Ein klassisches Heimatmuseum, wie es sie in der Region in vielen Ortschaften gibt, sollte es nicht werden. Vielmehr hatten die Initianten von Anfang an den Anspruch, in den Räumlichkeiten im Dorfkern ständig wechselnde Gegenstände zu zeigen. Das Ziel der Kulturwerkstatt Hofstetten-Flüh war, den Besuchern die Geschichte der Gemeinde im solothurnischen Leimental in all ihren Facetten näher zu bringen.

Wer die Einrichtung regelmässig besucht, stellt fest, dass ihnen das Vorhaben gelungen ist. Mindestens einmal pro Jahr wird der ehemalige Stall komplett geräumt und wieder mit neuen Objekten bestückt. Die aktuelle thematische Ausstellung beschäftigt sich mit der Fortbewegung in früheren Zeiten. Zu sehen sind verschiedene Holzwagen, welche einst im Dorf zum Einsatz kamen. Kernstück ist der sogenannte Schneckenkarren mit nur zwei Rädern und zwei Kufen. Die Achse wurde so angebracht, dass sich das Gefährt im beladenen Zustand im Gleichgewicht befand.

Auch spätere Modelle werden gezeigt, die vielen Einwohnerinnen und Einwohnern wertvolle Dienste leisteten. «Noch im Jahr 1940 gab es in Hofstetten-Flüh viele Nebenerwerbsbauern. In vielen Fällen betrieb die Frau mit ihren Kindern zuhause Landwirtschaft, während der Mann auswärts arbeitete und während Heuet, Ernte und Aussaat mithalf», sagt Hans Bühler, Vize-Präsident der als Verein organisierten Kulturwerkstatt. Damals hatte das Dorf im Schwarzbubenland das zweitgeringste Steueraufkommen im Kanton Solothurn. Die Bevölkerung war grösstenteils arm und deshalb dazu gezwungen, sich selber zu versorgen.

Freiwilliges Restauratoren-Team

Ganz im Gegensatz zu heute, wo immer wieder finanzkräftige Basler und Baselbieter in die Gemeinde ziehen, da sie die Ruhe schätzen. Und auch die Anzahl Bauernbetriebe ist in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Nicht einmal mehr eine Handvoll Betriebe existieren im 3000-Seelen-Ort im hinteren Leimental.

Die Steuereinnahmen verwendet die Gemeinde auch dazu, die Kulturwerkstatt Hofstetten-Flüh finanziell zu unterstützen. Mit diesem Beitrag und den Mitgliederbeiträgen finanziert die Institution ihren Betrieb. «Wir sind ein Gemeinde-Verein», erklärt denn auch Benno Bühlmann. Der pensionierte Autoingenieur leitet ein ehrenamtliches zwölfköpfiges Team, das die Gegenstände restauriert. Dieses besteht grösstenteils aus Senioren aus dem Dorf, die ihre Freude an Lokalgeschichte haben. Aber auch einige Werktätige würden sich engagieren, freut er sich. Einmal pro Woche treffen sich die Arbeitsgruppen, um die Objekte in Schuss zu bringen.

Dem freiwilligen Team wird die Arbeit auch künftig nicht ausgehen. Die Sammlung an Kulturgütern ist äusserst umfangreich. Immer wieder brachten Menschen aus Hofstetten-Flüh und Umgebung dem Verein Gegenstände vorbei. «Die meisten Exponate stammen aber auch heute noch vom Einwohner Alois Oser-Ankli», sagt Kassier Urs Brodbeck. Während Jahrzehnten hatte der Sammler gemeinsam mit seiner Frau Bethli eine grosse Zahl Objekte aus dem ländlichen Alltag sowie landwirtschaftliche und gewerbliche Maschinen zusammengetragen.

Als er älter wurde, entschloss er sich, seine Sammlung der Gemeinde zu schenken. Noch immer lässt es sich Alois Oser-Ankli nicht nehmen, jeweils die Vernissage einer neuen Ausstellung zu besuchen. In den letzten Jahren konnte er sehen, wie die Kulturwerkstatt Hofstetten-Flüh neben seinen Gegenständen auch Drehorgeln, historische Dorfkarten und alte Fotografien präsentierte. Ein Ende der Tätigkeit des Vereins mit rund 30 Mitgliedern ist momentan nicht abzusehen.

Umzug ins alte Primarschulhaus

Auf lange Sicht ist die Kulturwerkstatt Hofstetten-Flüh aber in der Existenz bedroht. «Wir vielen Vereinen fehlt es uns an Nachwuchs», bedauert Urs Brodbeck. Der kommenden Zeit blickt er trotzdem positiv entgegen, was an einem möglichen Umzug liegt. Es existiert die Idee, alle Einrichtungen der Gemeinde im leerstehenden alten Primarschulhaus unterzubringen.

Die Kulturwerkstatt Hofstetten-Flüh ist jeweils am ersten Sonntag des Monats von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

www.kulturwerkstatt-hofstetten-flueh.ch