«Hang»

Dieses Instrument will die Welt erobern

Wenig bekannte Klänge, die von der Schweiz aus die Welt erobern: Der Musiker Edi Geiser aus dem bernischen Madiswil berichtet über seine musikalische Leidenschaft.

«Die Lieder entspringen dem Herzen», erzählt Edi Geiser vom Ur-Art Musikatelier in Madiswil. Seit 2003 spielt nun der professionelle Musiker Hang. Doch was genau ist das?

Das Hang (nach dem berndeutschen Wort für Hand benannt) wurde im Jahr 2000 in Bern entwickelt: Eine exklusive Schweizer Erfindung. Dabei handelt es sich um ein Stahlblechinstrument, das mit blossen Händen gespielt wird, anders als die bekannten und durchaus (zumindest während der Fasnachtszeit) beliebten Blechtrommeln. Dieses Instrument ist in ständiger Weiterentwicklung bei den ursprünglichen Herstellern: der PanArt Hangbau AG Bern. Heute werden in Bern hauptsächlich «HandPan» produziert, eine Neuerung des traditionellen Hangs.

Edi Geiser spielt Hang

Edi Geiser spielt Hang

Aus sieben, acht oder neun Klangfeldern ertönen die Klänge einer Tonleiter. Oben in der Mitte befindet sich der tiefste Ton. Wird direkt auf die zentrale Klangzone (die kleinen Einbuchtungen) geschlagen, erklingt der reine Ton. Hang ist nicht gleich Hang: Es gibt viele verschiedene Klangrichtungen, weil unterschiedliche Tonleitern von verschiedenen Ländern eingesetzt werden. Je nach Tonleiter unterscheiden sich die Klänge.

Die Musikrichtung, die mit den Hang gespielt wird, lässt sich kaum in klassische Schemen einordnen: harmonisch, meditativ, zum Tanzen animierend, teilweise schnell, manchmal langsam, einmal eher wie ein Perkussionsinstrument, ein anderes Mal melodisch. Auf jeden Fall ist es ein individuelles Musikerlebnis, das je nach spielender Person Unterschiedliches hervorzaubert.

Liebe auf den ersten Klang

Geiser ist Musiker aus Leidenschaft. 2003 hat er an einer Vernissage zum ersten Mal ein Hang gehört: Liebe auf den ersten Klang. Der eigentliche Perkussionist begeisterte sich sofort für dieses neue Instrument: «Man kann einen Rhythmus und gleichzeitig auch eine Melodie spielen, das gibt es sonst kaum», berichtet er. Am Anfang musste auch der Meister lange üben: Wie er erklärt, brauche es mindestens 1000 Spielstunden, um dieses Instrument wirklich zu verinnerlichen.

Nach 2003 spielte der Musiker oft an Märkten, um für das neue Instrument zu werben und es zu verkaufen. Plötzlich erfuhr das Geschäft rund ums Schweizer Instrument einen grossen Aufschwung, doch die Hang-Euphorie musste gebremst werden: Die Produktion des Instrumentes sei aufwendig und komplex, es können nicht Unmengen produziert werden.

Es scheint, als wäre mittlerweile die Nachfrage wieder etwas gesunken. Nichtsdestotrotz gibt es nun jährliche Hang-Treffs und auch international stösst das Instrument auf ein breites Publikum.

World Music aus dem Herzen

Geiser lebt von der Musik. Nebst Hang spielt er auch Djembe, Percussion und Schlagzeug, zudem bestreitet er Auftritte, nimmt CDs auf und unterrichtet verschiedene Instrumente. Geiser gründete eine der ersten Hang-Gruppen der Schweiz. Zwei Jahre lang spielte er auch in einer Band, die mit Hang, Bass, Schlagzeug und Gitarre erfolgreich experimentelle Musik produzierte. «Das war eine ausserordentliche Zeit. Leider musste sich jedoch die Band aus personellen Gründen auflösen», erklärt er. Geiser tritt nun als Solomusiker mit dem Hang – ob an Hochzeiten oder Beerdigungen – auf. Zurzeit spielt er auch an Jamsessions. «Das spontane, gemeinsame Musizieren ist Seelenbalsam», verrät der Hang-Spieler.

Was ihm momentan auch gut gefalle, sei der Austausch mit anderen Musikern: «Etwas Neues suchen und ausprobieren», sagt er. Workshops hingegen veranstalte er zurzeit eher weniger. Dies sei nur möglich, wenn die Teilnehmenden ein Hang mit der gleichen Tonleiter haben, ansonsten töne es «wie ein Birchermüesli, kaum harmonisch», so Geiser.

Der Hang-Spieler bezeichnet seine Musik als «World Music», er könne und wolle sich nicht genau in einem Musikstil eingliedern, und überhaupt lasse sich die Hang-Musik nicht wirklich einordnen, wie er erklärt. Mitunter ein Grund sei die geringe Möglichkeit, Cover-Lieder zu spielen: Zum Teil fehlen die Töne, um eine treue Kopie hervorzubringen, man könne lediglich die Grundrhythmik nachahmen. «Cover waren nie mein Ding», gibt Geiser zu, «musizieren bedeutet für mich, das Instrument zu verinnerlichen und das wiederzugeben, was ich von meiner Umgebung bekomme.»

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