Wenn man auf der Kantonsstrasse Balsthal durchquert, fährt man durch die Herrengasse (siehe Bild). Linkerhand präsentiert sich die kleinstädtisch anmutende Häuserzeile, rechts sind das ehemalige Gasthaus Rössli, das einstige Amthaus mit seinem charakteristischen Türmchen und die St. Ottilienkapelle als markante Gebäude zu sehen. Bei flüchtigem Hinsehen scheint sich in diesem Teil des geschützten Ortskerns von Balsthal wenig verändert zu haben.

Wild-West-Fassade

Als Schandfleck muss aber die verlotterte Wildwest-Film-Fassade im östlichen Teil der Herrengasse bezeichnet werden. Innerhalb der Häuser aber vollzieht sich ein stetiger Wandel. Vor allem auch im Bereich der Verkaufsgeschäfte an der Herrengasse und der westlich weiterführenden Falkensteinerstrasse sind immer wieder Veränderungen, Schliessungen , Wegzüge, aber auch Neueröffnungen festzustellen. Seit einiger Zeit sind an der Herrengasse einige Schaufenster leer. Befragte Einheimische sehen den Grund vor allem darin, dass viel in Solothurn, Olten, im Gäupark oder neuerdings auch in Oensingen «gepostet» wird. Das sind aber nicht die einzigen Gründe, die zu Geschäftsschliessungen führen können.

Ein leeres Schaufenster weniger

Judith Hafner, Präsidentin des Gewerbevereins Balsthal-Klus, der in diesem Jahr seinen hundertsten Geburtstag feiern kann, denkt positiv: «Natürlich hat man keine Freude, wenn Geschäfte geschlossen werden. Aber ein gewisses Ladensterben hat es schon immer gegeben. Es ist ein Auf und Ab.» Tatsächlich wird es bereits am 9. Juni ein leeres Schaufenster weniger geben. Es handelt sich um das schöne Verkaufsgeschäft an der Ecke Herrengasse/Goldgasse (vormals Uhren- und Schmuckgeschäft Patreas).

Das Büro Ekoreisen AG, welches im Bahnhofgebäude Balsthal eingemietet war, wechselt sein Domizil ins Dorfzentrum von Balsthal. Geschäftsführer Walter Kunz dazu: «Wir sind seit 1988 in Balsthal und glauben fest an den Standort Balsthal.» Er erachte die neue Lage des Reisebüros als Superstandort an zentralster Stelle. Der Grund für den Umzug sei der Umbau des Bahnhofgebäudes Balsthal.

Zu wenig wahrgenommen

Judith Hafner ist überzeugt, dass der Gewerbeverein sehr viel für das Dorf mache, aber dies werde zu wenig wahrgenommen. In einem Interview im Anzeiger wünscht sie sich, dass die Thaler Bevölkerung die Einkaufsmöglichkeiten in der Region noch besser nutzen könnte. Diese Möglichkeiten gebe es im Moment noch. Um den Einkaufsort Balsthal erhalten zu können, brauche es einen vielfältigen Branchenmix.

«Neue Unternehmen für Balsthal gewinnen und die bestehenden erhalten», lautet das Motto des Gewerbevereins Balsthal-Klus. Im Büchlein «100 Jahre Gewerbeverein Balsthal-Klus» wird zudem das Parkplatzproblem angeschnitten: «Nach wie vor ist auch die Optimierung des Parkplatzangebotes für Kunden und Liegenschaftsbesitzer ein Anliegen, das den Gewerbeverein noch lange in die Zukunft hinein beschäftigen wird.»

Falscher Eindruck

Bei der Abzweigung der Herrengasse in die Löwengasse befindet sich das Kleidergeschäft Molto Bene von Benedikt Ritler. Den Geschäftswechsel von der Herrengasse 24 an den jetzigen Standort vollzog Ritler im Jahre 2003. Auch er ist nicht unglücklich über die Lage des Geschäftes an der Herrengasse: «Früher war ich weg vom Schuss. Meine Lage an der viel befahrenen Strassenabzweigung hat auch Vorteile.» Viele Passanten würden sein Geschäft sehen und später oft als Kunden im Laden erscheinen. Ritler zeigt sich allgemein zufrieden mit seinem Job und seiner Firma. Doch auch er meint: «Wenn man zur Region steht, sollte es nicht immer mehr leere Schaufenster geben.Durch einen gesunden Branchenmix können alle Geschäfte profitieren.» Geschlossene Geschäfte würden für Passanten den Eindruck erwecken, es laufe gar nichts. Das stimme aber überhaupt nicht. Die Balsthaler Gewerbler würden sich grosse Mühe geben, der Kundschaft eine aktuelle Auswahl in geeigneten Räumen zu bieten. Als jüngstes Beispiel nannte er den Ausbau des Schuhhauses «Zum Stiefel» an der Herrengasse.

Grosse Hoffnung machen sich die Gewerbetreibenden von Balsthal auf die Gewerbeschau Thal 2012. Dort könne man einmal mehr zeigen, dass das Angebot in der Region recht gross sei und dass die Betriebe auch zahlreiche Arbeitsplätze und Lehrstellen anbieten.