Die Schweiz ist im Distrikt Colonia omnipräsent. Schweizer Nachnamen, die Schweizer Kantonswappen, Schweizer Brauchtum und Volksmusik sind verbreitet. Die Uruguayer sind stolz auf ihre Schweizer Wurzeln und wissen mehr über ihren Stammbaum und ihre Familiengeschichte, als viele Schweizer. Obwohl es für die Uruguayer relativ teuer ist in die Schweiz zu reisen, haben viele ihr Ursprungsland bereist und wissen deshalb sehr konkret, wie es in in der Schweiz aussieht.

Zehn Mal in der Schweiz

Carlos Maria Bernardi ist 79 Jahre alt und Pfarrer. Er ist Schweizer in dritter Generation. Seine Grosseltern waren alle entweder Ingolds (aus Subingen) oder Bernardis (aus Quinto). Bernardi spricht neben Spanisch auch fliessend Italienisch, er lebte zwei Jahre lang in Rom. Der pensionierte Pfarrer besuchte die Schweiz bereits zehn Mal. Das Land gefalle ihm sehr. Er hat verschiedenste Orte gesehen und er war letztes Jahr auch in Subingen.

«Trotz meiner Schweizer Wurzeln fühle ich mich als Uruguayer. Das war schon bei meinen Eltern so. Wir pflegen in der Familie das Schweizer Brauchtum nicht wirklich», so Bernardi. Die Kontakte mit anderen Schweizer Abkömmlingen in Uruguay hingegen, sind Bernardi wichtig.

Rassismus erlebt

Edith Bierwirth Hugo ist 58 Jahre alt und Deutschlehrerin. Auch sie verfolgt ihre Schweizer Wurzeln in dritter Generation. Ihr Grossvater kam aus dem Wallis. Dazu kommen bei ihr aber noch Vorfahren aus Deutschland dazu und schon bald gab es Eheschliessungen mit Uruguayern. Wie sie selbst sagt: «Es ist kompliziert zu erklären und ein richtiges Gemisch.» Obwohl ihre Grosseltern in Uruguay lebten und ihr Vater in diesem Land geboren wurde, ist es Zufall, dass auch sie Uruguayerin ist. Denn ihr Vater kehrte als Kind zurück in die Schweiz und wollte später nach Kanada auswandern. Dies funktionierte nicht und so kam er erneut nach Südamerika.

Edith Bierwirth lebte vor 30 Jahren für ein Jahr in der Schweiz und zwar in Siebnen. „Ich habe viel von der Schweiz gesehen". Vor bald 15 Jahren machte sie dann nochmals zwei Wochen lang Ferien. «Was mir in der Schweiz nicht gefallen hat, ist die Kälte», meint sie. Sie hat auch einen gewissen Rassismus erlebt. «Wer wusste, dass ich Südamerikanerin bin, guckte mich anfangs eher skeptisch an.» Sie findet es zudem schade, dass in der Schweiz so wenig über Südamerika und die Schweizer Kolonie in Uruguay bekannt ist.

Die Familiengeschichte wiederholt sich übrigens für Edith Bierwirth: Ihre Tochter hat einen uruguayischen und einen deutschen Pass und studiert in der Schweiz.

Brauchtum wird aktiv gepflegt

Silvia Ingold Schluep ist 49 Jahre alt und eine Vertreterin der 4. Generation. Sie spricht ein wenig Deutsch, und auch ein wenig Englisch und Portugiesisch. Auch sie hat die Schweiz besucht. 14 Tage lang reiste sie letztes Jahr herum. Nächsten Monat kommt sie erneut nach Europa und besucht mehrere europäische Städte. «Die Schweiz war genauso wie ich sie mir vorgestellt habe, nur noch viel schöner.» Die Menschen und die Landschaft habe sie am besten in Erinnerung. «Sehr schön war ein Markt mit handwerklichen Erzeugnissen, den wir besucht haben.»

In der Familie von Silvia Ingold wird das Schweizer Brauchtum stark gepflegt, nicht im Alltag, aber an Festtagen. Die Schweizer Wappen, die Schweizer Fahne, Schweizer Essen - das alles ist Teil ihres Lebens.