Biberist
Ehemaliges Areal der Mühlemann AG ist wieder bevölkert

Die Feintool-Gruppe hat das Mühlemann-Areal im letzten Jahr verkauft. Knapp zwei Jahre nach dem Aus ist das Areal nun wieder bevölkert. Die Gebäude sind bereits zu 80 Prozent vermietet.

Lucien Fluri
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Im Industriegebäude sind heute KMU und Dienstleister untergebracht

Im Industriegebäude sind heute KMU und Dienstleister untergebracht

Lucien Fluri

Ins ehemalige Mühlemann-Areal in Biberist ist Bewegung gekommen: Knapp zwei Jahre nach dem Aus des Industriebetriebes hat das Gelände einen neuen Besitzer. Die Lysser Feintool-Gruppe hat die Liegenschaften per 28. November 2011 an die Fidfund Management SA in Nyon verkauft. 17 Millionen Franken hat der Westschweizer Immobilienfonds nach Lyss überwiesen. Dafür hat er ein grösstenteils vermietetes Areal erhalten. «Das Interesse an den Mietflächen war in den letzten Wochen gross», sagt Feintool-Sprecherin Karin Labhart. «Die Liegenschaft ist zu 80 Prozent vermietet.» 22 000 Quadratmeter gross ist das Areal.

Dienstleister statt Industrie

Seit letzten Sommer sind mehrere Unternehmen an die Burgunderstrasse gezogen. Nachgeholfen hat auch die Feintool-Gruppe. Man habe jungen Unternehmen «die Chance gegeben, zu fairen Konditionen ihr neues Business aufzubauen», erklärt Labhart. Geschehen ist dies wohl auch aus dem Interesse, die Liegenschaften so besser verkaufen zu können. «Ein bevölkertes Areal bleibt attraktiv», erklärt Labhart. Feintool-Finanzchef Thomas Bögli zeigt sich zufrieden mit den anderthalb Jahren Verkaufsfrist. «Das ist für ein Areal in dieser Grössenordnung eine realistische Zeitspanne.» Der Erlös dient laut Feintool vollumfänglich der Reduktion der Bankkredite.

Statt eines grossen Industriebetriebes sind jetzt grösstenteils KMU und Dienstleistungsbetriebe in den Liegenschaften angesiedelt. Seit August produziert die Mythentec AG auf 3400 Quadratmetern Kunststofferzeugnisse. Zehn Personen arbeiten aktuell im Betrieb. Ebenfalls seit letztem Sommer ist die Medizinal- und Spitalbedarf-Firma Ginova-Medical mit vier Mitarbeitern auf dem Areal. Die ursprünglich in Solothurn beheimatete Firma ist aus Biel nach Biberist gezogen. Geschäftsführer Ronald Schütz preist die Infrastruktur als Vorteil an.

150 Parkplätze waren ausschlaggebend

Mitte Oktober hat der Fitness-Temple von Michel Brügger nach fünf Jahren in Lohn nach Biberist gewechselt. «Der Standort ist lebendiger», zeigt sich Christine Müller vom Fitness-Temple zufrieden. Ausschlaggebend seien auch die 150 Parkplätze vor dem Haus gewesen.

Ein Unternehmen hat besonders für die hohe Belegung gesorgt: Letzten Samstag hat der Büromöbel-Händler Tradingzone eine Filiale in Biberist eröffnet. Auf 8000 Quadratmetern - inklusive Lager - bietet das Unternehmen Occasions-Büromöbel aus Räumungen an. Hauptkundschaft sind junge KMU. «Wir wollten in Richtung Bernbiet expandieren», sagt Diego Bühler, Leiter der Biberister Filiale. Bereits in Rümlang und Landquart bestehen zwei Filialen der Tradingzone.

Zuerst habe man im Kanton Bern Räume gesucht «Wir hatten in Rümlang viele Kunden aus dem Bernbiet, die den Weg nach Rümlang auf sich nahmen», erklärt Bühler. Die Wahl sei schliesslich wegen des Lagerraumes und der zentralen Verkehrslage auf Biberist gefallen. «Aus dem Raum Bern und aus der französischen Schweiz sind wir auf der Autobahn gut erreichbar.»

Vorbild für das Sappi-Areal?

«Eine erfreuliche Sache» sind die neuen Arbeitsplätze für Gemeindepräsident Martin Blaser. «Wir haben wieder Arbeitsplätze besetzt, die wir verloren haben.» Zwar bietet die Struktur zahlreicher KMU weniger Arbeitsplätze als der ehemalige Industriebetrieb, der bei der Schliessung 2010 noch 200 Mitarbeiter zählte. Als Vorteil führt Blaser dafür ins Feld, dass die Leute eher dort arbeiten, wo sie wohnen. Ein Vergleich zum Sappi-Areal lässt sich laut Blaser nur schwer ziehen. Dieses sei viel grösser und biete von den Gebäuden her höhere Hürden für eine Neunutzung. Ein Steuerungskomitee plant momentan die Neunutzung des Sappi-Geländes.

Was die neuen Besitzer mit dem Gelände vorhaben, war nicht zu erfahren. Fidfund Management war gestern nicht erreichbar. Laut Auskunft verschiedener Mieter laufen die Verträge unverändert weiter.

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