Derendingen
Die Natur spiegelt sich in den abstrakten Bildern von Carole Kohler

Carole Kohler zeigt im Fabrikgebäude Emmenhof «sprechende» Bilder, in die der aufmerksame Besucher regelrecht hineinblicken kann.

Agnes Portmann-Leupi
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Die Künstlerin Carole Kohler mit ihrem stolzen Gatten Stefan Kohler.

Die Künstlerin Carole Kohler mit ihrem stolzen Gatten Stefan Kohler.

AZ

«AbSTtRaKTiv» – so benennt Carole Kohler ihre Ausstellung im alten Fabrikgebäude Emmenhof in Derendingen. In der Wortschöpfung verbergen sich die drei Themen «abstrakt, attraktiv und aktiv», die sich einem roten Faden gleich durch die Ausstellung ziehen. Abstrakt ganz im Gegensatz zu früher, als sich die Künstlerin auf ihren Reisen durch Afrika, Amerika, Asien und Australien zum naturgetreuen Malen von Menschen und Tieren inspirieren liess.

Intensiv hat sie sich in abstrakter Malerei, Farbenlehre und Bildgestaltung weitergebildet und mit dem Geheimnis der Komplementärfarben auseinandergesetzt.

Die Natur ist auch in ihren neuesten Bildern zu sehen und fühlen. «Die Natur macht nie etwas falsch», sagt sie denn auch. Mit dem Einbezug verschiedener Fertigungstechniken und unterschiedlicher Materialien – Jute, Asche, Sand, Fasern von Palmenblättern, Rinde, Steinchen – erzielt sie spannende Tiefenwirkung und Ausstrahlung.

Die Bilder beeindrucken durch ihre Leuchtkraft, durch die Hell-dunkel-Kontraste. Sie verleiten zum intensiven Betrachten. Sie versprühen Kraft und Emotionen, man sieht quasi in die Bilder hinein.

Drei Betrachtungsweisen

Dass es drei verschiedene Zugänge zu abstrakten Bildern gibt, verdeutlichte Stefan Kohler an der Vernissage. «Bei der attraktiven Betrachtungsweise spielt die persönliche Ästhetik eine grosse Rolle, das Dekorative, das Anziehende, Farbkombinationen, Formen, Strukturen», sagte der Ehemann der Künstlerin. Entweder gefalle das Bild oder nicht. In der tiefgründigen oder abstrakten Betrachtungsweise könnten dieselben Farben, Formen und Strukturen Gefühle und Erinnerungen hervorrufen.

«Es geht nicht darum, was ich sehe, sondern was das Gesehene bei mir auslöst», erklärte er. Selber geistig aktiv werden müsse der Interessierte bei der aktiven Betrachtungsweise. «Suchen Sie das Kunstwerk ab nach Farben, Formen, Schattierungen, die eine fantasievolle Interpretation zulassen», motivierte Stefan Kohler.

Carole Kohler, die sich ursprünglich ihr Rüstzeug an der Kunstgewerbeschule und in der Berufslehre als Dekorationsgestalterin holte, hat den 70 Werken einen Titel gegeben. Begleittexte dazu informieren über die Gedanken der Lommiswiler Künstlerin.

Zu «Ruhepuls» meint sie etwa: «Wie ruhig kann der Puls sein, wie pulsierend die Ruhe.» Mit dem Bild «Schmelzpunkt» fragt sie: «Wo ist der Ort, an dem sich Ruhe und Aktivität treffen, miteinander verschmelzen und Ausgeglichenheit und Zufriedenheit übrig bleiben?.» Die dreizehn Skulpturen aus Holz sind ein weiterer fantasievoller Zweig von Carole Kohlers Kunstschaffen.

Ausstellung im Fabrikgebäude Emmenhof, Emmenhofstrasse 4, Derendingen: bis 2. Dezember, täglich von 9 bis 18 Uhr.