Von der vor 20 Jahren vom Wolfwiler Unternehmer Theodor Nützi gegründeten Saeco in Oensingen, wo zu Glanzzeiten bis zu 70 Mitarbeitende beschäftigt waren, bleibt ab Anfang Juli nur noch die mit vier Personen besetzte Annahmestelle mit Verkaufsshop übrig. Nach der Auslagerung der Logistikabteilung Mitte 2011 wird am 30. Juni auch die zentrale Reparaturwerkstatt der einstigen Saeco geschlossen, wie Bruno Hug, Mitglied der Geschäftsleitung der Sertronics AG auf Anfrage bestätigt.

Die Sertronics AG, ein Service- und Reparaturdienstleister für Elektrogeräte, betrieb die Werkstatt nach der Übernahme der Saeco durch Philips mit 15 ehemaligen Saeco-Mitarbeitern weiter. Dass die Werkstatt, in der Kaffeevollautomaten aus der ganzen Schweiz repariert werden, nach nur einem Jahr geschlossen wird, begründet Hug mit den massiven Rückgang an Reparaturaufträgen. «2008 wurden noch 25 000 Kaffeevollautomaten repariert, dieses Jahr rechnen wir mit weniger als 8000 Geräten.»

Qualität und Preiszerfall sind schuld

Den Rückgang führt Hug allgemein auf die verbesserte Qualität der Kaffeeautomaten sowie den Preiszerfall zurück. Diese seien in jüngster Zeit um bis zu 30 Prozent günstiger geworden. Bei Reparaturen im Betrag von 200 bis 300 Franken entscheide sich der Kunde deshalb immer öfter für neue Geräte, die bereits ab 500 Franken angeboten würden. «Der Markt hat sich verändert», so Hug.

«Wir haben diese Situation bei der Übernahme der Oensinger Niederlassung wohl etwas überschätzt. Heute würden wir anders entscheiden», räumt Hug ein. Mit der Schliessung der zentralen Werkstatt in Oensingen verlieren 10 der 15 Mitarbeitenden ihre Stelle. Ihnen wurde per 30. Juni gekündigt.

Annahmestelle bleibt erhalten

Erhalten bleibt hingegen wie erwähnt die gegenüber der zentralen Werkstatt gelegene Annahmestelle mit Verkaufsshop, wo in kleinem Rahmen auch Reparaturen ausgeführt werden sollen. Die Annahmestelle, wo weiterhin insgesamt vier Personen tätig sein werden, steht ausschliesslich regionalen Partnern und Kunden zur Verfügung, wie Hug betont.

Die ausserhalb der Region Oensingen anfallenden Reparaturen von Schweizer Kaffeevollautomaten der Marken Saeco und Philips werden ab 1. Juli im österreichischen Koblach ausgeführt. Für den Vorarlberg habe sich Sertronics nicht primär wegen des Preisvorteils gegenüber der Schweiz entschieden. «Der macht etwa rund 20 Prozent aus und war nicht matchentscheidend», so Hug. Wichtig sei vielmehr der Standort selbst, weil in Koblach künftig die Reparaturen für Deutschland, Österreich und die Schweiz konzertiert würden.

Zollformalitäten gaben Ausschlag

Als zentraler Werkstattstandort für die drei Länder sei auch Oensingen in Betracht gezogen worden. Wegen der Zollformalitäten habe sich Sertronics schliesslich für Koblach entschieden, führt Hug zu den Hintergründen aus.

Geschäftlich weiterhin erfolgreich operiert in Oensingen hingegen die SA Toma AG, welche Anfang letztes Jahr ebenfalls aus der ehemaligen Saeco ausgegliedert worden ist. Diese Unternehmung betreut für Philips den Geschäftsbereich Gastro und Betriebsverpflegung (Getränkeautomaten). Von den acht Mitarbeitern stammen fünf von der ehemaligen Saeco. Geändert hat sich die Adresse der SA Toma AG, sie hat ihren Sitz an den Gummertliweg 7 verlegt. Dies, weil die ehemaligen Saeco-Gebäude verkauft worden sind (vgl. Kontext).