Burgäschi
Die überdimensionale Uhr für «Fledermaus»-Operette steht bereits

18 Szenen hat die Freilicht-Operette «Fledermaus», welche im Juni und Juli durch die Bühne Burgäschi aufgeführt wird. Die Bühne ist schon fast fertig. Ein Probenbesuch macht Lust auf mehr.

Gundi Klemm
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Das Bühnenbild ist praktisch fertig aufgebaut.

Das Bühnenbild ist praktisch fertig aufgebaut.

Hanspeter Bärtschi

Vor einem Monat war erst das Modell des Bühnenbildes bereit. Inzwischen ist die überdimensionale Uhr im Burghof-Gelände errichtet und reizt Unbeteiligte schon zu vielerlei Spekulationen. Überhaupt nicht spekulativ geht es bei den Proben zu, die – bei schönem Wetter – bereits hier stattfinden können, um an Ort und Stelle ernsthaft an jeder der 18 Szenen der Freilicht-Operette zu arbeiten. «Es ist ein Glück für uns alle, dass wir so ein harmonisches Team sind», bekräftigt Regisseurin Melanie Gehrig, die ihr spezielles Konzept durchsetzt.

So hat sie das Textbuch der weltberühmten Strauss-Operette zugunsten besserer Verständlichkeit in einigen Aspekten geändert. Gehrig will das Stück nicht als oberflächliches musikalisches Lustspiel in immerwährender Walzerlaune, sondern auch mit seinen dunklen Hintergründen zeigen.

«Wir geniessen gleichermassen Arbeit und Ambiance dieser Vorbereitung», ist sich das 11-köpfige Ensemble einig. Tenor Daniel Camille Bentz stand 2009 als Graf Tassilo in der «Gräfin Mariza» bereits auf der Bühne in Burgäschi. Er begründet seine erneute Mitwirkung als Gabriel von Eisenstein: «Es macht wirklich Spass hier, besonders wenn man der Operette mit schönem Tempo mehr Tiefe, aber auch Frische verleiht.» Denn gerade seine Rolle umfasst Licht- und Schattenseiten. Einerseits muss er – in seiner Rolle natürlich – wegen seines losen Mundwerks nach Beamtenbeleidigung hinter Gitter, andererseits mimt er den aufrichtigen Gatten, der aber insgeheim keinem Vergnügen und keiner Verführung widerstehen möchte.

Eingelebt in die Rollen

Wer der Probe folgt und insbesondere die Hauptdarsteller aufs Korn nimmt, stellt fest, wie deutlich sich alle Protagonisten mit ihrer Rolle identifizieren. Bariton Roger Bucher, dem Publikum noch im Gedächtnis als Danilo in der Aufführung von der «Lustigen Witwe», zeigte sich inspiriert durch die angenehme Atmosphäre und die immer professionellere Entwicklung der Bühne Burgäschi. Er gibt den Notar Falke, der im Stück mit seinem Freund Eisenstein noch ein besonderes Hühnchen zu rupfen hat, weil dieser ihn als Fledermaus verkleidet und bezecht nach nächtlichem Gelage auf einer Parkbank dem Gespött der Leute überliess.

Kesse Zofe entzückt

Einen besonders guten Griff tat Gehrig mit der Verpflichtung von Anna Vichery, die als kesse Zofe Adele im Hause Eisenstein auf der Bühne schauspielerisch und erst recht stimmlich entzückt. Ihr Solo: «Mein Herr Marquis ...» wird bestimmt zu den herausgeklatschten musikalischen Juwelen dieser Aufführung zählen. Ihre Schwester Ida spielt und singt die charmante Ilaria Bianchi. Peter Bader – auch bereits von der letzten Aufführung bekannt – stattet den Prinzen Orlofsky mit jener hochmütig-dekadenten Wesensart aus, die man russischen Oligarchen früherer Tage nachsagte.

In seinem Schlepptau sorgt der immer mürrische Diener Ivan (Andreas Hubert als seit Jahren treuer Mitspieler der Bühne Burgäschi) – im Spiel verdächtigt als Angehöriger der Russenmafia – für die Etikette im Prinzen-Palais. Als zärtlicher Ehefrauen-Tröster ist Gesangslehrer Alfred (Tobias König) in seinem Element; auch wenn er dafür unerwartet anstelle des Hausherrn Eisenstein ins Gefängnis abgeführt wird. Ronnie Grossenbacher befeuert das Kostümfest bei Orlofsky als Advokat Dr. Blind.

An jeder Szene gefeilt

Fast mühelos wechselt Melanie Gehrig als Rosalinde von Eisenstein aus ihrer Regiearbeit zum Einsatz auf die Bühne. Zur Spielleitung hält Käthi Gehrig wie in früheren Aufführungen alles Wesentliche schriftlich fest. Ganz unverzichtbar sichert Kathrin Hartmann bei allen Proben mit viel Feeling die Klavierbegleitung. So kann Melanie Gehrig, die akribisch an jeder Feinheit feilt, auch ihrer Rolle Profil geben.

Sie versteht sich als selbstbewusste Ehefrau, die nicht Trübsal blasen und ihrem etwas in die Jahre gekommenen Eheleben wieder Schwung verleihen will. «Ganz bestimmt agiert sie nicht etwa als die Diva, wie die Komposition sie ursprünglich vorsah», ergänzt Hermann Gehrig. Melanies Vater ist auch künstlerischer Leiter und tritt im Stück als gestrenge Amtsperson auf. Als Gefängnisdirektor Frank nämlich. Ihm zur Seite steht Wärter Frosch (Urs Mühlethaler), der mit seinem kauzigen Gequassel die Szenerie aufheitert.

Tänzerische Symbolisierung

Auf die zahlenmässig grossen Ballettcorps-Auftritte, womit sich andere Aufführungen gern schmücken, verzichtet diese Inszenierung. «Wir haben in der zeitlichen Abfolge kaum Platz für einen derartigen Auftritt», sagt Melanie Gehrig. Stattdessen symbolisieren Lea Fuhrer und Letizia Jakob, die beide schon in der Aufführung 2011 gefielen, in modernem künstlerischem Ausdruckstanz Irrungen und Wirrungen des Eisenstein-Ehepaars.

Information unter www.burgaeschi.ch und Infokanal GA Weissenstein.

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