Ein Rapper, welcher nicht mit Scheuklappen durch das Leben geht: Daniel Ellenberger alias coachMC ist nicht auf den Kopf gefallen. «Der Rap war mein politischer Lehrer. Durch ihn bekam ich etwas von der Politik insbesondere in den USA mit. Daher weiss ich etwa wie es dort abgeht.»

Es sind Worte eines Rappers, welche beim Zuhörer irgendwie einen schalen Beigeschmack zurücklassen. Zu oft hört man diese pseudotiefsinnigen Sätze und Reime der meist jungen Musiker. Nicht so bei Daniel Ellenberger. Mit bald 32 Jahren Lebenserfahrung merkt man schnell, dass der Gerlafinger nicht leere Phrasen drischt. Am Freitag wird sein mittlerweile zweites Album getauft, welches bereits in den Läden und auch auf Itunes erhältlich ist.

«Ausgleich zum Alltag»

Nervös? « Ja mittlerweile bin ich schon ziemlich nervös, gesteht er. « Nachdem wir nun die Arbeiten am Album abgeschlossen haben, liegt der Fokus ganz auf der Plattentaufe, da kommt schon etwas Nervosität auf.» Ellenbergers Vorfreude auf das neue Album ist spürbar: «Ich hoffe das ich pro Woche rund 100 Einheiten (CDs oder/ und auf ITunes) verkaufe, so wie in etwa in der ersten Woche. Das wäre super, auch wenn es etwas schwierig ist», gibt er zu. «Aber schlussendlich bin ich froh so etwas neben meiner Arbeit tun zu dürfen. Natürlich träumte ich früher von der grossen Karriere, aber nun ist die Musik für mich in erster Linie neben meiner glücklichen Beziehung vor allem ein Ausgleich zum Alltag.»

Ausdruckskraft des Tanzes

Daniel Ellenberger kam bereits früh mit der Musik in Kontakt: «Meine Mutter liess ständig die Musik von Bob Marley, James Brown aber auch von Polo Hofer und anderen Mundart Künstlern laufen. Ich glaube da habe ich mich mit dem Musikvirus infiziert», erzählt er und lacht. Später, mit 13 Jahren, habe ihn ein Freund zum «Breaken» mitgenommen. «Dort hat mich die Ausdruckskraft des Tanzes fasziniert.» So sei er immer weiter in den HipHop hinein gerutscht und habe sich zusehends auch mit der Musik auseinandergesetzt und diese «analysiert». Analysiert? «Ja, so lernte ich Englisch und begann mich politisch zu interessieren.»

(Quelle: youtube/coachmc)

coachMC First Cut-Mixtape - Dunge/Dobe

Über den Tellerrand hinausblicken

Politik, und das wird schnell klar, hat bei Ellenberger einen hohen Stellenwert. Er versucht dabei immer wieder über den Tellerrand hinaus zu blicken und dies auch in seinen Liedern zu verarbeiten. Dennoch handeln seine Lieder nicht nur von arabischen Revolutionen und dem Internet, sondern behandeln auch mal etwas «leichtere» Themen wie den Rap oder seine eigene Person. Themen, die nicht alle gleich faszinieren, dem ist sich Ellenberger sehr wohl bewusst. «Damit spricht man nicht unbedingt die Massen an. Aber als Rapper in der Schweiz muss man auch realistisch sein und einsehen, dass man nie sehr viele Leute ansprechen wird. Es ist ein hartes Brot.»

Trotzdem versucht er es. Sein erstes Album produzierte er ohne irgendwelche Unterstützung eines Plattenlabels und verkaufte davon in 3 bis 4 Monaten rund 200 Einheiten. «Die Zuhörer forderten ein weiteres Album, das jedoch über ein Label produziert werden solle. Also machte ich mich daran ein weiteres Album zu produzieren, diesmal in Zusammenarbeit mit einem Label.»

Daniel Ellenberger alias coachMC

Schweizer Rap - quo vadis?

«Die Zukunft des Schweizer Rap sieht rosig aus. Es gibt sehr viele Gruppen, gerade in Solothurn, welche doch sehr gut sind.» Ellenberger gibt aber auch zu Bedenken, dass es nicht «alles so einfach» sei, insbesondere der «Kantönligeist» mache dem Rap zu schaffen. So «pushen» Aargauer Zuhörer kaum Solothurner Rapper, was bei den Bernern hingegen schon eher der Fall sei. Das Volk sei da «eher etwas engstirnig.»

CoachMC versucht dennoch in der Welt des Rap Fuss zu fassen und tauft am Freitag im «Rothus» in Solothurn seine zweite Platte. Eine Platte die ihn nicht zuletzt auch mit Stolz erfüllt. Denn das Highlight für ihn sei die Zusammenarbeit mit dem berühmten Produzenten Boola, der unter anderem auch schon für Kanye West produzierte. Ellenbergers Augen leuchten: «Ein Kollege von mir importierte Spiritousen und hatte dadurch geschäftlich mit ihm zu tun. Dabei ergriff er die Gelegenheit und fragte ihn, ob er bereit wäre mit einem Schweizer Rapper zusammenzuarbeiten. Dann meldete er sich bei mir.» Boola und coachMC beschlossen nach mehrmaligen «Skypen» gemeinsam einen Song aufzunehmen. «Ready Now» heisst das Produkt aus dieser Zusammenarbeit und kann sich hören lassen.

Die Plattentaufe findet statt am 12.4.2013 im Rothaus in Solothurn. Das Konzert beginnt um 21 Uhr.

Weitere Informationen finden sich unter: www.coachmc.ch