Dornach
«Die Panne» von Friedrich Dürrenmatt als Abschluss der Schauspielsaison

Mit «Die Panne» von Friedrich Dürrenmatt beendet «neuestheater.ch» seine Schauspielsaison 2020/21 und damit auch die Ära des Gründungspaares Johanna Schwarz und Georg Darvas. Hierfür wurde die Produktion des Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS) eingeladen, anlässlich des 100. Geburtstags von Friedrich Dürrenmatt. Regisseurin Cilli Drexel inszeniert die absurde Komödie, in der Pensionäre Gericht spielen und bei einem rauschhaften Abendmahl Fragen nach Schuld und Sühne verhandeln.

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Die Panne von Friedrich Dürrenmatt, präsentiert vom TOBS.

Die Panne von Friedrich Dürrenmatt, präsentiert vom TOBS.

Joel Schweizer

Eine Autopanne zwingt den Textilhändler Alfredo Traps zur Übernachtung in einem abgelegenen Dorf. Er findet Unterkunft in der Villa eines pensionierten Richters. Dieser pflegt mit seinen ehemaligen Kollegen alte Gerichtsprozesse durchzuspielen und nach selbst-ernannten Maximen neu zu verhandeln – oder aber mit fremden Gästen ganz neue, eigene Fälle aufzuspüren. So lädt die Gesellschaft Traps ein, bei einem üppigen Diner die Rolle des Angeklagten zu übernehmen. Traps ist sich keiner Schuld bewusst und willigt ein. Angestachelt von dem bewundernden Interesse der Gastgeber erzählt er bereitwillig aus seinem Leben, ohne zu merken, dass sein Verhör bereits begonnen hat. Zum Nachtisch wartet das Urteil auf ihn.

Linie zwischen schuldig und unschuldig verschwimmt

Friedrich Dürrenmatt schrieb «Die Panne» 1956 zunächst als Erzählung, nach diversen Adaptationen folgte 1979 die Uraufführung der Bühnenfassung: Ein groteskes Abendessen, das nicht nur Schildkrötensuppe, Käse und Schlachtplatte, sondern auch eine Menge erlesener Weine zelebriert. Dieser Völlerei frönend, werden die alten Herren bei ihrem Spiel zu detektivischem Spürsinn animiert und feiern glucksend und singend jeden Hinweis auf ein vermeintliches Verbrechen. Traps, der Gast dieser Runde, bringt es auf den Punkt:

«Der besondere Reiz dieses Spiels besteht darin, dass einem dabei unheimlich wird. Man fragt sich auf einmal, bin ich nun ein Verbrecher oder nicht? Ganz durcheinander kommt man, wie im Kino. Das ist das Spannende.»

Das Theater Orchester Biel Solothurn zeigt Dürrenmatts Klassiker in einer Inszenierung von Cilli Drexel. Ihre Kunst Komödien auf die Bühne zu bringen, hat die Regisseurin bereits 2019 mit «Wunschkinder» dem Solothurner und Bieler Publikum präsentiert. (szr)

Tickets zum Saison-Ende gibt es auf «neuestheater.ch». Mit französischen Übertiteln bei allen Vorstellungen in Biel.