50 Jahre lang wohnte das Ehepaar S.* in einer Wohnung der Gemeinde Dornach an der Schmiedegasse 27. Während dieser Zeit kümmerte sich die Gemeinde nie um den Zustand der Wohnung. Die Wohnung befindet sich in einem erbärmlichen Zustand: Küchengeräte sind nicht mehr funktionstüchtig und die Wände vergilbt.

Gemeinderätin Sandra Theurillat (SVP), welche bis vor kurzem auf der Gemeindeverwaltung angestellt und für den Hochbau zuständig war, hatte das Dossier zuletzt unter sich. Wie Gemeindepräsident Christian Schlatter (Freie Wähler) auf Anfrage sagt, habe Theurillat eine Strategie für den Unterhalt der gemeindeeigenen Liegenschaften vorbereitet. «Leider hat sie uns verlassen, so wird das Thema noch etwas brachliegen.»

Dass Handlungsbedarf besteht, wurde in Dornach offenbar erkannt. Schlatter betont aber, dass es sich bei der Lotterwohnung an der Schmiedegasse um einen Einzelfall handle. Man dürfe daraus nicht auf eine gängige Verwaltungspraxis schliessen. In allen anderen Wohnungen wurde stets das Nötigste gemacht bei einem Mieterwechsel.

Standards gibt es keine

Profis aus der Immobilienbranche, die von der bz angefragt wurden, schütteln den Kopf über die Vernachlässigung der Wohnung des Ehepaar S. «So etwas wäre bei uns nicht vorstellbar», sagt Dieter Ruf, Geschäftsführer der Gribi Bewirtschaftung AG. Er gibt aber auch zu bedenken, dass es keine verbindlichen Richtlinien gibt, wann welche Unterhaltsarbeiten fällig sind. Er empfiehlt aber, dass innerhalb der gleichen Liegenschaft mindestens darauf geachtet werden sollte, dass alle Wohnungen dem gleichen Standard entsprechen. «Die Haushaltsgeräte müssen auf jeden Fall funktionstüchtig sein», sagt er.

Ähnlich sieht das Andreas Kressler, Geschäftsleiter von Immobilien Basel-Stadt. «Es gibt aber keinen Anspruch, dass die Wohnung alle so und so viel Jahre gestrichen werden muss», sagt er. Bei Immobilien Basel-Stadt würde man von Fall zu Fall entscheiden. In der Regel fallen Unterhalt- und Instandhaltungsarbeiten bei einem Mieterwechsel an. Aber je nach Objekt braucht es sowieso alle 30 bis 40 Jahre eine Sanierung. «Das braucht es einfach von Zeit zu Zeit.»

Mieter beschwerten sich nie

Die Wohnungen an der Schmiedegasse in Dornach wurden ursprünglich nur an Gemeindeangestellte vermietet, zu denen auch S. gehörte. Das Ehepaar bezahlte immer alle Rechnungen pünktlich und hat laut Schlatter auch nie etwas beanstandet. «Das sind sehr sympathische Leute vom Schlag, dass man sich halt schon irgendwie arrangieren könne. Man hat nie etwas von ihnen gehört», erzählt er.

Das allein entbindet den Vermieter aber nicht von seinen Pflichten. «Sicherlich sollte man sich als Vermieterin immer mal wieder über den Zustand seiner Liegenschaften ins Bild setzen», sagt Schlatter. Und das solle in Zukunft nun regelmässiger geschehen.

*Namen der Redaktion bekannt