Jetzt, wo die Besitzverhältnisse nach einem langen Prozedere geklärt sind, kann es trotzdem noch eine Weile dauern, bis sich etwas verändert auf der Oberen Wengi. Aktuell wird der Landwirtschaftsbetrieb noch von der Pächterfamilie Rolf und Ines Hunziker geführt, die Bergwirtschaft ist geschlossen. Land und Gebäude gehörten der Gemeinde Matzendorf. Für sie war das Anwesen finanziell zu einer Belastung geworden, daher wurde mehrmals versucht, es zu verkaufen.

An der Gemeindeversammlung im April dieses Jahres fiel dann mit grossem Mehr der Entscheid für einen Verkauf (wir berichteten). Neue Besitzerin ist die Familie René und Maja Lisser-Bader aus Ramiswil. Doch sie weiss nicht, wann sie ihren Besitz antreten kann. Denn die Familie Rolf und Ines Hunziker, die den Betrieb Obere Wengi seit 2008 führt, hat noch einen Pachtvertrag, der grundsätzlich noch mehrere Jahre gültig ist. Es sei denn, man findet vorher eine Lösung. «Wir haben aber für uns noch keine gefunden», erklärt Ines Hunziker.

Die Sache mit den Kriterien

Hunzikers hatten sich ebenfalls für den Kauf der Oberen Wengi beworben, kamen aber nicht zum Zug. «Aufgrund verschiedener Kriterien», begründete damals Gemeindepräsident Peter Bühlmann den Entscheid des Gemeinderats. Diese Kriterien erfüllt offenbar die Familie Lisser aus Ramiswil. In Pacht führt sie dort seit acht Jahren auf dem Vorder Erzberg zum einen den 13 Hektar grossen Landwirtschaftsbetrieb mit Sömmerungsweiden. 130 bis 140 Tiere sind dort je nach Jahreszeit anzutreffen, ferner ganzjährig etwa 20 Fohlen.

Hinzu kommt ein Restaurant, das die Familie mit Erfolg führt, wie von verschiedenen Seiten bestätigt wird. Dies war für den Gemeinderat Matzendorf eines der entscheidenden Kriterien. Denn die Obere Wengi, einst ein stolzer Besitz der Bürgergemeinde Matzendorf, sollte an jemanden verkauft werden, der das bei Dorfbevölkerung, Wanderern sowie Gleitschirm- und Deltasegelfliegern beliebte Bergrestaurant weiterführt. «Am liebsten so, wie es früher war», betonte ein Mann – wohl stellvertretend für viele – an der erwähnten Gemeindeversammlung. «Zwar haben mehrere Bewerber erklärt, was sie im Sinne hätten», sagt Gemeindeschreiber Armin Kamenzin. «Die Familie Lisser hingegen konnte etwas vorweisen, das Hand und Fuss hat.»

«Wir sind schon ein wenig ungeduldig», gibt Maja Lisser zu, «aber wir haben natürlich Verständnis für die Familie Hunziker. Wir wissen selber, dass es nicht einfach ist, etwas Passendes zu finden.» Obwohl es ihnen gut gefalle und auch gut laufe auf dem Vorder Erzberg, haben Lissers immer wieder nach einem eigenen Berghof Ausschau gehalten, am liebsten wieder mit Restaurant.

13 Jahre lang hatten René und Maja Lisser in Madiswil auf einem Landwirtschaftsbetrieb gearbeitet und diesem in den letzten Jahren dieser Zeit eine Besenbeiz eingerichtet. «Damals war dies in der Gegend eine der ersten solchen Lokale. Wir hatten einen schönen Erfolg», berichtet Maja Lisser. «Für mich war das Wirten ein Mädchentraum, darum haben wir denn auch auf den Vorder Erzberg gewechselt.»

Glücklich und doch nicht

Den erneuten Wechsel begründet Maja Lisser damit, dass für sie und ihren Mann, 41- bzw. 42-jährig, die richtige Zeit dafür gekommen sei für Start in die Selbstständigkeit, auf die sie sich sehr freuen. Sie ist zuversichtlich, dass sie und ihr Mann René weiterhin auf die Unterstützung der beiden Söhne (21, 12) und der Tochter (19) sowie der weiteren Familie zählen. In Mümliswil-Ramiswil ist man für Matzendorf froh, dass man für die Obere Wengi eine gute Lösung gefunden hat. Jetzt hofft man dasselbe für den Vorder Erzberg.