Mariastein
Die Klosterkirche Mariastein: Zwischen Pilgerrummel und Stille

Die Klosterkirche in Mariastein übt nicht nur auf Pilger aus aller Herren Ländern eine grosse Anziehungskraft aus. Sie ist ein Ort der Ruhe, steht für Schutz und Vertrauen und ist Beispiel grossartiger kirchlicher Architektur. Abt Peter von Sury ist seit fünf Jahren im Amt.

Gitta B. Ebner
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Die Klosterkirche von Mariastein wurde zwischen 1648 und 1655 erbaut.

Die Klosterkirche von Mariastein wurde zwischen 1648 und 1655 erbaut.

Gitta B. Ebner

Von 1648 bis 1655 hat der aus Solothurn stammende Baumeister Urs Altermatt die Klosterkirche von Mariastein erbaut. Die Kloster-Gebäudeteile sollten von jeher möglichst funktional dienlich sein. So ergab sich eine gewisse Struktur von Kirche, Kreuzgang, Konvent, Bibliothek und Verwaltung von selbst. 1926 erhob Papst Pius XI. die Klosterkirche in Mariastein zur Basilica minor, zur «kleineren Basilika». Eine Auszeichnung, die bis heute in der Schweiz nur 12 Kirchen zuteil wurde, um «die Stärkung der Bindung einzelner Kirchen an den römischen Bischof wie die Bedeutung dieser Kirche fürs Umland hervorzuheben».

Benediktiner und ihre Regel

Die Benediktinerkonföderation ist im Gegensatz zu den meisten Orden nicht zentralistisch, sondern föderalistisch aufgebaut. Die Schweizer Kongregation ist die Viertälteste. Sie wurde 1602 errichtet. Im Jahr 2000 zählte sie 269 Mönche in den Klöstern Einsiedeln, Disentis, Muri-Gries, Engelberg, Fischingen, Mariastein und Marienberg.

Der heilige Benedikt von Nursia (ca. 480-547) hatte schon früh auf die Privilegien seiner noblen Herkunft verzichtet und sein Studium in Rom abgebrochen, um sein Leben ganz in den Dienst Gottes zu stellen. Nach drei Jahren einsamer Gottsuche begann er, andere fromme Männer in das monastische Leben einzuführen.

Im Kloster Montecassino schrieb Benedikt um 534 seine berühmte Regel. In 73 Kapiteln werden der Alltag im Kloster, die Gebete, die hierarchischen und demokratischen Grundsätze, die Aufnahme von neuen Mitbrüdern und von Gästen geregelt. (frb)

Quelle: Kloster Mariastein

Als Besucher spürt man, wie das Kloster auf Tiefes einstimmt. Da ist nicht nur der Aufenthalt in der Kirche, das Mariasteiner Pilgerlied von Silja Walter, Alfred und Janina Kasprzok, da ist auch der Gang in den Pilger-Laden. Man möchte doch das Gesehene, Gehörte nicht nur in Gedanken mitnehmen, sondern auch daheim haben, weitergeben – Kreuz, Rosenkranz, Bild oder Figur – Andachtsgegenstände, Devotionalien eben.

Revolution brachte Unheil

Friedlich ist es fürs Kloster nicht immer zu und her gegangen. Die Französische Revolution brachte Unheil, richtete Schaden an, verjagte die Mönche. Eine lange Zeit des Immer-wieder-neu-Beginnens, des «Ora et labora» (bete und arbeite) war nötig, damit das Kloster Mariastein wieder das wurde, was es heute ist.

Ihm steht als Abt der Solothurner Peter von Sury vor, der schon seit 1974 Mönch in Mariastein ist. In seiner nun fünfjährigen Abt-Funktion ist es ihm ein Anliegen, mit den Menschen Kontakt zu halten. «Mir fällt das relativ leicht», sagt er. «Mir tut es auch gut, ich brauche das. Ich probiere, für alle da zu sein. Ich pflege die Beziehung zu meiner Familie, nehme auch so weit möglich am Leben der Gemeinde teil, befasse mich mit Wirtschaftsfragen, die für uns hier sehr wichtig sind.» Finanzanlagen seien ja nicht unbedingt spannend, aber man sei darauf angewiesen, da die Mönche keine Pensionskasse hätten. «Einige der 25 Mitbrüder erhalten eine kleine Pension, 18 davon haben die AHV.» Das Durchschnittsalter bei den Benediktinern im Kloster Mariastein ist hoch, viele können nicht mehr im Erwerbsleben stehen.

Barmherzigkeit vor Gerechtigkeit

Abt Peter von Sury sagt: «Die wirtschaftliche Situation hier ist für uns eine grosse Herausforderung. Der Gebäudekomplex ist gross, teils 300 bis 400 Jahre alt. Investitionen, Renovationen sind unumgänglich. Als Abt habe ich eine Leitungsfunktion inne, da braucht es hin und wieder ‹Atempausen›.» Dazu ziehe er sich gerne ins Mutterhaus zurück, das Kloster Beinwil. Alle vier Jahre reist von Sury nach Rom, an den Äbte-Kongress. «Ich kenne die Stadt, habe dort von 1977 bis 1982 studiert.»

Mönch sein sei vom Selbstverständnis her eine Berufung, eine religiöse Wirklichkeit, eine Lebensentscheidung. «Weil ich auch Priester bin, predige ich, nehme die Beichte ab. Ich probiere, mich an die Klosterregel des heiligen Benedikt zu halten. Er legt grosses Gewicht darauf, dass Barmherzigkeit vor Gerechtigkeit kommt. Mag ich mal als Mensch nicht, helfen mir, neben der eigenen Strenge, der Glaube, die Natur und die Musik.»

Am liebsten sind ihm die Psalmen, welche die Mönche miteinander singen. Und wer eignet sich heute noch zum Mönchsein? «Ob die Berufung eines Klosterkandidaten authentisch ist oder nicht, entscheidet letztlich die Klostergemeinschaft. Berufung ist nämlich ein subtiles Zusammenspiel ganz unterschiedlicher Faktoren», sagt der Abt.

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