Oensingen
Die teuren Abfallsünden vom Zibelimäret

Die Gemeinde Oensingen stellt die Abfuhr von nicht offiziellen Säcken in Rechnung. Das stinkt einigen Einwohnern.

Alois Winiger
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Das Beweisfoto

Das Beweisfoto

Viele der Neuerungen, die beim Oensinger Zibelimäret für die Vereine und Marktteilnehmer eingeführt worden sind, haben sich bewährt und sind mittlerweile auch grundsätzlich akzeptiert. Kostenwahrheit wurde angestrebt durch angepasste Gebühren. So auch bei der Abfallentsorgung. Dort gilt neu das Verursacherprinzip.

Doch da gabs nun Ärger, weil sich offenbar nicht alle an das neue Reglement gehalten haben. Dieses besagt klar, dass der Abfall in den offiziellen, gelben Säcken mit dem Oensinger Gemeindewappen drauf bereitzustellen ist. Stehen andere Behältnisse bereit, so werden diese zwar durch den Werkhof entsorgt - aber gegen Rechnung. Müssen die Werkhofleute dann auch noch Unrat auflesen und den Platz reinigen, so wird dies zusätzlich verrechnet. Einige Abfallsünden sind fotografisch festgehalten worden.

«Die anderen taten es auch»

Fünf Teilnehmer haben nach dem Zibelimäret vom vergangenen Oktober von der Gemeinde eine Rechnung erhalten. Deren drei wurden beglichen, zwei Teilnehmer wehren sich und machten Einsprache. Der Gemeinderat hat diese abgewiesen. Baris Yildiz vom Star Pizza Kurier will das nicht akzeptieren, zumindest noch nicht. «Ich will zuerst die Beweisfotos ansehen», erklärt er. «und vielleicht kann man noch ein wenig handeln. 200 Franken sind zu viel.» Am ersten Markttag habe er offizielle Kehrichtsäcke verwendet. «Aber dann sah ich, dass es andere auch nicht machen, also liess ich es eben auch bleiben.» Zudem ist Yildiz davon überzeugt, dass bei seinem Stand Abfall deponiert worden sei, der nichts mit dem Märet zu tun hatte.

Die Kosten zur ARA verlagert

Eine Rechnung für 180 Franken hat das Triathlon Team Oensingen erhalten. Präsident Bruno Probst ärgert sich weniger über den Betrag. «Den würde ich noch aus dem eigenen Sack zahlen», sagt er am Telefon. Ihn stört das «pingelige und undifferenzierte Vorgehen» vonseiten der Gemeinde. Er habe den Abfall bereitgestellt, um ihn selber frühmorgens zu entsorgen, aber die Werkhofleute seien früher da gewesen. Entsorgen wollte Probst den Abfall - wie schon tags zuvor - an seinem Arbeitsplatz, in einer Mulde bei der ARA Falkenstein in Oensingen.

Mit diesem Vorgehen handelte sich Probst dann allerdings grossen Ärger im Gemeinderat ein, der die Einsprachen zu behandeln hatte. Das gehe ja wohl gar nicht an, die Kosten auf den Zweckverband der ARA zu überwälzen, hiess es. Auch wenn es nur um eine kleine Menge gehe. Die Verantwortlichen des Verbandes seien unverzüglich schriftlich darüber zu informieren.

Kein «Ghüdertourismus»

Dabei wäre die Abfallentsorgung mit offiziellen Säcken gar nicht dermassen teuer. Ein Sack mit 60 Liter Inhalt kostet Fr. 2.80, einer mit 110 Litern Fr. 4.90. «Wie man sieht, gibt es nur wenige schwarze Schafe», sagt Andreas Affolter, Leiter Bau, dazu. «Die Leute vom Werkhof sind gewiss nicht pingelig, wie es ihnen vorgeworfen wird. Wenn zum Beispiel zehn gelbe Säcke bereitliegen und ein schwarzer Sack oder vielleicht eine Schachtel seht noch dabei, dann werden diese Sachen sicher mitgenommen.» Nicht aber, wenn es umgekehrt sei.

Ebenfalls nicht gelten lässt Affolter, es werde «Ghüdertourismus» betrieben. Dass Leute, die nichts mit dem Zibelimäret zu tun haben, Abfallsäcke zu einzelnen Marktständen hingestellt hätten.

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