Selzach
Die seltenen Grauammern ziehen Junge in der Witi auf

Die Grauammernvögel, die sich auf der Roten Liste befinden, haben in der Witi gute Bedingungen in einer naturnah bewirtschafteten Wiese vorgefunden. Zum ersten Mal seit acht Jahren konnte man heuer zwei Paare Junge aufziehen.

Rahel Meier
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So sehen die Grauammern aus: Sie sind höchstens 19 Zentimeter gross.

So sehen die Grauammern aus: Sie sind höchstens 19 Zentimeter gross.

Zur Verfügung gestellt

Die Grauammer gehört zu den Vögeln, die sich auf der Roten Liste befinden. In den Jahren 2009 bis 2011 konnten schweizweit noch 75 bis 125 Paare nachgewiesen werden. Einige davon leben in der Witi zwischen Solothurn und Grenchen. Zum ersten Mal seit acht Jahren konnte man heuer zwei Paare Junge aufziehen. «Die Bedingungen im Juni waren ideal», so Walter Christen, der die Vögel in der Witi schon seit Jahrzehnten beobachtet. Das trockene Wetter habe die Brut begünstigt. Es dauert knapp einen Monat, bis die Jungvögel flügge sind.

Grauammern sind Bodenbrüter. Sie platzieren ihre Nester gerne in extensiv genutztem Grünland und in der Nähe von Feuchtgebieten. Dass sie gerade in der Witi brüten, ist für Jonas Lüthy (Amt für Raumplanung, ARP) kein Zufall. «Die kantonale Witischutzzone Grenchen-Solothurn schreibt einen ökologischen Ausgleich im Ackerbaugebiet vor. Eine naturnahe Bewirtschaftung und das Anlegen von Naturelementen sind zu fördern, wobei mindestens 12 Prozent naturnahe Flächen anzustreben sind.»

Die Abteilung Natur und Landschaft im ARP habe seit Beginn der 1990er-Jahre im kantonalen Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft laufend freiwillige Vereinbarungen mit Bewirtschaftern in der Witi für naturnahe Wiesen abgeschlossen. «Diese Wiesen werden nicht gedüngt und spät gemäht, oft werden auch sogenannte ‹Rückzugsstreifen› stehen gelassen», so Lüthy.

Damit werde die Tierwelt der Witi, darunter beispielsweise der Feldhase, gefördert. Besonders würden auch die Bodenbrüter von diesen naturnahen Wiesen profitieren: Wachtel und Feldlerche, aber auch die Grauammer. «Die diesjährigen Grauammerbruten erfolgten denn auch prompt in einer solchen Vereinbarungsfläche. Der Bewirtschafter war sogar bereit, das Gras über den vereinbarten Schnitttermin hinaus stehen zu lassen, bis die Jungen ausfliegen», freut sich Lüthy.

Auch in der Champagne genevoise, im Klettgau und im Grossen Moos zeigten Aufwertungen im Landwirtschaftsland Wirkung und die Grauammer konnte sich wieder ansiedeln. Buntbrachen und hochwertige Ökoflächen würden den idealen Lebensraum bieten.

Die Grauammern sind sogenannte Kurzstreckenzieher. Sie fliegen zum Überwintern bis etwa nach Frankreich und kehren im Frühling zurück in die Schweiz. Gut möglich, dass die Jungvögel dann in die Witi zurückkommen.