«Chumm Könu, chumm», ruft der 74-jährige Kurt Frölicher und lockt seine Hirschherde zu sich. Er hat einen Kessel mit dicken Maiskolben bei sich, das Lieblingsessen des Rotwildes. «Ist es nicht tragisch zu sehen, dass hier bald Schluss mit dieser Herde sein wird?», sagt Frölicher und schüttelt den Kopf. Er erzählt, was ihm derzeit schlaflose Nächte beschert. «Seit 25 Jahren halte ich hier eine Herde Rotwild. Ja, ich bin halt schon ein Angefressener», setzt er gleich noch hinzu. 

Kurt Frölicher (74) hat Sorgen wegen seiner Hirschherde.

Kurt Frölicher (74) hat Sorgen wegen seiner Hirschherde.

Die ganze Szenerie spielt sich südlich des Golfplatzes Wylihof ab. Dort konnte Frölicher seit einigen Jahren rund 4 Hektaren Weidland einzäunen und eine grosse Futter- und Geräte-Hütte aufbauen, damit seine derzeit 26 Tiere umfassende Hirschherde genügend Futter und Auslauf hat, um dort ein schönes Leben zu führen. «Ich bin auch Jäger und immer mit Wildtieren zusammen gewesen», erzählt Kurt Frölicher. Zuchten von Wildtieren hätten ihn deshalb immer begeistert und beschäftigt. Er erinnert auch an seine Wildsau Rösi, die er als Frischling vor ein paar Jahren bei sich zu Hause aufzog, und die damals für ziemlich viel Furore sorgte.

Frölicher ist stolz auf seine Hirsche. «Es ist reines englisches Blut, eine kapitale Zucht», sagt er und verweist auf den Stammbaum seiner Herde. Es sei schon schade, dass er die Hirsche wohl aufgeben müsse, schliesslich habe er hier viel Herzblut investiert – von den Kosten gar nicht zu reden.

Er habe zunächst noch auf dem jetzigen Gelände des Golfplatzes eine Damhirschherde gehabt, erzählt Frölicher von seinen Anfängen als Hirschhalter. Doch bald wechselte er zum eigentlichen einheimischen Rotwild, das ihn viel mehr faszinierte. «Den ersten Stier holte ich im Langenthaler Hirschpark. Peter hiess er, und das war ein ganz Wilder», erinnert er sich. Doch als der heutige Golfplatz angelegt wurde, musste Frölicher ein neues Areal suchen und fand dies eben dort, von wo er auch jetzt wieder weg muss. «Die Betreibergesellschaft des Golfplatzes will wieder erweitern und braucht deshalb diesen Raum.» Zunächst habe er noch an eine andere Lösung geglaubt: Dass nämlich das Hirschgehege neben dem neu zu entstehenden Golfareal existieren könnte. Doch diese Hoffnung habe sich nun zerschlagen. Frölicher muss mit den Hirschen weg. Doch wohin? «Da konnte mir bis jetzt niemand helfen und ich muss gestehen, dass ich auch zu alt bin, um etwas völlig Neues in Angriff zu nehmen.»

So bleibt für Frölicher nur noch eines, nämlich seine Herde aufzulösen. «Ich habe Inserate geschaltet und Käufer für meine Herde gesucht. Doch das ist nicht so einfach. Von zunächst elf Interessierten ist ein einziger übrig geblieben. Und ob dieser die Hirsche auch wirklich übernehmen kann, muss noch in einem längeren Verfahren geklärt werden.» Dann bereitet ihm ein möglicher Umzug der Tiere weitere Sorgen. «Man müsste sie narkotisieren, und das ist auch nicht so einfach.»

Deshalb ist Frölicher für die Zukunft ziemlich pessimistisch und sagt: «Bis April 2015 müsste ich eine Lösung für die Tiere haben. Das wird knapp. Deshalb wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als die Tiere dem Schlachter zuzuführen. Es tut schon weh. Ich hätte nie geglaubt, dass es so enden müsste.»

Wenigstens gibt es noch eine gute Nachricht zum Schluss: «Den Könu, den fünfjährigen wunderschönen Stier, kann ich verkaufen. Da hab ich einen Interessenten. Und der Golfklub hilft beim Abräumen der Anlage.»