Buchegg
Doppeltes Glasfasernetz: Swisscom steht in Aetigkofen auf die Leitung

Im Ortsteil Aetigkofen der Gemeinde Buchegg können die Bewohner aus zwei Glasfasernetzen auswählen. Die Konkurrenz sorgt für Ärger, denn eines der Netze hat die Gemeinde für teures Geld selbst verlegt. Das andere wird von der Swisscom eingebaut.

Christoph Neuenschwander
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Die Swisscom zieht nun doch in Aetigkofen teure Glasfasern in die Leitungen ein.

Die Swisscom zieht nun doch in Aetigkofen teure Glasfasern in die Leitungen ein.

Hans Ulrich Mülchi

Noch vor einem Jahr war die Internetverbindung in Aetigkofen alles andere als berauschend. Schon bald aber können die knapp 170 Einwohner des Buchegger Ortsteils zwischen zwei hochmodernen Glasfasernetzen auswählen: einem eigenen und einem fremden. Denn nachdem die Gemeinde im vergangenen Jahr, vor der Fusion mit Buchegg, für teures Geld ein Glasfasernetz verlegt hat, zieht nun auch die Swisscom nach. Sehr zum Ärger der Behörden.

«Das ist eine Schildbürgerei der Swisscom», sagt Daniel Emch von der Bürgergemeinde und legt den Fall dar: «Weil die Leitungen schlecht waren, nahm der Einwohnergemeinderat Verhandlungen mit der Swisscom auf. Die wollten sich aber am Ausbau des Netzes nicht beteiligen, da kleine, ländliche Gemeinden keine Priorität haben.» Von einem Zeithorizont von 15 bis 20 Jahren sei die Rede gewesen – für eine Technologie, die etwa in Derendingen bereits flächen-deckend besteht.

Also hat Aetigkofen die Sache selbst in die Hand genommen und parallel zum veralteten Swisscom-Netz ein eigenes gebaut. Prompt habe die Swisscom reagiert, nervt sich Emch: Derzeit werde in Aetigkofen fleissig gegraben. «Die hatten wohl Angst, dass diese Eigeninitiative Schule macht. Also schiessen sie uns in den Rücken und kommen mit ihrem eigenen Angebot. Wir fühlen uns von der Swisscom verarscht.»

Unrentables Geschäft?

Christoph Isch, ehemaliger Gemeindepräsident Aetigkofens, erinnert sich an die Verhandlungen mit dem Kommunikationskonzern. «Die Swisscom wollte kein Glasfasernetz verlegen und hat uns lediglich eine Übergangslösung geboten, für die wir Ausgaben im sechsstelligen Bereich gehabt hätten.» Am Projekt der Gemeinde habe sich die Swisscom aus finanziellen Gründen nicht beteiligen wollen. Also hat die Gemeinde die 350 000 Franken für den Ausbau und die Sicherstellung des Betriebs selbst übernommen und sich einen Anbieter gesucht.

Freilich könnte sich die Swisscom nach wie vor in das Aetigkofer Netz einmieten. «Die Löcher, die die Swisscom hier gräbt, sprechen aber eher nicht dafür, dass daraus noch etwas wird», sagt Isch. Vor nicht allzu langer Zeit habe der Konzern noch begründet, dass die teure Glasfaser-Technologie für die wenigen Kunden im Buchegger Ortsteil nicht rentiere. Damals hätte man sich die Kosten noch teilen können. «Jetzt spielt das Finanzielle offenbar keine Rolle mehr.» Die offizielle Begründung, die Christoph Isch für das offenbar «unrentable» Geschäft im Bucheggberg erhalten hatte, lautet: Die Swisscom baut aus, weil sie den Auftrag hat, die Grundversorgung bereitzustellen. «Die Swisscom alleine – niemand sonst», ergänzt Isch sarkastisch.

Jetzt müsse man den Einwohnern klarmachen, dass das eine Netz ihnen gehöre und das andere nicht. «Es wird sich sicher jeder gut überlegen, welches Netz er benützen möchte.»

«Langfristig zu wenig Sicherheiten»

Bei der Swisscom versteht man den Unmut in Aetigkofen nicht. «Es kann schon sein, dass dort das Netz in den Quartieren ausgebaut wird», kommentiert Mediensprecher Olaf Schulze. Aber das geschehe im normalen Rahmen. «Wir haben ein Versprechen abgeliefert, dass wir bis 2020 das Glasfasernetz zu 85 Prozent ausgebaut haben – schweizweit. Wieso sollte man da gerade Aetigkofen auslassen? Das wäre falsch.»

Dass das Timing unglücklich ist, findet der Mediensprecher nicht. Und in fremde Netze einmieten wolle man sich schon gar nicht: «Da haben wir langfristig zu wenig Sicherheiten.»