Das Gesuch, das Rolf Röthlisberger bei der Energiefachstelle des Kantons einreichen musste, füllt einen ganzen Bundesordner. Eigentlich wollte der Elektroingenieur 2012 nur sein Elternhaus in Günsberg sanieren.

Sein Architekt Eugen Elgart allerdings hatte eine bessere Idee. Er schlug vor, einzig den Keller mit den Leitunganschlüssen zu belassen und die Wohngeschosse abzubrechen. «Am Anfang fuchste mich das schon», erzählt Röthlisberger, «aber dann entdeckte ich die Vorteile eines neuen Hauses.»

Er dachte sich: Wenn schon neu, dann gleich richtig. Der Minergie-A-Standard sollte es sein. Das bedeutet, dass ein Haus einen wesentlichen Anteil der benötigten Energie selbst erzeugen muss.

Von Balm her kommend ist Röthlisbergers Haus von Weit her sichtbar, das Dach glänzt in der Sonne. Beide Dachseiten sind mit Solarpanels eingedeckt, Dachziegel gibt es keine.

Nach einem Jahr zieht Röthlisberger eine positive Bilanz: «Mein Haus produziert sogar wesentlich mehr Energie als es verbraucht.» Der Überschuss reiche für drei Haushalte. Da die produzierte Elektrizität oft nicht zum Zeitpunkt des eigentlichen Verbrauchs benötigt wird, dient das Netz des Stromversorgers als Speicher.

So viel zur Theorie. Nun wartet Röthlisberger darauf, dass er in ein bis zwei Jahren in das Bundesprogramm der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) aufgenommen wird, «dann sollte die Ertragsrechnung recht gut aussehen».

Erst drei Gebäude in Solothurn

Gebäude, die Minergie zertifiziert sind, müssen einen vorgeschriebenen Energiewert erreichen. Je nach Zertifikat sind die Anforderungen dafür strenger. Das klassische Zertifikat für Einfamilienhäuser schreibt einen Energiewert von 38 Kilowattstunden pro Quadratmeter vor.

Der Minergie-A-Standard, dem auch das Einfamilienhaus von Rolf Röthlisberger entspricht, fordert gar eine «Netto-Null». Bisher sind im Kanton Solothurn erst drei Gebäude nach diesem Standard zertifiziert worden.

Eugen Elgart erklärt sich das mit den hohen Kosten und dem Aufwand, den diese Zertifizierung mit sich bringt. «Viele Bauherren haben natürlich andere Prioritäten beim Hausbau», sagt der Solothurner Architekt.

Gemäss Elgart hätte Röthlisbergers Haus auch die Anforderungen des noch strengeren Minergie-Eco-Standards erfüllt. Dafür hätte der Altbau vor dem Abbruch allerdings noch auf ökologisch schädliche Materialien untersucht werden müssen. «Solche Schäden sind kaum zu befürchten», erklärt Elgart, «aber die Zeit hat nicht mehr für eine Untersuchung gereicht.»

Für Elgart hat sich mit dem Bau des Einfamilienhauses von Röthlisberger auch ein architektonischer Jugendtraum erfüllt. «Vor 30 Jahren habe ich geahnt, dass wir einmal Häuser bauen werden, die keine Fremdenergie brauchen.» (sva/mgt)