Nein, eine Website führt die Schraubenfabrik Nennigkofen nicht. «Wir machen auch keine Werbung», sagt Eugen Wirth (62), einer der beiden Patrons, freimütig. «Wir werden auch so gefunden.» Sein Bruder Rudolf (70) ergänzt: «Wir haben auch keine Wachstumsstrategie.»

Seit dem Ersten Weltkrieg hat die Schraubenfabrik im Durchschnitt immer etwa 50 Mitarbeiter und eher kleine Maschinen. «Unser Wachstum ist stetig, aber nicht quantitativ, sondern eher qualitativ.» Vielleicht seien sie in manchem konservativ, sinniert der Ältere: «Aber das ist wohl gerade unsere Stärke.» Heute kann die Schraubenfabrik dank ihrem angesammelten Fachwissen bei den Kunden bereits in der Entwicklungsphase beratend mitwirken.

Patrons im alten Stil

Die Angestellten und ihre Kenntnisse betrachten die Patrons Wirth als Kapital, das sie schätzen und würdigen. Das zeigte sich in den 100 Jahren gerade in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten. Zwar gab es um 1930 einmal sechs Entlassungen wegen Arbeitsmangel, auch selten einmal Kurzarbeit. «Bei uns gibt es fast nie Entlassungen. Dafür haben wir die guten Fachleute noch, wenn das Geschäft wieder anzieht», erklärt Rudolf Wirth. «Unser grosses Ziel ist immer die langfristige Existenzsicherung.

Profitabel muss die Firma nur im Schnitt dreier Jahre sein», betont Eugen Wirth. Wir legen in guten Zeiten Reserven an, die uns in schwierigeren Zeiten eine Mischrechnung oder gar Investitionen erlauben.» Gerade diese Woche wurden – antizyklisch – für mehr als 3 Millionen Franken zehn Tornos-Maschinen der neusten Generation bestellt.

Eine richtige Familienfirma

Am 1. September 1912 gründete Fritz Laubscher die erste Fabrik in Nennigkofen, die dort allerdings keineswegs willkommen war. Die Schraubenfabrik betrieb er zunächst mit seinen vier Brüdern als Gebr. Laubscher & Cie. Doch nur Armin blieb und wurde kaufmännischer Leiter. Das Fabriklein wuchs, wurde 1918 zur AG und änderte 1929 den Firmennamen in Schraubenfabrik Nennigkofen.

1940/41 wurde Armins Sohn, Ernst Laubscher, technischer Direktor, und Paul Wirth-Laubscher, Schwiegersohn des Gründers, kaufmännischer Direktor. Mitten im Krieg gründeten sie einen Wohlfahrtsfonds. Richtig schwierig wurde es 1944, als die Exportfirma fast alle Kunden in Europa und den USA verlor. Doch bald brauchte es Hallenanbauten. Die Infrastruktur wurde laufend modernisiert und 1963 die Schraubenfabrikation in eine Décolletageindustrie umgewandelt. Ende der 60er-Jahre traten die Brüder Rudolf und Eugen Wirth, Enkel des Gründers, in die Firma ein. 1978 kauften sie den Aktienanteil der Nachkommen von Armin Laubscher.

Die Urenkel leben sich ein

«Es ist selten geworden, dass Firmen in der Region 100-jährig werden und erst noch immer in den Händen derselben Familie ist, die sie zudem auch betreibt», betont Rudolf Wirth stolz. «Viele unserer einstigen Konkurrenten – etwa Delta, Sphinx, Roamer, Loreto, Bläsi, Glatzfelder oder Brotschi – sind verschwunden.» Sein Bruder ergänzt: «Mit meinem Sohn Pascal, gelernter Polymechaniker, wird bereits ein Urenkel des Gründers auch ins Kaufmännische eingeführt.»

Zudem sind alle fünf jungen Wirth-Nachkommen im Verwaltungsrat. Von ihren Vätern lernen sie, wie ein Familienbetrieb auch als familiärer Betrieb für seine Mitarbeitenden sorgt. So wird nicht nur an diesem Wochenende gefeiert, sondern im Oktober geniesst die gesamte Belegschaft samt Angehörigen eine Ferienwoche auf Lanzarote.