Eine gute Stunde wird das Feuerwerk dauern, rund 4000 Arbeitsstunden Fronarbeit werden dafür eingesetzt. Hinzu kommen Aufwendungen von gegen 100000 Franken für die Infrastruktur. Was das eigentliche Feuerwerk kostet, darüber schweigen die Organisatoren eisern.

Alle drei Jahre findet das Spektakel statt, das als grösstes Kunstfeuerwerk der Schweiz bezeichnet wird. Ein übergeordnetes Organisationskomitee kümmert sich um Infrastruktur, Werbung und Marketing. Getragen und durchgeführt wird das Feuerwerk von den Ortsvereinen Ravellenclub (RCO) und Vogelherdclub (VCO). Deren Präsidenten Ruedi Zimmermann (RCO) und Hans Schnider (VCO) geben Auskunft.

4000 Fronarbeitsstunden beziehungsweise 500 Arbeitstage zu 8 Stunden – ist das nicht etwas hoch gegriffen?

Hans Schnider: Nein, es könnten sogar noch mehr sein. Nach dem Feuerwerk ist vor dem Feuerwerk, man geht andere Feuerwerke schauen, es gibt unzählige Besprechungen. Abschussplätze werden vorbereitet und das Feuerwerk aufgebaut – der grösste Teil davon ist Handarbeit. Wir haben Vereinsmitglieder, die dafür eine Woche Ferien nehmen.
Ruedi Zimmermann: Hinzu kommt noch der Spendeneinzug in den rund 2400 Haushaltungen Oensingen, da sind wir meist zu zweit unterwegs.

Das Feuerwerk wird nahe an den Wohngebieten abgeschossen. Welche Massnahmen werden dort getroffen?

Schnider: Dafür wenden wir sehr viel Zeit auf. Wir klären ab, wo es bei den Häusern und den Umgebungsanlagen etwas zu schützen gibt. Gefährdete Stellen werden mit Vliesstoffen abgedeckt, also Swimming Pools, Kunststoffflächen, und in jüngster Zeit kommen immer mehr Solar- und Fotovoltaikanlagen dazu.
Zimmermann: Je nachdem machen wir zur Sicherheit noch Fotos von gefährdeten Objekten. Sehr viel Arbeit folgt nach dem Feuerwerk. Da gehts ans «Fötzele». Wir streifen durch Gärten, Wiesen, Strassen und Waldstücken und lesen – so gut wie möglich – alle Rückstände auf.

Hat man schon daran gedacht, das Feuerwerk auf die freie Ebene zu verlegen?

Zimmermann: Daran gedacht haben wir auch schon, weil es viel praktischer wäre. Aber diesen Gedanken haben wir ganz schnell wieder verworfen, weil es dann einfach nur noch ein Feuerwerk und nicht mehr die Oensinger Sonnwendfeier wäre mit der einmaligen Silhouette.
Schnider: Ja, das trifft voll zu. Die Ravelle, das Schloss Neu-Bechburg und der Roggen bilden die Kulisse. Die macht den Reiz aus, ist das Markenzeichen. Wir halten an den Abschussstandorten fest, auch wenn es immer mehr Einschränkungen gibt.

Was für Einschränkungen?

Schnider: Der Wirkungsraum beim Vogelherd ist in den letzten Jahren markant kleiner geworden. Der Wald hat sich nach unten ausgedehnt. Höhenfeuer wie früher können wir nicht mehr so platzieren, dass man sie auch von Weitem sieht.
Zimmermann:
Bei der Ravelle sind die Möglichkeiten noch nicht so stark eingeschränkt. Aber der Aufwand, das Holz für die Höhenfeuer oben auf der Krete zu platzieren, ist auch nicht kleiner geworden.
Schnider: Zudem wird das Hanggebiet allgemein immer dichter bebaut. Es ziehen Leute dort ein, die möglicherweise von der Sonnwendfeier nichts wissen. Da kann sehr viel Überzeugungsarbeit nötig werden. Es ist ja ein wenig paradox. Man will ein immer grösseres Feuerwerk sehen, aber unsere Möglichkeiten werden zunehmend eingeschränkt. Nicht nur was den Raum angeht, sondern auch in Bezug auf Sicherheitsmassnahmen und vom Umweltschutz her.

Sonnwendfeier Oensingen 2009

Wer gestaltet das Feuerwerk?

Schnider: Wir sehen uns immer wieder Feuerwerke an, und wenn wir etwas Schönes sehen, das wir in Oensingen noch nicht hatten, so sagen wir dies dem Hersteller. Aber letztlich ist es der Hersteller, der die Choreografie besorgt. Und das sieht man dann auch. Jeder Feuerwerker hat seine eigene Handschrift.
Zimmermann: Das Feuerwerk wird auf das Gelände abgestimmt. An einem See ist es anders als hier mit dem Berg im Hintergrund.

Andere Feuerwerke sind von Musik begleitet. Ist dies in Oensingen kein Thema?

Zimmermann: Möglich wäre es, aber das Gelände ist dermassen weitläufig, dass der Aufwand für die Tonübertragung viel zu gross wäre.
Schnider:Wenn Sie uns einen hohen sechsstelligen Betrag spenden, könnten wir ernsthaft darüber sprechen.

Im Verlauf der Zeit ist die Sonnwendfeier zu einem sehr grossen Event mit Zehntausenden von Besuchern herangewachsen. Wie wird dieser Ansturm bewältigt?

Schnider: Die Polizei ist bei den wichtigsten neuralgischen Punkten präsent. Wobei deren Aufwand während des Feuerwerks um ein Vielfaches erhöht ist. Sie muss dafür sorgen, dass die Leute ihr Auto nicht auf dem Pannenstreifen abstellen und zuschauen. Die Feuerwehren des Bezirks Gäu sind im Verkehrsdienst involviert oder in Pikettstellung.
Zimmermann: Hinzu kommen noch die Rettungs- und Sanitätsdienste und die Securitas-Mitarbeiter.

Das alles ist auch nicht gratis.

Schnider: Allerdings nicht. Alles Geld von den Hauptsponsoren wird für diese Infrastruktur rundherum eingesetzt. Da gehört noch vieles dazu, das selbstverständlich erscheint und an das man im ersten Moment nicht denkt, zum Beispiel Bewilligungen, elektrische Einrichtungen, Absperrungen, Toiletten und Abfallbeseitigung.
Zimmermann: Hier können wir einen Betrag nennen, er geht in Richtung 100000 Franken.

Wie stehts mit Nebeneinnahmen? Es wird ja den Gästen einiges an Essen und Trinken angeboten.

Schnider: Dafür gibts Lokalitäten und Stände. Viele Leute kommen schon beizeiten hierher, und denen soll etwas angeboten werden.
Zimmermann: Aber die beiden organisierenden Klubs verdienen nichts daran, diese Gelegenheit nehmen unter anderem Vereine wahr. Und sie nutzen sie auch.

Wer besorgt den Billettverkauf und wo wird überall Eintritt verlangt?

Schnider: Es sind rund 180 Einzüger unterwegs – notabene auch nicht gratis. Das Gebiet reicht bis zur ARA Falkenstein hinüber nach Kestenholz und hinauf in die Ebene südlich von Niederbipp.

Sind die Leute bereit, für ein Billett 20 Franken zu bezahlen?

Zimmermann: In der Regel schon, ja. Aber es gibt natürlich auch hier «Schtürmine», so wie überall.

Was entgegnen Sie Leuten, die grundsätzlich gegen Feuerwerke sind?

Schnider: Bei jedem Thema gibt es Befürworter und Gegner. Und nicht alles lässt sich erklären oder begründen. Gegner wird es immer geben, aber mit Information und Gespräch lässt sich vieles regeln.

Zimmermann: Man sollte das Ganze auch im Verhältnis sehen: Das Feuerwerk in Oensingen dauert eine Stunde und findet alle drei Jahre statt. Zudem wird es lange im Voraus angekündigt.