauf der Maschine braucht es zuerst einmal Geld. Der Verkaufswert der Maschine beträgt 150 000 Fr. Einen Drittel davon würde Besitzer Zeller möglicherweise als Darlehen stehen lassen, der Solothurner Lotteriefonds hat 18 000 Franken zugesichert und ebenso viel die Stadt Grenchen. Somit müssen für den Kaufpreis noch 64 000 Franken beigebracht werden. Zudem braucht es noch Startkapital für den Betrieb des Flugzeuges.

«Für diesen Betrag suchen wir jetzt einen Sponsor», lässt Brotschi die Katze aus dem Sack. «Er wäre dann stolzer Mitbesitzer des ex aequo ältesten fliegenden Flugzeuges der Schweiz, könnte sein Logo auf der Maschine anbringen und gewiss sein, dass er für die historische Fliegerei in der Schweiz, insbesondere in Grenchen, etwas Grosses getan hat.»

Verein für den Betrieb

Gleichzeitig soll auch ein Verein gegründet werden – Arbeitstitel Verein historische Luftfahrt Grenchen – der sich um einen Hangarplatz und den Betrieb des Flugzeuges kümmern will. Ein Handicap hat die Dewoitine diesbezüglich. Sie ist ein Einplätzer und kann keine Passagiere mitnehmen. Die Kosten sollen deshalb durch Vereinsbeiträge, Auftritte an Meetings oder Vermietung der Maschine an routinierte Piloten mit Heckrad-Erfahrung gedeckt werden. Eine Facebook-Seite macht auf die Aktion aufmerksam.

Brotschi wäre bereit, als Vereinspräsident mitzuziehen. Er nennt auch eine Reihe Grenchner, die hinter dem Projekt stehen und sich schon für die Dewoitine eingesetzt haben: Kurt Stuber («Er hat sie noch selbst geflogen!»), Willi Dysli, René Meier, Lukas Walter, Alfred Fasnacht, Thomas Fessler und Alfred Lüthi.

Wie viel Zeit hat man noch? «Wir möchten die Maschine noch dieses Jahr kaufen können», betont Brotschi. Denn ewig werde der Besitzer das Flugzeug nicht reservieren. Danach würde ein Verkauf an den Meistbietenden drohen.

Ab dem 8. September wird die Dewoitine D.26 für ca. einen Monat im Flughafen Grenchen für Interessenten zu besichtigen sein.

Aktuelle Nachrichten