Amtsgericht Thal-Gäu

Drei Baustellenmarder gelobten, künftig lammfromm zu sein

Einer der Tatorte: Baustelle Oltner Umfahrungsstrasse ERO.uw

Einer der Tatorte: Baustelle Oltner Umfahrungsstrasse ERO.uw

Drei junge Männer aus dem Kosovo wurden wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls zu Freiheitsstrafen zwischen 20 und 26 Monaten verurteilt. Ihre bevorzugten Ziele: Baustellen.

Das geständige Trio hatte vor zwei Jahren rund 30 Diebstahlsdelikte, nicht zuletzt auf Baustellen, in den Kantonen Solothurn (14), Bern (12), Aargau (5), und Baselland (1) begangen. Die Deliktsumme beläuft sich laut Anklageschrift auf 223779 Franken, der angerichtete Sachschaden auf 27472 Franken. Ins Gefängnis muss aber auch nach dem Schuldspruch durch das Amtsgericht Thal-Gäu keiner der drei: Der 25-jährige Hauptbeschuldigte erhielt zwar sieben Monate unbedingt und 19 Monate bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren, doch wird ihm die Untersuchungshaft von 220 Tagen angerechnet, womit der unbedingte Teil der Freiheitsstrafe getilgt ist.

Sein 21-jähriger Bruder kommt mit 20 Monaten bedingt und der 25-jährige Dritte mit 22 Monaten bedingt davon. Beide mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren. Zur Anwendung kam im «Schmelzihof» gestern das abgekürzte Verfahren ohne Beweisverfahren und Parteivorträge. Das Gericht folgte vollumfänglich den Anträgen von Staatsanwalt Martin Schneider. Mit der Zustimmung zur Anklageschrift verzichten die Parteien auf ein Rechtsmittel.

Alle drei Angeklagten geständig

Bei der Befragung durch Amtsgerichtspräsident Guido Walser erklärte das Trio – zwei Brüder aus dem Gäu sowie ein im Aargau lebender Landsmann – unisono, sie hätten einen grossen Fehler gemacht, es tue ihnen leid für alle Geschädigten und sie schämten sich, als Angeklagte vor Gericht zu stehen. Sie hätten «nichts überlegt – einfach nur gemacht», sagte der Jüngste. Und er habe jetzt gelernt, dass man auch durch Arbeit zu Geld kommen könne. Alle drei Beschuldigten anerkannten auch die Zivilforderungen diverser Geschädigter in der Höhe von total 40137 Franken.

Das «Sündenregister» des in wechselnder Zusammensetzung agierenden und im Juli 2010 im Raum Burgdorf gefassten Trios umfasst insgesamt 36 Delikte, im Wesentlichen begangen zwischen März und Juli 2010: 27 Diebstähle, sechs Diebstahlsversuche, einen Fall von «blosser» Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch sowie zwei Übertretungen. Heimgesucht wurden mit Vorliebe Baustellen – etwa im Oensinger Leuenfeld oder beim Altersheim Egerkingen. Aber auch Klubhäuser sowie Privat- und Geschäftsadressen wurden nicht verschmäht. Erbeutet wurden vor allem Kabel, Baustützen, Geräte und Werkzeuge, Waffen, Munition, Getränke sowie Bargeld.

Der, von der Deliktsumme her gesehen, schwerwiegendste Fall ereignete sich in Olten: Wenige Tage vor ihrer Verhaftung, statteten die Beschuldigten der ERO-Baustelle in Olten einen Besuch ab. Bei dieser Gelegenheit erleichterten sie die Arbeitsgemeinschaft Tunnel Hausmatt (Arge Tuha) um diverse Kabel und Geräte im stolzen Wert von 41435 Franken. Der Deliktekatalog nennt hier – inklusive Folgekosten – sogar einen Gesamtbetrag von 320756 Franken.

Munition von der Kantonspolizei

Eine etwas aussergewöhnliche Serie abseits der üblichen Baustellen liess sich das Trio Mitte Mai 2010 im Revier Oensingen einfallen. Nachdem zwei Wochen zuvor der ältere der beiden Brüder schon bei einem betagten Bauunternehmer zwei Waffen gestohlen hatte, galt es offenbar, auch noch Munition aufzutreiben. Fündig wurde man bei der Kantonspolizei in Oensingen. Deren sich auf 2000 Franken belaufende Zivilforderung setzte sich aus einem Deliktsbetrag von 1200 Franken und einem Sachschaden von 800 Franken zusammen.

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