Feldbrunnen-St.Niklaus

«Die Kunst der Politik sei es, dass man versucht zu Lösungen zu kommen»

Gemeindepräsident Rolf Studer vor seinem Haus, das er nun vermehrt mit seiner Familie geniessen kann.

Gemeindepräsident Rolf Studer vor seinem Haus, das er nun vermehrt mit seiner Familie geniessen kann.

19 Jahre lang führte Rolf Studer die Gemeinde mit dem rasanten Bevölkerungswachstum. Feldbrunnen-St. Niklaus sei nicht einfach zu führen. Dennoch habe er es immer geschafft, «die Wogen zu glätten» und Kompromisse zu finden.

Er ist einer der ältesten Gemeindepräsidenten im Kanton. Der bald 73-jährige Rolf Studer, der seit 1994 Gemeindepräsident von Feldbrunnen-St. Niklaus ist. Am 21. Oktober wird er offiziell an der Gemeindeversammlung verabschiedet. Dann schliesst sich für Studer eine Zusatzschleife, die länger ging, als erwartet.

Die 19 Jahre an der Gemeindespitze waren bei der Übernahme des Amtes eigentlich nicht geplant. Der frühere Gemeindepräsident hörte Knall auf Fall auf. Ein Nachfolger aus der FDP stand nicht bereit. Studer, der sich 1993 nach 20 Jahren aus der kantonalen Politik verabschiedet hatte, wurde angefragt und schon im November 1994 gegen den Konkurrenten aus der SVP zum Gemeindepräsidenten gewählt.

«Das Ganze war überraschend für mich. Damals dachte ich, ich würde das Dorf nur kurze Zeit führen.» Rolf Studer hatte in Kurt Küng und Anna Mannhart bei den Präsidentenwahlen namhafte politische Gegner, die gegen ihn antraten, Studer wurde bei den folgenden Gemeindepräsidentenwahlen mit Glanzresultaten wiedergewählt.

Kommunale Themen faszinieren

«Mir wiederum machte die Arbeit immer mehr Spass.» Plötzlich standen kommunale Themen auf seiner Agenda, die ihn faszinierten. 1994 beim Amtsantritt lebten 680 Menschen in Feldbrunnen.

Aktuell werden auf der Internetseite der Gemeinde 921 Einwohner ausgewiesen, Tendenz weiter steigend. Umgekehrt entwickelte sich der Steuerfuss der natürlichen Personen. Als Studer begann, lag dieser bei 80 Prozentpunkten, heute sind es 60 Prozentpunkte. Dies hat auch wohlhabende Leute angelockt, die nach Feldbrunnen kamen.

Schlafgemeinde Feldbrunnen

«Ich habe die Arbeit gerne gemacht, nicht wegen Machtgelüsten, sondern wegen der Kontakte mit der Bevölkerung.» Heute werde dies je länger je mehr zu einem Problem. «Feldbrunnen droht zur Schlafgemeinde zu werden.» Viele Neuzuzüger seien tagsüber nicht im Dorf und gingen ihrer Arbeit im Bern oder Zürich oder auch in der Region Basel nach.

Kein Vergleich zum Dorf vor zwanzig Jahren und früher. «Wir hatten verschiedene Kleinvereine, die heute verschwunden sind, dafür haben sich aber neue Vereine mit anderen Zielsetzungen gebildet, heute werden Quartierfeste abgehalten.» Früher gab es mehrere Bauernbetriebe, heute sind es noch deren zwei. Die neue Mentalität konstatierte Studer mit dem Aufkommen der grossen Überbauungen im Süden und Südwesten des unteren Dorfteils von Feldbrunnen.

«Relativ rasch kamen viele neue, auch ausserkantonale Leute.» Die Vorteile Feldbrunnens liegen heute auf der Hand: «Durch die tiefen Steuern und das schöne Naherholungsgebiet, so nahe bei der Stadt, profitiert die ganze Region.»

Auf der Grenzlinie geboren

Rolf Studer ist in Feldbrunnen aufgewachsen. Geboren wurde er aber in einem Spital in Basel direkt auf der Grenzlinie zu Frankreich mitten im Zweiten Weltkrieg. Schüsse seien manchmal zu hören gewesen, berichtete ihm seine Mutter. «Auf dem Dach waren zur Grenzmarkierung Schweizerfahnen angebracht.»

Noch vor Ende des Krieges zog die Familie von Grindel im Schwarzbubenland nach Feldbrunnen. Während der Vater Militärdienst leisten musste, verbrachte Studer viel Zeit in Grindel auf dem Bauernhof der Grosseltern. Sein Grossvater betrieb neben seiner Arbeit in der Isola AG noch etwas Landwirtschaft mit einer Schnapsbrennerei.

Studer hat die klassische politische Karriere absolviert. Von der Orts- zur Bezirks- bis zur Kantonalpartei übernahm er diverse Ämter. Höhepunkt in seiner 20-jährigen Kantonsratszeit war das Kantonsratspräsidium 1989. In der Gemeinde hat er seit 1973 verschiedene Ämter besetzt, meistens im Bau- und Planungswesen. «Ich habe von früh an gerne politisiert, bin da reingewachsen und habe immer wichtigere Posten besetzen können.»

Natürlich halfen die damit verknüpften Beziehungen dem Bauingenieur Rolf Studer auch in seinem Beruf. «Aber Politik hatte in der Familie schon früher einen grossen Stellenwert.» Sein Grossvater war Gemeindepräsident von Grindel. Sein Vater war Leiter der Gewerbe- und Handelspolizei und im Dorf lange Zeit Finanzverwalter. Sein Regierungsstil sei «sicher demokratisch». «Ich habe immer versucht, die Leute einzubeziehen.» Er bemerkte aber auch eine gewisse Routine.

«Die Gefahr ist gross, dass man nach seinem Geschmack steuert. Andererseits ist es die Aufgabe des Gemeindepräsidenten, zu lenken. Die Kunst der Politik sei es daher, dass man versucht zu Lösungen zu kommen,» so Studer. Dazu gehöre eine angemessene lange Zeit der Konsensfindung.

«Das hat mir Spass gemacht, die Person zu sein die führt und echte Kompromisse herbeibringt». Sein Stil habe ihm wenig Probleme mit der Bevölkerung beschert. «Ich habe es immer geschafft, die Wogen zu glätten. Feldbrunnen-St.Niklaus ist nicht einfach zu führen. Gerade ‹Finanzdinge› gaben und geben immer wieder zu reden.»

Vision Untertunnelung

Eine Verwaltungs-Infrastruktur kannte die Gemeinde vor 19 Jahren nicht. Studer wirkte im Nebenamt und von seinem Heim aus. «Wir hatten fast nichts.» Er hat dann die Infrastruktur für die Verwaltung aufgebaut im Gebäude zum «Durstigen Wanderer», das die Gemeinde 2004 kaufte.

Im 2009 erschienenen Buch über Feldbrunnen-St.Niklaus berichtet Rolf Studer von seinem Traum einer Untertunnelung von Feldbrunnen fürs Bipperlisi. «Das habe ich schon vor 40 Jahren propagiert. Dann könnten wir das Dorf richtig entwickeln. Leider bleibt der Traum das, was er ist, nämlich eine Vision.»

Immerhin könnte Studer für sich in Anspruch nehmen, schon einige Millionen Gemeindevermögen während seiner Amtszeit für diese Vision angehäuft zu haben. Studer hofft dafür auf das Gelingen eines weiteren Projektes, das ihn lange Zeit beschäftigt hat. Am 21. Oktober wird auch über die Alters- und Familiensiedlung «Wohnen am Dorfplatz» entschieden.

Heute ist Feldbrunnen-St.Niklaus gut aufgestellt und ihr Gemeindepräsident Rolf Studer geht in die politische Pension. Er freut sich darauf, mehr Zeit für sein Zuhause, seinen Garten, für Hobbys und Reisen mit seiner Frau Hedy zu haben. Oder wie er es sagt: «Die lang eingeschränkte persönliche Freiheit geniessen.»

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