Urnengang
Die Zullwiler wollen ihre eigene Dorfverwaltung behalten

Mit deutlichem Resultat entschieden die Einwohner der Schwarzbuben-Gemeinde, Dienstleistungen nicht auszulagern. Mit der Abstimmung gegen die Auslagerung wurde der Empfehlung des Gemeindepräsidenten nicht nachgekommen.

Dimitri Hofer
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Zullwil im Schwarzbubenland ist eine von sechs Gemeinden, die dem «Netzwerk der kleinen und mittleren Gemeinden» angehören.

Zullwil im Schwarzbubenland ist eine von sechs Gemeinden, die dem «Netzwerk der kleinen und mittleren Gemeinden» angehören.

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Dass ganze 70,4 Prozent der Stimmberechtigten eines Dorfes ihren Stimmzettel einwerfen, kommt nur selten vor. Eine derart hohe Beteiligung ist meist nur bei Entscheiden der Fall, welche die Bevölkerung direkt betreffen.

So wie gestern in Zullwil, als die Einwohnerinnen und Einwohner über die Auslagerung von Kanzlei- und Verwaltungsdienstleistungen befanden. Und das Verdikt der Zullwiler lässt keine Zweifel offen.

Die Einwohnerkontrolle und die Finanzverwaltung sollen auch künftig vor Ort im Dorf angesiedelt sein. Mit 223 Nein- zu 80 Ja-Stimmen entschieden sich die Stimmberechtigten deutlich gegen eine Auslagerung nach Breitenbach und nach Büren.

Ebenso deutlich votierte die Bevölkerung gegen eine Umnutzung von Räumlichkeiten in der Mehrzweckanlage Katzenflühli, in der momentan die Gemeindeverwaltung untergebracht ist. Durch eine Vermietung sollten Einnahmen generiert und, wenn möglich, neue Arbeitsplätze in der 600-Seelen-Gemeinde geschaffen werden.

Ohrfeige für den Präsidenten

Der aktuelle Zullwiler Gemeinderat stand geschlossen hinter der Auslagerung, weshalb er der Bevölkerung die beiden Vorlagen zur Annahme empfahl. Bei Gemeindepräsident Roger P. Hänggi (SVP) ist wenige Stunden nach Bekanntgabe der Resultate von Enttäuschung aber nur wenig zu spüren.

Das erstaunt, ist er doch der führende Kopf hinter dem umstrittenen Projekt. Stattdessen erklärt er: «Ich freue mich über eine äusserst repräsentative Abstimmung und bin stolz, dass so viele Einwohner an die Urne gegangen sind.» Die beiden Vorlagen wären Puzzleteile gewesen, um den Steuersatz in Zullwil zu senken, ist er überzeugt. Ein Rücktritt als Gemeindepräsident komme für ihn nicht infrage.

Im Vorfeld der Abstimmung herrschte in Zullwil eine hitzige Stimmung. Mit Leserbriefen und Flugblättern versuchten Gegner und Befürworter, das Volk auf ihre Seite zu ziehen. Auch der ehemalige Gemeinderat Roland Häner meldete sich mit seinen einstigen Kollegen Anita Colin und Markus Saner in einem Flugblatt zu Wort, in dem sie sich deutlich gegen eine Verschiebung nach Breitenbach und Büren aussprachen.

Die drei Gemeinderäte waren im vergangenen November nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Gemeindepräsidenten von ihrem Amt zurückgetreten.

Zullwil wird die derzeit vakante Stelle des Gemeindeschreibers in den kommenden Wochen neu besetzen. «Der neue Gemeindeverwalter wird mit einem 50-Prozent-Pensum starten, mit der Option, dieses auf 70 Prozent zu erhöhen», sagt Roger P. Hänggi.