Wie viele Landwirte wirtschaften heute in Günsberg? Wie viele werden es in 15 Jahren sein? Die Antwort ist alarmierend, denn im Dorf selber wird kaum ein Landwirt überleben.

Die Fragen stellte sich der Gemeinderat aufgrund eines Aussiedlungsbegehrens von Landwirt Hubert Müller. Hatte dieser vor Jahren einen Stall voller Kühe, darf er heute nach einer juristischen Auseinandersetzung mit Nachbarn noch 45 Schafe halten – ohne Glöckchen.

Das zeigt gleich eines der Dilemmas der Landwirte auf. Der Siedlungsdruck im Dorf ist gross und Nachbarschaftsprobleme vorprogrammiert. Geruchsemissionen werden den Landwirten, die ihre «Heimet» innerhalb der Siedlungsgrenzen betreiben, zum Verhängnis. Mangelndes Bauland verhindert Erweiterungen. Amtlich bestätigt wird: «Die Weiterentwicklung des Betriebs am bestehenden Standort Kirchgasse 10 kann als unrealistisch betrachtet werden.»

Dabei ist dieser Bauernhof noch einer der wenigen sicheren Werte im Dorf, denn der Landwirt will weiter machen und eine Nachfolge steht bereit. Bei den acht anderen Betrieben ist diese Frage bei den wenigsten geklärt. Die drei weiteren Betriebe in Günsberg, ausserhalb der Dorfsiedlung, wurden in der Diskussion nicht tiefer betrachtet.

Bislang haben sich wenige zur Entwicklung der Landwirtschaftsbetriebe im Dorf Gedanken gemacht. Der stete Niedergang wird hingenommen, wie das Amen in der Kirche. «Heute werden in der Schweiz täglich drei Bauernhöfe aufgegeben», berichtete Landwirt Alex Affolter. Auf die Frage des Gemeindepräsidenten Thomas Jenni, wie denn beispielsweise bei ihm die Situation sei, ob er denn an dem Ort, wo er jetzt seinen Hof betreibt, einen Hof hinstellen würde, sagte Affolter klar Nein. Auch er erwäge einen Wegzug. «Es ist zu eng, eine Erweiterung ist nicht möglich», so Affolter.

Das gleiche Problem haben die anderen Betriebe in der Dorfzone auch, wie eine detailliertere Betrachtung der einzelnen Betriebe dann zeigte.

Kanton entscheidet

Die Diskussion im Gemeinderat über die Zukunft der Landwirtschaftsbetriebe in Günsberg entspricht einer Forderung des kantonalen Amtes für Raumplanung. Wohl unterstützt die Gemeinde das Aussiedlungsbegehren. Genehmigungsinstanz ist aber der Kanton. Und dieser hat bereits 2006 im Zusammenhang mit der Genehmigung der Ortsplanungsrevision Vorbehalte zur Aussiedlerparzelle GB-Nr. 528 angemeldet, die von Hubert Müller schon damals angemeldet wurde.

Aktuell verlangt der Kanton weitere Entscheidungsgrundlagen. Dazu gehöre eine landwirtschaftliche Planung und deshalb die Diskussion im Gemeinderat. «Wir müssen uns fragen, wie viele Betriebe werden wir in Günsberg in Zukunft noch haben und wo», so der Gemeindepräsident. Die Diskussion habe begonnen. Die Frage der Aussiedlung könnte im Rahmen der Erarbeitung des Räumlichen Leitbildes geklärt werden. Zuerst will der Gemeinderat mit dem kantonalen Amt für Raumplanung das Gespräch suchen.

Wie weiter beim alten Schulhaus?

Die Erarbeitung eines Räumlichen Leitbildes für eine Ortsplanungsrevision schlägt der Gemeindepräsident aus einem weiteren Grund vor. «Es braucht eine gesamtheitliche Betrachtung.» Dies nach dem Schiffbruch an der Gemeindeversammlung in Sachen Projekt Wohnbaugenossenschaft. Die eher kurzfristige Verknüpfung von Neubauten auf der Kirchmatt und dem Umbau des alten Schulhauses wurde an der Versammlung überraschend abgelehnt.

Während das Land der Kirchmatt in Privatbesitz ist, gehört das alte Schulhaus der Gemeinde. Involviert ist aber auch die katholische Kirchgemeinde. Die Parzelle, auf der das alte Schulhaus steht, ist derart knapp bemessen, dass für nötige Parkplätze Kirchenland genutzt werden müsste. Möglicherweise wird auch die angrenzende Chilchmatte ein Thema. Das letzte Wort hat im Zusammenhang mit Kirchenland das Domkapitel.

Deshalb sei das Projekt einer gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft weiter zu verfolgen, weil ein solches die Kirchenoberen am ehesten günstig stimmen könnte. «Wir wollen einen Ortskern, der diesen Namen verdient», so der Gemeindepräsident. Und einen Sicherheitszaun um das alte Schulhaus vermeiden, denn das Gebäude wird bautechnisch zum Problem. Er könne sich auch einen Abriss vorstellen.

Das war nicht nach dem Gusto von Daniel Kaufmann. «Die Kubatur muss erhalten bleiben, und man sollte von der Nordseite weiterhin den Eindruck eines Schulhauses haben», setzte er sich für die Anliegen alteingesessener Günsberger ein.

Unbestritten war die Bildung einer Planungsgruppe für die Erarbeitung des Räumlichen Leitbildes.