Lorenz Mühlemann kann nicht verstehen, dass noch niemand auf die Zither als Ausstellungsobjekt gekommen ist. «Ein Instrument, welches man je nach Ausführung in einer Stunde erlernen und für 14 Franken erwerben kann.» Wobei der Preis für heutige Verhältnisse wohl nicht mehr ganz stimmen dürfte. Aber Mühlemann ist von seinem Metier, wie auch von seinen Musikinstrumenten vollkommen überzeugt. Dies spürten die Medienvertreter anlässlich der Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Musikautomatenmuseum in Seewen bei jedem Wort und ebenso bei jedem Ton, welcher der Emmentaler seinen wertvollen Exponaten entlockte.

«Die Zither ist für mich das Chamäleon unter den Musikinstrumenten», sagte er. Und der Gang durch die Ausstellung durch den Saal der Britannic-Orgel machte unmissverständlich deutlich, was er damit meinte. Von den rund 50 Zithern, die hier bis zum 24. August 2014 präsentiert werden, gleicht keine der andern. Das Saiteninstrument, welches erst nach 1800 seinen Durchbruch schaffte, gibt es als Volksmusik- oder als Hausmusik-Instrument. Lorenz Mühlemann, der 1999 in Trachselwald das Schweizer Zither-Kulturzentrum gründete und sich als professioneller «freischaffender Zitherer» bezeichnet, hat aber auch einige Konzert-Zithern nach Seewen gebracht, die hier sicherlich zu den wertvollsten Objekten zählen.

Interessanter aber ist die Vielfältigkeit der Zither. Ab 1880 begann die Musikindustrie, dieses Musikinstrument so umzugestalten, dass jeder und jede damit musizieren konnte. Es entstand die Akkordzither, auf der die Saiten so gelegt waren, dass ausschliesslich reine Akkorde entstanden, der oder die Musizierende die dazugehörende Melodie aber noch immer selber spielen musste. Noch einfacher wurde es mit mechanischen Zithern, bei denen die Melodie wie bei einer Drehorgel abgekurbelt wird, die dazu passenden Akkorde zupfte man nach dem Prinzip der Akkordzither.

«Und so sind wir bei den Berührungspunkten unseres Museums», erklärte Museumsleiter Christoph Hänggi, der Zitherer Mühlemann anlässlich eines Fernsehauftritts in Interlaken kennen gelernt hatte. Lorenz Mühlemann sammelt seit 35 Jahren Zithern und ist mittlerweile bei rund 250 Exemplaren angelangt. Sein Zither-Kulturzentrum in Trachselwald ist jeden ersten Sonntag im Monat frei zugänglich. Der «freischaffende Zitherer» gibt Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Anlässlich der Seewener Sonderausstellung auch zweimal im Museum für Musikautomaten (Samstag, 7. Juni, 10–12 und 13.30–
16.30 Uhr). «Und wer hier mitmacht, darf am 23. August, zu den gleichen Zeiten gerne den Fortgeschrittenen-Kurs belegen», erklärt Lorenz Mühlemann schmunzelnd. Ein Sonderprogramm mit ihm präsentiert das Museum bereits am kommenden Sonntag, 18. Mai, anlässlich des internationalen Museumstages – bei Gratiseintritt.

Das von Lorenz Mühlemann verfasste und reich illustrierte fast 370-seitige Buch zur Ausstellung vervollständigt eine Ausstellung, welche wohl «Herz und Gemüt bezaubert, in Freud und Leid», so, wie vor über hundert Jahren für die Zither geworben wurde.