Langendorf

Ein alter Lindenbaum als einziger Zeuge einer langen Geschichte

Der Staalenhof dient heute als Wohnhaus für mehrere Generationen. Über den einstigen Erbauer ist nichts bekannt. Auch die Besitzer des einstigen Jagdschlösschen wechselten häufig im Laufe der Jahrhunderte.

Seit über 400 Jahren steht der Staalenhof unterhalb des Heimlisbergwaldes. Vermutlich stand es zu Beginn komplett im Wald und wurde als Jagdschlösschen genutzt. Das Haus gehört zu Langendorf, obwohl es gefühlsmässig näher bei Bellach steht.

Das Herrschaftshaus mit seinen beiden Türmen und den auffälligen rot-weiss gestreiften Fensterläden dient heute als Wohnhaus. Das danebenstehende Ökonomiegebäude ist verpachtet.

Der Staalenhof hat eine wechselhafte Geschichte. Wer ihn erbaut hat, ist unklar. Im Lauf der Jahrhunderte gab es viele Besitzerwechsel. Immer waren es aber bekannte Solothurner Bürger- und Patrizierfamilien, die den Landsitz besassen. Erstmals erwähnt ist er 1580, damals war er im Eigentum des Solothurner Schultheissen Lorenz Aregger. Gibelin, Glutz, vom Staal, Tugginer und von Roll waren weitere Besitzerfamilien.

Bauliche Einschnitte

Im Lauf der Jahrhunderte gab es zwei Einschnitte, die das Haus baulich markant veränderten. So ist bekannt, dass die beiden Türmchen von Franz Philipp vom Staal, Chorherr zu Schönenwerd und später Chorherr des St.-Ursen-Stiftes angebaut wurden. Im Türmchen, das östlich liegt, liess vom Staal, der 1770 verstarb, eine kleine Hauskapelle einrichten. Das Kreuz auf dem Turm ist noch heute zu sehen und erinnert daran.

Eine weitere Veränderung gab es mit dem Bau der Solothurner Münsterbahn von 1904 bis 1908. Damit wurde das Hofgut in zwei Teile getrennt. Der Landsitz blieb bestehen, das ehemalige Bauernhaus wurde abgerissen. Südlich des Herrschaftshauses wurde 1905 ein neues Ökonomiegebäude erstellt. Der Staalenhof wurde übrigens während all dieser Jahre immer von Pächtern bewirtschaftet.

Selbst bewirtschaftet

Seit 1934 ist der Staalenhof im Besitz der Familie von Roll. Viktor von Roll-Ziegler erwarb den Landsitz mit dem dazugehörigen Ökonomieteil 1934 und bewirtschaftete das Gut bis 1967 selbst. Auch nach seinem Tod blieb das Haus in Familienbesitz. Heute wird es durch Alice und Urs Bentz-von Roll bewohnt.

Alice Bentz wuchs auf dem Staalenhof auf und ist mit dem Haus eng verbunden. «Wir haben als Kinder und Jugendliche viel mitgeholfen im Landwirtschaftsbetrieb», erklärt sie. Obwohl «nur angeheiratet» hat Urs Bentz einiges über die Geschichte des Hauses zusammengetragen.

Die 20 Hektaren Landwirtschaftsland, die zum Staalenhof gehören, sind seit 1967 wieder verpachtet. Seit einiger Zeit wohnt der Pächter nicht mehr auf dem Staalenhof. Damit konnte das Haus umgenutzt werden. Die Mietzinse, die so erwirtschaftet werden, werden in den Unterhalt des Hauses gesteckt.

So musste vor nicht allzu langer Zeit das Dach erneuert werden. Das Haus wurde zudem isoliert. Erst vor wenigen Jahren wurde ein Fundament unter das Haus geschoben. «Es gab zwar Kellerräume aber der Staalenhof wurde einfach in den Hang hineingebaut», erklären Alice und Urs Bentz.

Übrigens: Ein Zeitzeuge hat einige der verschiedenen Besitzer und die Umbauten überlebt. Schade, dass der rund 200 Jahre alte, grosse und dicke Lindenbaum auf der Südseite des Hauses nicht sprechen kann.

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