Ein Postauto und die Melodie des Dreiklanghorns erinnern an Schulreisen und Ausflüge in die Berge. Weitaus mehr bedeuten Postautos für Mario Flury aus Balm bei Günsberg. Er ist beruflich mit dem Transportmittel verbunden und führt seit 2009 das PostAuto-Unternehmen Flury in vierter Generation.

1923 habe sein Urgrossvater, Robert Flury, das «Fuhrunternehmen Egger» aus Solothurn übernommen, erzählt Mario Flury. Als «Postillon» unterwegs mit zweispänniger Postkutsche, habe er die Strecke Solothurn-Rüttenen-Balm-Günsberg bedient und damals primär Post, bisweilen auch Personen mitgeführt.

Der Balmberg wurde noch mit einer Sänfte über die alte Balmbergstrasse bedient. Schon bald aber wurde ein Pic-Pic (Piccard-Picet) angeschafft, und damit die Motorisierung eingeleitet. Dieses Fahrzeug, ein Normallenker mit Schnauze nach vorne, bot Platz für 6 Personen und wurde später, 1934 von Walter Flury, Sohn von Robert Flury, übernommen.

Dieser, sein Grossvater, habe dann wichtige Voraussetzung für den heutigen Postautobetrieb geschaffen, berichtet Mario Flury. Nachdem zwischen 1938 und 1942 in der Weltwirtschaftskrise die «Neue Balmbergstrasse» als Notstandsarbeit errichtet wurde, habe sein Grossvater diese Strecke 1946 mit dem Postauto erschlossen. Heute entspricht die Strecke der Linie 12.

Primär wegen der Uhrenindustrie habe sein Grossvater 1963 den «Arbeiterkurs» Günsberg-Hinteres Riedholz-Solothurn-Langendorf (Roamer) übernommen. Gleichzeitig wurde die Strecke Solothurn-Rüttenen-Balm-Günsberg aufgegeben und die Bedienung von Rüttenen dem damaligen Autokurs Solothurn Wasseramt (ASW) überlassen.

Wegen der Zunahme des Personenverkehrs wurde der Fuhrpark bis 1949 mit zwei neuen Postbussen – Grossraumfahrzeuge der Firma Saurer mit 30 Plätzen – erweitert. «Es war schon damals ein Anliegen der Besteller, den Fahrplan zuverlässig einzuhalten», erzählt er aus der Zeit seines Grossvaters, der 1966 überraschend verstarb.

Seine Grossmutter Mina Flury übernahm die Funktion der Postautohalterin und half aktiv im Betrieb mit. Sie sei die erste Frau im unteren Leberberg gewesen, die Auto fahren konnte. Sein Vater Marcel Flury führte den Betrieb operativ und ab 1969 auch als Postautohalter. Aufgrund der Mobilitätsbedürfnisse und der touristischen Entwicklung wurde das Angebot ausgebaut. Extrafahrten für Schulen, Vereine oder Hochzeitsgesellschaften kamen hinzu. Das zweiköpfige Chauffeur-Team wurde auf zehn Personen erweitert.

Im Vordergrund steht das Erlebnis

Mario Flury selber ist seit 25 Jahren aktiv im Betrieb tätig. Ihm sei immer klar gewesen, dass er das Postauto-Unternehmen in der 4. Generation weiterführe. Von klein auf sei er mitgefahren und habe sich für Postautos begeistert.

Nach der Lehre zum LKW-Mechaniker bildete er sich zum Automobilingenieur mit Schwergewicht auf Motoren- und Fahrzeugtechnik weiter. Diese Voraussetzungen ermöglichen es ihm heute, nicht nur die Postautos selber instand zu halten, sondern auch ein zweites Standbein für den Bau und die Instandsetzung von Verbrennungsmotoren zu haben.

Das Schwergewicht werde aber immer auf dem PostAuto-Unternehmen liegen, sagt er. «Ich bin stolz auf den Generationenbetrieb. Wir profitieren von der Marke PostAuto und dem Dreiklang als Kulturgut auf den Bergpoststrassen. Im Gegenzug profitiert PostAuto von der zusätzlichen Präsenz durch Extrafahrten.» Letztere will das Unternehmen weiter ausbauen. Dies bedinge jedoch, den Puls der Fahrgäste zu spüren, was gegenwärtig nicht nur auf der Linie 12 Richtung Balmberg, sondern seit 2010 auch auf der Linie 13, dem Seilbahnersatz mit Endhalt Weissenstein geschieht.

Ziel sei es aber immer, den Fahrgästen die Besonderheit einer Fahrt mit dem Postauto näherbringen. «Das Fahrerlebnis auf unseren spektakulären Bergpoststrassen inmitten in einer abwechslungsreichen Landschaft gehört zu einem unvergesslichen Tagesausflug einfach dazu.»