Wie der Vater, so der Sohn. Dieses Sprichwort passt zur Familie Sollberger aus Wiedlisbach. Andreas senior führt als Optiker und Uhrmacher das Brillen- und Uhrengeschäft «Sollberger Optik». Sein Sohn Andreas junior hat die gleichen Ausbildungen gemacht und arbeitet ebenfalls im Geschäft. Dieses liegt schon seit 145 Jahren in der Familie.

Gegründet wurde der Laden von Jakob Sollberger, dem Ururgrossvater von Andreas senior, im Jahr 1872. Dieses Jahr feiert Andreas senior mit seinem Sohn das 145-Jahre-Jubiläum. Der Laden ist das älteste Optikergeschäft in der Schweiz. Und eines der letzten, das sowohl Brillen als auch Uhren verkauft. Damit sei der Betrieb eine «Rarität», erklärt Andreas senior. Und darauf ist er stolz. «Uhren und Brillen hat es schon immer in der Familie gegeben», sagt der Uhrmacher. «Und das ist doch einfach schön.»

Wer in diesen Tagen den Laden betritt, findet nicht nur Uhren und Brillen, er wird auch auf verschiedene Aktionen hingewiesen. «Wir wollen den Kunden etwas anbieten, wovon sie wirklich profitieren können», erklärt der Patron. Dazu sei geplant, dieses Jahr eine soziale Institution zu unterstützen.

Ein ewiges Auf und Ab

Die Vorfahren von Andreas senior haben nebst dem Laden in Wiedlisbach jeweils ein zweites Standbein eröffnet, in Solothurn und in Wangen an der Aare. Krisen in der Uhrenindustrie haben sie aber immer wieder zurück nach Wiedlisbach gebracht. «Es gibt immer ein Auf und Ab», erklärt der Patron. «Auch heute ist das noch so.» In unserer Zeit zeige sich das vor allem in gesellschaftlichen Veränderungen. Das Konsumverhalten sei ein Beispiel dafür, sowie Angebote im Internet.

Dafür hat der Laden seine Stammkunden, die das Geschäft regelmässig zum Laufen bringen. Sie kommen aus der ganzen Schweiz, teilweise auch aus Deutschland. Darunter sei auch junge Kundschaft. «Das sind die, die als Kinder bereits mit ihren Eltern hier waren und jetzt immer noch kommen.» 

Schliesslich sollen auch die Serviceangebote ein Grund sein, das Geschäft zu besuchen. «Wir reparieren auch heute noch alte Uhren. Darüber sind manche Kunden sehr froh», so der Uhrmacher. Da er schon seit 44 Jahren im Geschäft ist, kenne er die richtigen Händler und wisse, wo er seltene Ersatzteile herbekommt. Den Rest erledigt er grösstenteils selbst. «Man muss Freude am Beruf haben», so Sollberger.

«Ich glaube, dass die Uhrmacherei ein Stückchen weit auch davon lebt.» Das Unternehmen wahrt Tradition, passt sich teilweise aber auch der heutigen Zeit an. «Wir machen das, was fast niemand mehr macht», erklärt der Patron. Im Gegenzug bieten sie auch neue Sportbrillen oder Designermodelle an.

Immer einen Plan B vor Augen

«Man muss sich der heutigen Zeit anpassen, aber nicht um jeden Preis», so Sollberger. So hat er immer noch Freude an seiner Arbeit und will auch nach der Pension weitermachen. Trotz einiger Veränderungen. «Wir können nicht mehr so selbstverständlich vorausplanen wie früher», sagt Sollberger. «Niemand weiss, was morgen kommt», erklärt der Patron. «Oder wie übermorgen das Geschäft läuft.» So denke er jeden Tag an einen Plan B. Ob dieser auch einmal umgesetzt werden muss, weiss er nicht. Das Geschäft könnte aber noch einige Jahre weiter in der Familie bleiben. «Mein Sohn hat zwei Töchter», erklärt Sollberger. «Wer weiss, ob eine von ihnen das Geschäft übernehmen will.» Dann würde das Geschäft bereits in der sechsten Generation in derselben Familie geführt. Das würde bedeuten: Wie der Vater, so die Tochter.