Brettlach
Ein Bettlacher fliegt mit den Fingerspitzen über Stock und Stein

Urs Fessler aus Bettlach ist begeisterter Modellpilot. Vor einem Jahr hat er angefangen, Bilder und Videos mit Drohnen, einer Art fliegende Roboter, aufzunehmen. Neue Perspektiven für viele Anwendungen sind damit denkbar.

Andreas Toggweiler
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Drohnenfotografie ermöglicht spektakuläre Luftbilder. Der Bettlacher Drohnenpilot Urs Fessler zeigt einen Auswahl seiner Bilder
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Urs Fessler in seiner Modellbauwerkstatt

Drohnenfotografie ermöglicht spektakuläre Luftbilder. Der Bettlacher Drohnenpilot Urs Fessler zeigt einen Auswahl seiner Bilder

zvg

Der Mensch liebt immer wieder neue Anblicke. «Wie sieht das wohl von oben aus?», fragt man sich nicht selten. Als vor 25 Jahren die «Swiss View»-Flüge im Fernsehen zwischen den Sendungen gezeigt wurden, bekamen sogar die Pausenfüller aufmerksame Zuschauer. Das Erstellen von Videos aus der Luft war damals eine aufwendige Sache.

Die technologische Entwicklung bei der Elektronik, bei Elektromotoren, GPS, Akkus und Werkstoffen hat dazu geführt, dass Luftaufnahmen, für die man früher ein Flugzeug oder einen Helikopter brauchte, heute von kleinen, ferngesteuerten Drohnen aus möglich sind. Und bereits hat auch die kommerzielle Nutzung dieser fliegenden Roboter begonnen. Ungewöhnliche Perspektiven von Sportveranstaltungen, Firmengebäuden oder Immobilien machen sich auf jeder Homepage gut. Viele weitere Anwendungen sind denkbar: Von der Kontrolle von Solarpanels von oben über Überwachungsaufgaben, die Rekonstruktion von Unfällen bis zur Personensuche oder dem Auffinden von in Feldern versteckten Rehkitzen via Infrarotkamera.

Vor einem Jahr vom Fieber gepackt

Vor einem Jahr wurde der 38-jährige Sozialpädagoge Urs Fessler vom «Drohnenfieber» gepackt. Schon sechs solcher Luftfahrzeuge hat der erfahrene Modellflieger gebaut. Ein siebtes Fluggerät, sein bisher Grösstes, ist im Kellergeschoss seines Einfamilienhauses in Bettlach gerade im Entstehen. Es soll mit acht Elektromotoren angetrieben werden und eine Kameralast von 3 Kilogramm tragen können.

Fessler ist gelernter Werkzeugmacher und hat sich eine gut ausgestattete Werkstatt eingerichtet. Die Elektronikkenntnisse hat er sich selbst beigebracht. «Um Drohnen lenken und bauen zu können, braucht man viel Modellflugerfahrung und technisches Flair», erklärt er.

Die Drohnen sind jeweils ähnlich aufgebaut und sehen aus wie eine fliegende Spinne: Eine Leichtmetall- oder Karbonfaserkonstruktion trägt einen zentral angeordneten Elektronik- und Batterieteil, darum herum sind sternförmig die Hochleistungs-Elektromotoren angeordnet, die mit bis zu 14000 Umdrehungen pro Minute rotieren. Unten hängt eine Trapezkonstruktion, an der verschiedene Foto- und Filmkameras befestigt werden können. Die Drohne kann bis zu 70 km/h schnell fliegen und kann sich dank der Kamera auch aus der direkten Sichtweite des Piloten entfernen. «Das ganze Gerät stabilisiert sich teilweise im Flug elektronisch selbst. Falls die Verbindung zur Fernsteuerung abbrechen sollte, kehrt es GPS-gesteuert automatisch zu seinem Startpunkt zurück», erläutert Fessler.

Aufnahmen live auf Bildschirm

Am Boden steuert der Pilot das Ganze mit einer handelsüblichen Modellsteuerung. Als Unterstützung dient eine Videobrille, auf die das Bild der fliegenden Kamera übertragen wird. Damit auch Zuschauer die Luftbilder live mitverfolgen können, hat er einen Koffer mit Bildschirm dabei. Kunden können so die Aufnahmen begleiten und Anweisungen geben, was zu sehen sein soll. Fesslers Ziel ist klar. «Ich möchte damit mein Hobby finanzieren und mich beruflich weiterentwickeln können», erklärt er.

Bereits gibt es einige Anbieter in der Schweiz, die das Potenzial der Luftaufnahmen erkannt haben. «In der Region bin ich aber wohl der Erste, der die Dienstleistung so anbietet.» Ab 150 Franken für ein Foto des eigenen Hauses ist man dabei. Auch Hochzeitspaare haben Fesslers Dienstleistung schon beansprucht. Grosses Potenzial sieht er in der Architekturfotografie oder für eine optimale Präsentation eines Hauses auf dem Immobilienmarkt. «Selbst die Polizei oder Wehrdienste könnten mit Luftbildern arbeiten, aber auch Medien», meint Fessler. Die Drohne sei innert Minuten einsatzbereit und könne auch in völliger Dunkelheit fliegen.

Wie steht es mit dem Datenschutz, wenn man von oben fotografiert oder gefilmt wird? «Die Situation ist von Google Street View bekannt. Was von aussen einsehbar ist, darf gezeigt werden», mein Fessler dazu. In der Regel seien einzelne Personen auf den Luftbildern nicht erkennbar oder würden bei einer Veröffentlichung unkenntlich gemacht. Bei ganzen Gruppen sei das jedoch erlaubt, solange die einzelnen Personen in der Gruppe untergehen.

www.drohnen-luftbilder.ch

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