Biberist
Diese Kunst bringt Einblicke und Ausblicke

Ruhig, sinnlich, unaufgeregt, farbenfroh und auf Wesentliches konzentriert sind die Arbeiten von sechs Solothurner Künstlerinnen, die derzeit in den sechs Räumen des Schlösschens Vorder-Bleichenberg in Biberist zu sehen sind.

Fränzi Rütti-Saner
Drucken
Teilen
Renata Borer zeigt «Acht-Samen» im früheren Reliquienplatz auf dem Altar.

Renata Borer zeigt «Acht-Samen» im früheren Reliquienplatz auf dem Altar.

Hanspeter Bärtschi

Es war die Idee von Kunstkritikerin Eva Buhrfeind und der Präsidentin des Vereins Freunde des Schlösschens Vorder-Bleichenberg, Barbara Flury-Steiner: Sechs Künstlerinnen aus dem Kanton Solothurn sollen gemeinsam in den sechs Ausstellungsräumen ihre Arbeiten zeigen. «Es soll damit kein politisches oder gar frauenpolitisches Statement abgegeben werden», sagt Eva Buhrfeind, welche für die Ausstellung für einmal die Seite wechselt: von der Kritikerin zur Ausstellungsmacherin.

«Es geht ganz einfach darum, gute Kunst zu zeigen. Kunst, die anspricht, die gefällt, die intensiv betrachtet werden kann.» Dass in dieser Künstler-Gemeinschaft kein Mann dabei ist, das sei aber schon Absicht. «Kunst von Frauen wird oftmals als ‹Frauenkunst› behandelt. Das wollten wir nicht. Sechs Künstlerinnen mit ihren ganz speziellen Bildsprachen wollen wir zeigen. Wir wollen Erlebnisräume schaffen.»

Matinee-Jazz und Klangkonzept

Am letzten Tag der Ausstellung «Einblicke - Ausblicke» mit sechs Künstlerinnen im Schlösschen Vorder-Bleichenberg, am Sonntag, 22. Juni, findet um 11 Uhr eine Jazz-Matinee mit Gregor Lisser, Vincent Milloud, Samuel Jungen, Nao Rohr und Eleanora Erne statt. Am Nachmittag ist eine Live-Performance mit der Traversflöte und einer Renaissance-Blockflöte zu hören. Hans-Jürg Meier hat im Dialog mit der Installation von Renata Borer und dem Kapellen-Raum im Schlössli das Klang-Konzept «Ranke» erarbeitet und führt dies während 88 Minuten - präzis von 15.16 bis 16.44 Uhr - zusammen mit Sarah Giger auf. (mgt)

Mit dieser Kunst werden Einblicke ins Schaffen und das Innenleben der Künstlerinnen möglich, andererseits zeigen sie den Betrachtern Ausblicke, deren Ansichten auf die Welt. Zum Beispiel bei den Arbeiten von Anita Breiter. Bei ihr braucht das Ungegenständliche das Gegenständliche. Sie setzt ihre Beobachtungen aus dem Alltag mit Farben und Formen in ihre ganz eigene Sichtweise. Kleine Geheimnisse sind zu entdecken, Gefühlswelten, Spuren zu erkennen.

Kristin Wirthensohn fotografiert ganz einfache Dinge des Alltags oder der Natur: ein Stück Moos, ein Tulpenfeld, Teppichmuster, Wolken, Flughafenszenen. Dann setzt sie diese Aufnahmen neu zueinander und erreicht so kaleidoskopartige Muster. Ton in Ton komponiert, schafft sie damit neue Eindrücke und macht auf die Schönheit und Ästhetik des Alltäglichen aufmerksam.

Ursula Pfister schabt und kratzt feine Linien auf Plexiglas und schafft so Strukturen und Gebilde, meist der Natur abgeschaut. Sich mit ihren Bildern auseinanderzusetzen, heisst immer wieder hinter die Oberfläche zu schauen, Schichtungen und Spuren zu erkennen. Ihre Bildträger sind glänzende oder matte Folien, die sie miteinander oder übereinander wirkungsvoll einsetzt.

Verena Deppe malt die Aussicht auf den Solothurner Jura. Und zwar so, wie sie sich ihn idealerweise vorstellt, wie er vielleicht – vor der Zivilisation– auch tatsächlich war. Viel Raum in ihren Bildern nimmt der tiefblaue Horizont, die grosse Weite ein. Meditative, erholsame Arbeiten in Öl. Vreny Brand-Peier setzt sich mit der Zeit auseinander. Symbolhaft und sehr verspielt sind ihre meist in blassen Pastelltönen gehaltenen Arbeiten. Zu sehen sind auch einige Gipsskulpturen, bei denen sie Dinge des Alltags fast reliquienartig in Schaukästen oder auf weiss getünchten Gestellen präsentiert. Apropos Reliquien: Renata Borer bespielt den Kapellenraum des Schlösschens. Im Altar, wo noch heute eine Reliquien-Vertiefung zu sehen ist, hat sie schotenartige Gebilde aus Wachs und Ton angeordnet. Sie wirken wie überreife Früchte, die aufgeplatzt sind und die ihre roten Samenstücke anbieten. Weiter sind Bienenwachsobjekte zu sehen, die einerseits die Verletzlichkeit der Natur suggerieren, andererseits aber dem Betrachter Achtsamkeit im Umgang mit der Kunst abverlangen.

Aktuelle Nachrichten