Schweizweit gibt es über 1000 Wohnbaugenossenschaften. Sie verwalten 143 500 Wohnungen. Im Kanton Solothurn führt diese Form des Wohneigentums ein Schattendasein. Hier werden gerade 18 Wohnbaugenossenschaften gezählt, die 1290 Wohnungen verwalten.

Nun soll eine weitere in Günsberg dazukommen. Die Chancen sind intakt, dass Günsberg mit dem Projekt der Wohnbaugenossenschaft Kirchmatt auf einen Schlag etliche Probleme lösen könnte. «Wir haben Grosses vor», sagte Gemeindepräsident Thomas Jenni am Informationsanlass im reformierten Kirchgemeindehaus vor 50 Besuchern.

Das Projekt weist mehrere Besonderheiten auf. So will sich die Gemeinde unter der Führung des Gemeindepräsidenten mit dem alten Schulhaus in die Genossenschaft einbringen. Sie verzichtet damit auf einen kurzfristigen Gewinn bei einem Verkauf, ermöglicht aber den Bau von Wohnungen für Senioren, Junge und Familien.

Dabei behält sie mit ihren Genossenschaftsanteilen ein Mitspracherecht, kann also lenkend einwirken auf die Zusammensetzung der künftigen Mieterschaft, oder wie es der Gemeindepräsident formulierte: «Wir wollen keinen Sozialtourismus.»

Diese Gefahr besteht nicht wirklich. Wohl werden die Mieten mit 1100 Franken (2,5-Zimmer-Wohnung) bis über 2000 Franken bezahlbar sein, aber die Erstmieter müssen auch noch kräftig Anteilscheine zeichnen müssen.

Braucht die Genossenschaft doch gerade zu Beginn flüssige Mittel. Die Rede ist von 20- bis 40 000 Franken, je nach Grösse der Wohnung. Diese Beträge sind aber noch sehr provisorisch, denn die in Gründung stehende Genossenschaft kann den Kreis der Genossenschafter grösser oder kleiner ziehen.

Der Erhalt und Umbau des alten Schulhauses könnte aber auch einen langen Streit in der Gemeinde, was mit diesem Gebäude geschehen soll, beilegen. Der Abriss wurde bisher verhindert. Viele Emotionen alteingesessener Günsberger seien mit diesem Gebäude verbunden, heisst es.

Spielt das Domkapitel mit?

Nicht nur die Einwohnergemeinde unterstützt den Aufbau der Genossenschaft. Auch die katholische Kirchgemeinde will ihren Part für ein attraktives Dorfzentrum spielen. Angefragt wurde sie, Land beim alten Schulhaus für die nötigen Parkplätze abzutreten.

Der katholische Kirchgemeinderat entwickelte zusätzlich die Idee, die Wiese südlich des alten Schulhauses mit in die Genossenschaft einzubringen und diese als kleinen Park der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Seit langem betreibt sie neben der Wiese einen öffentlichen Spielplatz. «Die Idee eine Parkes war naheliegend und könnte den Anforderungen des Domkapitels genügen», erklärt Thomas Hilger, Präsident der Kirchgemeinde Günsberg-Niederwil-Balm.

Die Abgabe und Neunutzung der Pfarrpfrund muss von der Kirchgemeinde und anschliessend vom Domkapitel abgesegnet werden. Vorsondierungen hätten ergeben, dass man gegenüber dem Ansinnen nicht abgeneigt sei, aber man wolle so wenig Land wie möglich abgeben, so Hilger. «Allerdings könnte der gemeinnützige Wohnungsbau in Verbindung mit dem Alterswohnen ein positiver Aspekt sein. Ich habe das Gefühl, das ist der richtige Ansatz. Jedermann im Dorf hätte etwas von diesem Park.»

Ein Park mit Pavillon

Im Kirchgemeindehaus wurde die Idee eines Parkes mit einem Pavillon vorgestellt. Dieser würde mit einer Küche versehen, sodass er für diverse Anlässe genutzt werden könnte.

Am Ursprung des jetzigen Projektes stand aber nicht das alte Schulhaus, sondern zirka 150 Meter weiter südlich die von der Langenthaler Ducksch & Anliker Architekten AG geplante Überbauung Kirchmatt.

Die Firma beauftragte eine Fachfirma mit der Prüfung einer Wohnbaugenossenschaft für Alterswohnen. Das Anliegen wurde dem Gemeindepräsidenten vorgetragen. Dieser hatte den Geistesblitz, das alte Schulhaus ins Gespräch zu bringen.

Nun liegt ein Projekt vor, das im alten Schulhaus Alterswohnen in insgesamt 6 Wohnungen vorsieht. Auf der Kirchmatt wiederum sind zwei Mehrfamilienhäuser geplant. Eines mit 9 Wohnungen für Junge - «damit unser Junge auch in ihrem Heimatdorf eine bezahlbare Wohnung finden und nicht wegziehen müssen», so Jenni - und eines mit 6 Familienwohnungen. Das letzte Wort für dieses Vorhaben ist in diesem Fall dreigeteilt. Zu entscheiden haben die Einwohnergemeindeversammlung, die Kirchgemeindeversammlung und das Domkapitel des Bistums Basel.