Wenn früher am Ende des Sommers die Ernte eingebracht war, liessen es sich die Bauern landauf und landab nicht nehmen, dies auch gebührend zu feiern. Bereits Jeremias Gotthelf schilderte 1841 in «Uli der Knecht» die Sichlete als wichtiges Fest auf dem Lande, wenn auch mit dem Beigeschmack der damaligen Armut.

Wie so manche Tradition hat auch die Sichlete den Sprung in die Moderne geschafft, insbesondere in Oberwil, wo die Sichlete des 21. Jahrhunderts an diesem Wochenende bereits zum 31. Mal stattfand.

Sie lässt den alten Brauch in neuer Form aufleben und erwähnt die negativen Seiten des Landlebens höchstens noch am Rande. Dafür verbildlicht sie altes bäuerliches Handwerk sowie ländliche Traditionen wie etwa das Flegeln von Getreide oder das Klöppeln für den Schmuck zu den verschiedenen Trachten.

Erstmals richtiges Sichlete-Essen

Dank des schönen Sommerwetters konnten die Oberwilerinnen und Oberwiler ihr Dorffest, wie zu Gotthelfs Zeiten, draussen feiern. Nebst der alljährlichen Präsentation von Trachten aus verschiedenen Regionen der Schweiz und als Attraktion selbst aus Sri Lanka wurde in der Brennerei Schwab erstmals das ehemals typische Sichlete-Essen, Schafsvoressen mit Kartoffelstock, aufgetischt.

Derweil vergnügten sich die Kinder auf der Rollenbahn oder verzückten die anwesenden Eltern mit Tanzauftritten. Mit dem diesjährigen Sichlete erfolgte ausserdem die Aufnahme des Anlasses in die Liste der lebendigen Traditionen des Kantons Bern – für den organisierenden Verein ein Grund mehr, die Trachtentradition und das bäuerliche Brauchtum in der kleinen Bürenämter Gemeinde hochzuhalten.