Schöngrün
Die Politiker sollen hinter die Gefängnismauer blicken

In der Strafanstalt starb bereits der vierte Insasse innert vier Jahren. Nun verlangt die Gruppe Reform 91 mit einer Petition an den Kantonsrat, dass eine Untersuchungskommission eingesetzt wird.

Stefan Frech
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Eine Zelle in der Strafanstalt Schöngrün in Biberist.

Eine Zelle in der Strafanstalt Schöngrün in Biberist.

Oliver Menge

Am Sonntagmorgen wurde ein 38-jähriger Häftling in der Strafanstalt Schöngrün in Biberist tot aufgefunden, nachdem er von einem bewilligten Urlaub zurückgekehrt war (siehe gestrige Ausgabe). Die Staatsanwaltschaft lässt zurzeit die Todesursache rechtsmedizinisch abklären. Im Februar dieses Jahres war es zu einem ähnlichen Todesfall gekommen: Auch hier war ein Häftling am Morgen tot im Bett aufgefunden worden. 2008 und 2010 starben ebenfalls zwei Insassen in der Strafanstalt Schöngrün. Die Schweizer Organisation für Strafgefangene und Randständige, Reform 91, hat deshalb gestern dem Solothurner Kantonsrat eine Petition eingereicht, in der eine unabhängige Untersuchungskommission gefordert wird. Sie soll die «überdurchschnittlich vielen Todesfälle» im Schöngrün unter die Lupe nehmen.

Suchtkranke im offenen Vollzug

«Wir haben in der offenen Strafanstalt Schöngrün sehr viele suchtkranke Insassen», erklärt Thomas Fritschi, Chef des Amts für Justizvollzug. Darin sieht er einen Zusammenhang, weshalb im Schöngrün in den letzten 20 Jahren 12 Personen gestorben sind. Im Therapiezentrum Schache in Deitingen waren es «nur» zwei Häftlinge, in den Untersuchungsgefängnissen in Solothurn und Olten drei. «Der Gesundheitszustand vieler Insassen im Schöngrün ist schlecht», sagt Fritschi. Unter ihnen gebe es viele Drogendelinquenten. «Wir geben im Gefängnis auch verordnet Heroin und Methadon ab.»

Was die Häftlinge in ihrem Urlaub ausserhalb des Gefängnisses machen, könne die Anstaltsleitung nicht überwachen, sagt Fritschi. «Die Häftlinge werden allerdings nach ihrer Rückkehr kontrolliert und wir nehmen ihnen eine Urinprobe ab.» Auf den aktuellen Todesfall will Fritschi nicht näher eingehen. «Die Ergebnisse der gerichtsmedizinischen Untersuchung sind abzuwarten.» Auch zur Frage, für welche Delikte der Verstorbene im Schöngrün sass, dürfe er nicht informieren.

Tote waren heroinabhängig

Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass es sich auch hier um einen Drogentod handelt. Bereits bei den letzten Todesfällen im Juni 2010 und Februar 2012 war eine Überdosis Methadon die Todesursache. Das teilt die Staatsanwaltschaft auf Anfrage dieser Zeitung mit. In keinem der Fälle wurde ein Strafverfahren eröffnet. «Eine strafbare Fremdeinwirkung konnte ausgeschlossen werden», erklärt Sabine Husi, stv. Oberstaatsanwältin. Laut Zeitungsberichten war auch der 2008 verstorbene Häftling an einer Überdosis Heroin gestorben.

Bald kein offener Vollzug mehr

Die Gruppe Reform 91 verlangt in ihrer Petition, dass die Solothurner Behörden nicht nur über die Todesfälle in den Gefängnissen informieren, sondern dann später auch deren Ursachen aktiv bekannt geben.

Im Jahr 2014 soll die sich zurzeit in Bau befindliche Justizvollzugsanstalt in Deitingen fertiggestellt sein. Dann wird die Strafanstalt Schöngrün aufgelöst, und es wird im Kanton keinen offenen Strafvollzug mehr geben.