Biber Travel
Dürfen die geprellten Ferienreisenden auf ihr Geld hoffen?

Das Reisebüro Biber Travel aus Biberist bleibt geschlossen. Hunderte geprellter Kunden sind im Ungewissen. Bekommen sie ihr Geld zurück, das sie bereits für ihre Ferien bezahlten?

Franz Schaible
Drucken
Teilen
Eine der angebotenen Feriendestinationen: Mallorca.

Eine der angebotenen Feriendestinationen: Mallorca.

Das Reisebüro Biber Travel in Biberist ist immer noch geschlossen. Die Hiobsbotschaft für die geprellten Kunden hängt nach wie vor an der Tür (siehe Foto). Die Freude auf schöne Ferientage auf Mallorca, Dubai oder Gran Canaria müssen sich die meisten wohl abschminken. Nach Angaben von Peter Weisskopf, der sich als Berater des Reisebüros ausgibt, seien «mehrere Hundert Kunden» betroffen.

Die triste Botschaft des Reisebüros Biber Travel ist ein Tiefschlag für die Kunden.

Die triste Botschaft des Reisebüros Biber Travel ist ein Tiefschlag für die Kunden.

Hanspeter Bärtschi

«Die Telefone laufen heiss», sagt Sonja Laborde, Geschäftsführerin von der Kundengeld-Absicherungsgesellschaft Travel Professionals Association (TPA) in Cully. Die TPA zog bekanntlich ihre Garantien gegenüber Biber Travel zurück. Ob die Kunden ihre Auslagen für die bereits gebuchten Reisen zurückerhalten werden oder die Reise doch noch antreten können, sei unklar. Laborde verwies auf die laufende Strafuntersuchung der Solothurner Staatsanwaltschaft gegen Biber Travel wegen Veruntreuung.

Nur Schuldzuweisungen

Ebenso unklar ist, was eigentlich zum Debakel geführt hat. An Schuldzuweisungen mangelt es dagegen nicht. Der in Zürich wohnhafte Marcel Waldvogel war auch am Montag nicht erreichbar. Er hat laut Handelsregister im Februar 2012 die Biber Travel GmbH gekauft und ist als Geschäftsleiter aufgeführt. Gegenüber dem Fernsehsender Tele M1 erklärte er am Wochenende lakonisch, es tue ihm leid. Er habe sich zu wenig um die Geschäfte gekümmert. Die Schuld liege aber an den Mitarbeitern im Reisebüro.

Und Peter Weisskopf weist die Schuld der TPA zu. Denn ohne Garantie der Kundengelder seien die Reisen nicht durchführbar. Er spricht von einem deutschen Investor für die Charter- und Hotelarrangements, der deshalb ausgestiegen sei. Die Kündigung der Kundengeldabsicherung stehe im Zusammenhang mit seiner Person. «Ich geniesse keinen guten Ruf in der Branche», sagt Weisskopf selber. Zwar sei Waldvogel offiziell Besitzer und Geschäftsführer des Reisebüros, aber inoffiziell habe er die Geschäfte organisiert. Die TPA begründet die Kündigung ihrerseits mit einem Hinweis von der Ombudsstelle der Reisebranche über finanzielle Ungereimtheiten bei Biber Travel.

«Handfeste Gründe»

Konkret zum Fall «Biber Travel» will sich Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes (SRV), nicht äussern, weil er die Umstände zu wenig genau kenne. Aber er ist überzeugt, wenn die Verträge für die Kundengeld-Absicherungen gekündigt worden seien, dann, weil die Gesellschaft wohl «handfeste Gründe» dazu gehabt habe. Aufgabe der Versicherer sei es nämlich auch, die Bücher der Reisebüros regelmässig zu prüfen.

Das Reisebüro Biber Travel bleibt geschlossen

Das Reisebüro Biber Travel bleibt geschlossen

Hanspeter Bärtschi

«Die Biber Travel GmbH war nie Mitglied des Schweizerischen Reisebüro-Verbandes», erklärt Kunz weiter. Bedingung einer Mitgliedschaft beim SRV ist die Zugehörigkeit zu einer Kundengeldabsicherung. Offenbar sei zwar Biber Travel bei Swiss Travel Security und TPA Mitglied gewesen. «Aber unseres Wissens nicht ununterbrochen.»

Keine Lizenz für Reisebüros

In der Schweiz könne jedermann ein Reisebüro eröffnen, es brauche keine Lizenz dazu. Reisebüros, die nur als Vermittler tätig seien, benötigten von Gesetzes wegen zwar keine Kundengeldabsicherung, sondern nur Reiseveranstalter, erläutert Kunz. Da aber Reisebüros nicht nur Pauschalreisen von anderen Veranstaltern verkaufen, sondern auch Reisen selbst organisieren, müsse für eine SRV-Mitgliedschaft jedes Büro zwingend über eine Kundengeldabsicherung verfügen. Offenbar ist die Bruchlandung à la Biber Travel kein Einzelfall. In der Schweiz gebe es zwar relativ wenig aber doch regelmässig Fälle, bei denen Kunden von unseriösen Reisebüros zu Schaden kämen, berichtet Kunz.

Sind Sie betroffen? Geschädigte können sich per online-Formular an die Kantonspolizei Solothurn wenden (www.polizei.so.ch; das Formular «Biber Travel» ist auf der Startseite aufgeschaltet) oder sich mit dem Polizeiposten Biberist (Telefon 032 671 61 52 zu Bürozeiten) in Verbindung setzen.

Aktuelle Nachrichten