Drei Höfe
Drei Künstler aus einer Familie stellen ihre Werke gemeinsam aus

Öffentliche Familienausstellung: Ruth Maria, Nadja und Jürg Lerch stellen im Näijere-Huus im Dorfteil Hersiwil aus.

Hans R. Fröhlich
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Die drei Ausstellenden inmitten ihrer Werke.

Die drei Ausstellenden inmitten ihrer Werke.

Hans R. Fröhlich

Dass drei Kunstschaffende aus der gleichen Familie zusammen ausstellen, nämlich Ruth Maria und Jürg Lerch sowie Tochter Nadja, ist ein seltenes Ereignis. Dazu kommt, dass sie alle, freilich zu verschiedenen Zeiten, an der Kunstgewerbeschule Luzern ihre Grafikerausbildung absolviert haben. In seiner Ansprache sinnierte Peter Bichsel darüber, dass sich die drei nicht alle gleich lang kennen würden und über das Phänomen von Begabung und Talent. Und darüber wer von wem oder woher auch immer was oder wie viel zugefallen sei versus sich durch das Tun erworben habe. Bei sich habe er nie das Gefühl von Talent verspürt. Er setze sich einfach an die Arbeit und schreibe dann alles mehr oder weniger in einem Zuge.

Die drei Kunstschaffenden bewegen sich in ganz verschiedenen Themenkreisen. Ruth Lerch, Rüttenen, hat sich inzwischen ganz der figurativen Malerei verschrieben. Einige Bilder erinnern an ihre farbintensiven und stimmungsvollen Landschaften. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf figürlichen Themen. Meist sind es Frauengestalten in Gesellschaft, am Meer oder quasi als Porträt in meist kuscheliger Entourage, welche aus zahlreichen verschieden bemusterten Stoffen besteht, zusammen mit einer Puppe oder Katze die Stimmung beschreiben oder träumerisch an Erinnerungen mahnen. Die farbliche Intensität wird noch gesteigert mit der Dichte der Requisiten. Ruth Lerch arbeitet stets mit Modellen und in Acryltechnik gelegentlich mit Pastell erhöht. Einige kleinformatige Arbeiten belegen Experimente mit der abstrakten Malerei.

Die Demokratie im Krokodilschlund

Mit einem humorvollen, weniger sinnlichen jedoch besinnlichen Ansatz arbeitet Jürg Lerch. Es sind vorwiegend politische Themen, aber keineswegs Cartoons. Jürg Lerch verwendet grundsätzlich das Tier als Symbol für den Menschen und verbindet damit Mahnungen an Gefahren um sein Wohlergehen. So für die Demokratie das unbefangen unachtsame Tummeln von Menschen zwischen den Zähnen eines geöffneten Krokodilschlundes, der jederzeit zuschnappen kann. Lerch sieht aber auch Formen für Figuren und Szenen in zu bearbeitenden Tafeln für seine Holzschnitte, welche er telquel verwendet. Akribisch feine und dicht gewobene Tuschfederzeichnungen zum Teil koloriert ergänzen die Palette der Arbeiten des Künstlers.

Schwingerin oder Dorfschönheit

Auch in den erfrischenden Figuren von Nadja Lerch, Oberdorf, welche sich im Format von Miniaturen bis zur Lebensgrösse bewegen, ist Humor und Symbolik zu entdecken. Platziert mitten unter den Bildern der Eltern schauen sie uns in Natürlichkeit und Unbefangenheit an oder sie wähnen sich als Schwingerin oder Dorfschönheit. Ein Plagöri sitzt auf einer goldenen Kugel und viele tragen einfach einen Vornamen oder sind als Zweiergruppe dargestellt. Verblüffend und erstaunlich ist der aufwendige Entstehungsprozess vom Papierknäuel über die Verstärkung mit Gips und Holzmasse bis zum Feinschliff und der Bemalung mit Aquarellfarben und Farbstiften.

Öffnungszeiten: Mi, 15–18, Fr, 18–20, Sa, 12–17, und So, 10–17 Uhr, bis 2. November.

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