Amtsgericht
Ehemaliger Offizier der Schweizer Armee steht vor Gericht

Eigentlich wollte der Offizier nur den Streit eines Paares schlichten. Weil er sich bedroht fühlte, zückte er die Pistole. Gestern standen die beiden Männer vor Gericht.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
Der Offizier wollte einen Streit schlichten. (Symbolbild)

Der Offizier wollte einen Streit schlichten. (Symbolbild)

Keystone

Ein frisch getrenntes Paar stritt sich heftig. Der Nachbar, ein ehemaliger Offizier des Schweizer Militärs, wollte helfen, wurde in den Streit involviert und zückte die Pistole, weil er sich bedroht fühlte. Gestern mussten sich die beiden Männer vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verantworten. Angeklagt waren einerseits ein heute 24-jähriger Schweizer mit türkischen Wurzeln wegen mehrfacher Drohung, Tätlichkeiten, Beschimpfung und Freiheitsberaubung sowie auf der anderen Seite ein 41-jähriger Schweizer wegen Drohung und Vergehens gegen das Waffengesetz.

Christa S.* erzählte, dass sie oft von ihrem Ex-Freund Ali G.* geschlagen worden sei. «Er hat gemerkt, dass er das mit mir machen kann», sagte sie unter Tränen. «Ich bin so lange nicht von ihm weggekommen, weil ich Angst hatte. Wenn ich mich bei ihm nicht gemeldet hatte, dann terrorisierte er meine Familie.» Am Abend des 4. Aprils 2012 tauchte Ali G. in Begleitung einiger Freunde bei Christa S. auf und wollte sie zu einer Aussprache zwingen. Die Mutter stellte sich dazwischen und wurde deshalb beschimpft und mit Gesten bedroht. Zudem sei sie von Ali G. heftig weggestossen worden.

Die Mutter klingelte darauf beim Nachbarn und bat um Hilfe. Der schaute sich die Situation aus dem Fenster an. «Es hat so überfallmässig ausgesehen», sagte Peter M.*, «zwei Autos vor dem Haus, grosses Geschrei. Da dachte ich, ich nehme besser die Waffe mit.»

Auf den Kopf gezielt?

Ali G. stellte sich mit Imponiergehabe vor dem ihm fremden Mann auf, schrie diesen an und fragte mehrfach, wer er sei und was er hier wolle. Peter M. fühlte sich bedroht und zeigte seine Pistole. Laut Ali G.* habe er eine Ladebewegung gemacht und auf den Kopf gezielt, was Peter M. vehement bestritt. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Roland Bühler, berief sich auf Notwehr und forderte einen Freispruch. «Er musste einen Angriff befürchten und hat sich angemessen dagegen gewehrt.

Der schwerste Vorwurf gegen Ali G. lautete auf Freiheitsberaubung. Am Morgen des 12. Mai 2012 setzte er sich in den Linienbus zu seiner Ex-Freundin, die zur Arbeit wollte, um wiederum ein Gespräch zu erzwingen. Er habe ihr sein Messer gezeigt und sie unter psychischen Druck gesetzt, dass sie den ganzen Tag mit ihm verbracht hat.

Gelegenheiten zur Flucht gab es viele, und so fragte der Gerichtspräsident, warum sie nicht beim Bus-Chauffeur oder beim Personal im Migros um Hilfe gebeten hatte. «Aus Angst», antwortete Christa S. «Indem er ihr sein Messer zeigte, brachte er sie in einen Angstzustand», sagte Opferanwältin Melania Lupi. Ein ganz anderes Bild zeichnete Verteidiger Scruzzi: «Er würde keiner Fliege etwas zuleide tun und es liegen ja auch keine Vorstrafen gegen ihn vor.» Christa S. habe noch Gefühle für Ali G. gehabt und sei freiwillig mitgegangen. Die öffentliche Urteilsverkündung ist am Montag um 10 Uhr.

*Namen von der Redaktion geändert.