Es sind keine rosigen Aussichten, die Roger Gerber seinen Kollegen im Gemeinderat präsentieren musste. «Wenn wir den aktuellen Kurs weiter verfolgen, steht in der Rechnung 2015 ein Defizit von 1,05 Mio. Franken.» Überraschend ist das nicht, hat sich Kriegstetten in den letzten Jahren doch nur dank Landverkäufen über Wasser gehalten. Der Wegzug der Cent Holding AG hat die Situation noch einmal verschlechtert. Steuereinnahmen von mehreren hunderttausend Franken fehlen. Es war Gemeinderat Simon Wiedmer, der die Frage laut aussprach: «Was nun?»

Anträge sind noch keine formuliert, man war sich aber einig: die Steuern müssen angehoben werden. Der Vorschlag stand im Raum, von 105 auf 120 Steuerprozente zu erhöhen. Happig, noch ernüchternder waren aber Gerbers weiteren Ausführungen: «Um ein kostendeckendes Ergebnis zu erzielen, müssten wir eigentlich auf 145 rauf.»

Er sei aber sicher, dass die Gemeindeversammlung das nicht gutheissen würde. Droht der Gemeinde nun eine Salamitaktik? Wird der Steuerfuss sukzessive angehoben? Gemeindepräsident Manfred Küng warnte eindringlich davor, diesen Eindruck zu vermitteln. Stattdessen plädierte er klar dafür, alle Karten auf den Tisch zu legen und die Einwohner fair und transparent zu informieren. Angesichts der Budget-Gemeindeversammlung vor zwei Jahren ein guter Rat. Diese war aufgrund ungenügender Vorbereitung abgebrochen worden.

Amt für Gemeinden macht Druck

In Sachen Spezialfinanzierung ist Kriegstetten ins Visier des Amts für Gemeinden geraten, wie Gerber informierte. Die Rechnung für Kehricht und Grüngut ist seit Jahren defizitär, mit dem Abwasser nimmt die Gemeinde hingegen zu viel ein. Das Amt für Gemeinden hat Kriegstetten nun eine Frist von vier Jahren gesetzt, um diesen Umstand zu korrigieren. Dafür sollen die Steuern für Kehricht und Grüngut vorübergehend erhöht und damit jährlich 46 000 Franken mehr eingenommen werden. Gegenteilige Massnahmen beim Abwasser sollen dort für Mindereinnahmen von jährlich 75 000 Franken sorgen. Werde der Kurs nicht korrigiert, behalte sich das Amt für Gemeinden vor, die Rechnung 2018 nicht zu genehmigen.

Nur nötigste Investitionen tätigen

Besser gestaltet sich die Situation bei den Investitionen. «Wir haben das Strassen-, Elektro- und Wassernetz in diesem Jahr geprüft. Alles ist in einem guten Zustand», erklärte Gerber. Man habe bisher also sinnvoll investiert. Damit alles in Schuss bleibe, seien einige wenige Investitionen im Rahmen von 203 000 Franken nötig. So werde mit der Einführung des Geografischen Informationssystems (GIS) eine Vereinfachung der Elektroplanung angestrebt. Hier würde der Gemeinde allerdings fast der gesamte Betrag von voraussichtlich 50 000 Franken rückvergütet, wie Thomas Affolter ergänzte. Weiter müssten die Beleuchtung in einigen Strassen ersetzt und gewisse Flurwege saniert werden. Im Schulhaus soll zudem künftig mit Erdgas statt mit Heizöl geheizt werden. Wie Gerber aber erklärte, veränderten sich die entsprechenden Kosten dadurch nicht wesentlich.

Bezüglich des neuen Finanzausgleichs blieben noch diverse Fragen offen, auf welche Roger Gerber nun Antworten suchen muss. Die Einwohner würden aber vor der Gemeindeversammlung über das Budget via Infoblatt informiert, so Margrit Jaggi, Leiterin Kanzlei.

Doppelt so hoch offeriert

Weiter hat der Gemeinderat einen Nachtragskredit von 23 000 Franken genehmigt. Dies für die Sanierung der Kanalisation der Hauptstrasse. Erste Informationen hatten ergeben, dass die Sanierung 25 000 Franken kosten würde, einen entsprechenden Kredit hat die Gemeindeversammlung genehmigt. Die Offerte belaufe sich nun auf 48 000 Franken, die Reparatur müsse aber dringend vorgenommen werden, so Thomas Affolter. Man suche nun eine neue Partnerfirma, damit
entsprechende Pannen nicht mehr
vorkämen.