Kurz vor Ablauf der Frist wurde es noch einmal hektisch: Bevor die Delegierten der Regionalplanungsgruppe Espace Solothurn nächsten Dienstag das Agglomerationsprogramm der zweiten

Generation genehmigen, brachte Derendingen eine frische Idee aufs Tapet: Gemeindepräsident Kuno Tschumi machte sich, für manche unerwartet, ausdrücklich für die Nordumfahrung Derendingens und einen neuen Autobahnanschluss an die A1 respektive A5 stark.

Seine Amtskollegen, vor allem aus dem äusseren Wasseramt, stellten sich hinter ihn. Grund: Weil das Agglomerationsprogramm im Wasseramt Arbeitszonen definiert, fürchten sich die Gemeinden vor einer Blechlawine. «Vorläufig könnten wir mit dem Verkehr vom Schoeller-Areal und dem Wissensteinfeld leben», sagt Tschumi. Längerfristig tauchten aber grössere Probleme auf.

Mit seiner dezidierten Forderung überfuhr Tschumi den Repla-Vorstand und das kantonale Amt für Raumplanung ARP. Beide sind massgeblich am Programm beteiligt. «Die Massnahme ist zu wenig ausgereift», sagt Bernard Staub, Chef im ARP. Ein Schnellschuss könnte die Beiträge aus dem Infrastrukturfonds gefährden, denn der Bund beurteilt die Projekte nach deren Umsetzung und Qualität. Sprich: Sie müssen zwischen 2015 und 2018 baureif sein. «Wenn wir die Forderungen noch kurzfristig aufnehmen, schiessen wir ein Eigentor», so Staub.

Nicht auf die lange Bank schieben

Repla-Geschäftsführer Markus Schneider bestätigt: «Die Massnahmen müssen konkret umsetzbar sein und die Verkehrsprobleme lösen.» Das Kosten-Nutzen-Verhältnis müsse stimmen. Luftschlösser seien chancenlos. Trotzdem: Der Paukenschlag aus dem Wasseramt stösst beim Kanton auf Resonanz. Man habe das Verkehrsproblem mit dem Nadelöhr in Derendingen erkannt, so Staub. Zusammen mit Vertretern aus Subingen, Luterbach, Zuchwil und Derendingen und mit dem Bundesamt für Strassen werden nun Lösungen erarbeitet, die nach einer Mitwirkung in den kantonalen Richtplan einfliessen. Damit sieht Tschumi ein Ziel erreicht; er wird an der Repla-Delegiertenversammlung keinen Antrag für die Aufnahme der Begehren stellen. Dies wiederum dürfte im äusseren Wasseramts für Unmut sorgen, das sich ohnehin vernachlässigt fühlt.

Problematisch ist, dass der Perimeter des Agglomerationsprogramms und der Regionalplanungsgruppe nicht deckungsgleich ist. Längst nicht alle Gemeinden sind Nutzniesser der Beiträge aus dem Bundestopf.

Dass auch die ländlichen Dörfer von besseren Verkehrsflüssen profitieren, ist unbestritten. Sie sehen sich aber ihrer Wachstumsmöglichkeiten beraubt, weil sich auch die Siedlungsschwerpunkte «Wohnen» auf den urbanen Raum beschränken. «Die Siedlungsentwicklung soll an zentral gelegenen, gut an die Hauptverkehrsachsen angebundenen Standorten konzentriert werden», heisst es dazu. Um die Zersiedlung zu bremsen, sind in Bellach (Grederhof Ost), Biberist (Schöngrün, Schwerzimoos, Fällimoos) und Solothurn (Obere Mutten, Wasserstadt) Wohnschwerpunkte vorgesehen.

Auch die Standorte für Gewerbe/Industrie sind definiert. An folgenden Standorten soll die Ansiedlung von Arbeitsplätzen und eingeschränkt auch Wohnungen gefördert werden: Papieri Biberist, Borregaard Luterbach/Riedholz, Ober-/Unterhof Solothurn, Sultex/Zeughaus Zuchwil, Wissensteinfeld Derendingen, Längmatt Zuchwil. Welche Massnahmen geplant sind, zeigt die Liste der A-Massnahmen (siehe Text unten). Diese sollen zwischen 2015 und 2018 umgesetzt werden.

Erneut hoher Beitrag in Aussicht

Wie viel Geld für diese Massnahmen schliesslich in die Region fliesst, ist offen. «Die finanzielle Unterstützung durch den Bund ist Voraussetzung, dass die Massnahmen im vorgesehenen Umfang realisiert werden können», heisst es dazu bei der Repla. Fakt ist: Beim ersten Agglomerationsprogramm, das durch die Förderung des Langsamverkehrs und die Verschiebung des Bahnhofs Bellach respektive der neuen Haltestelle Brühl geprägt war, wurde der maximale Subventionsansatz aus den Gesamtkosten von gegen 40 Mio. Franken erreicht. Das zweite Paket ist nun massiv teurer. Wenn sich die Repla-Gemeinden geschlossen hinter das Programm stellen, dürfen sie erneut mit einem hohen Beitrag rechnen – und davon profitiert schliesslich die ganze Region.Kommentar rechts