Heinrichswil-Winistorf
Diese Pflanze wird als Sondermüll entsorgt

Der japanische Staudenknöterich ist ein Neophyt. Das ist ein Pflanze, die bei uns nicht heimisch ist. In Heinrichswil-Winistorf geht man einen ungewöhnlichen Weg, um den Knöterich zu bekämpfen.

Rahel Meier
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Hier fliesst der Moosbach noch eingedolt
7 Bilder
Dieses Stück Moosbach wurde bereits vor Jahren renaturiert
Dieses Rohr wird als Durchlass im Bach eingelassen
In Heinrichsil-Winistorf wird der japanische Knöterich ausgebaggert
Japanischer Knöterich
Das Wasser das im Moment im Bachlauf ist stammt von den Drainagen
Gleich beim Wald ist das Bachufer mit japanischem Knöterich komplett überwachsen

Hier fliesst der Moosbach noch eingedolt

Hanspeter Bärtschi

Neophyten werden in Europa zu einem immer grösseren Problem. Dies hat man auch bei der Renaturierung des Moosbaches (wir berichteten) festgestellt. Und man geht hier ganz neue Wege. Entlang des eingedolten Baches wuchs der japanische Staudenknöterich. «Es passt irgendwie nicht, einen Bach zu renaturieren und die Neophyten weiter wachsen zu lassen», meint Stefan Freiburghaus (Amt für Umwelt, Abteilung Wasserbau). Dem japanischen Staudenknöterich ist kaum beizukommen.

Regelmässiges Mähen mit geeigneten Maschinen bringe einen gewissen Erfolg. Oft würden aber sogenannte Fadenmäher zum Mähen verwendet. Diese seien aber für diesen Einsatz ungeeignet und würden sogar die Verbreitung fördern. Das Abbrechen der einzelnen Triebe zeige ebenfalls Wirkung. «Aber das muss immer und immer wieder wiederholt werden und ist manuell auf einer grossen Fläche kaum möglich.»

Eine der gefürchtetsten Unkrautarten

Neophyten sind Pflanzen, die seit Beginn der Neuzeit (also etwa ab 1500) durch den transkontinentalen Handel unabsichtlich nach Europa eingeschleppt wurden. Neophyten sind gebietsfremde oder nicht einheimische Pflanzenarten. Nur gerade 30 oder 40 von den insgesamt über 12000 eingeführten Pflanzen bereiten Probleme. Diese Pflanzen verhalten sich invasiv, das heisst, sie besitzen kaum natürliche Feinde, vermehren sich sehr stark und sind schwer zu bekämpfen.

Der japanische Staudenknöterich ist eine dieser Neophytenarten. Als Zierpflanzen nach Europa eingeführt, stammt sie ursprünglich aus Japan, China und Korea. Der Japanische Staudenknöterich ist weltweit ein gefürchtetes Unkraut und steht auf der Liste der 100 schlimmsten, gebietsfremden Arten. Diese Knötericharten sind ausdauernde Pflanzen. Im Winter sterben die oberirdischen Teile ab und das Rhizom (Wurzel) überdauert den Winter, von wo die Pflanze im Frühjahr wieder austreibt. Die Pflanze zeigt ein schnelles Wachstum und ist ausgesprochen regenerationsstark: Bereits winzige Wurzelstücke reichen, dass die Pflanze wieder austreibt. Der japanische Staudenknöterich kann drei bis vier Meter hoch werden und bildet dichte Bestände. Meist findet man diese Staudenknötericharten entlang von Fliessgewässern, Strassen und Eisenbahnanlagen. (rm/mgt)

Sicherheit gross geschrieben

Freiburghaus begann deshalb im Internet zu recherchieren und stiess auf Forschergruppen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Dabei fiel ihm eine Methode auf, die nun auch am Moosbach angewendet wird. Auf einer Fläche von 350 Quadratmetern wurde der japanische Staudenknöterich mitsamt einem Teil der Wurzeln und dem Erdreich in einer Tiefe von 50 Zentimetern weggebaggert. «Das alles geschah unter grossen Sicherheitsvorkehrungen», so Freiburghaus. Das ausgebaggerte Material – rund 300 Kubikmeter – gilt als Sondermüll und wurde in eine auf die Entsorgung von Neophyten spezialisierte Kiesgrube gebracht. Die Fahrzeuge wurden nachbehandelt. «Es wurde darauf geachtet, dass keine Erde vom Lastwagen fällt.» Ein kleines Wurzelstück, und die Pflanze würde sofort wieder zu wachsen beginnen.

Weil es sich um einen Bach handle, sei die Behandlung mit Herbiziden nicht infrage gekommen. «Fachleute sagen, dass der japanische Staudenknöterich verantwortlich für den Rückgang von 43 Kleinstlebewesen ist.» Bachufer, die mit Knöterich überwachsen sind, sind zudem bei einem Hochwasser stark erosionsgefährdet, weil das Erdreich zwar mit tiefen Wurzeln versetzt ist, die Wurzeln das Erdreich aber nicht zusammenhalten. Ausserdem wachse die Pflanze so schnell, dass sie anderen keine Sonne mehr lasse und diese deshalb dann alle verschwinden.

Folie ausgelegt

Das Entfernen der obersten Schicht reiche jedoch nicht aus, den Knöterich auf lange Zeit zu unterdrücken. «Grundsätzlich müssten drei Meter ausgebaggert werden und dies würde den finanziellen Rahmen der Baustelle sprengen», so Freiburghaus. Das freigelegte Erdreich entlang des Moosbaches wurde deshalb mit einem speziellen Vlies überdeckt. Dieses soll als Wurzelsperre dienen und das Nachwachsen des Knöterichs aus den tiefer liegenden Schichten verhindern. Auf das Vlies wurde sauberes Erdmaterial geschüttet. «In Deutschland wurde dieses Verfahren auch schon angewendet. Eine Langzeiterfahrung fehlt jedoch.» Wichtig sei nun die Kontrolle. «Wir haben keine 100-prozentige Sicherheit, dass es klappt.»

Obwohl im ursprünglichen Projekt nicht vorgesehen, werden die Ufer des renaturierten Moosbaches zusätzlich mit einer Spezialmischung angesägt. Je schneller die Narbe mit einer Ansaat und Pflanzen bedeckt sei und zusammen mit dem Vlies eine Schicht bilde, desto grösser sei die Chance, dass der Knöterich nicht nachwachse, erklärt Freiburghaus dieses Vorgehen.

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