«Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch eine Orgel kaufen», sagte Organistin Barbara Flury in Anlehnung an Martin Luthers Zitat. Erheblich erklärt wurde die Motion zur Anschaffung einer Orgel für die Guthirtkirche in Lohn-Ammannsegg an der Rechnungsgemeinde der katholischen Kirchgemeinde Biberist-Lohn-Ammannsegg-Bucheggberg im vergangenen Juni. Die Motionäre hielten fest, dass das vor 36 Jahren als Occasion gekaufte und nur geringfügig angepasste Instrument mit nur einem Manual für die Organisten eine völlig unbefriedigte Situation bedeute.

«Langsam dramatische» Lage

Zum Kauf einer Orgel für rund 400 000 Franken wird es aber wegen der von Verwalter Walter Ingold aufgezeigten «langsam dramatischen» finanziellen Lage vorerst nicht kommen. Höhere Personalkosten, Unsicherheiten betreffend regionalem Pastoralraum, Finanzkrise, eventuelle Steuersenkung im Kanton, budgetierte 110 000 Franken für die dringende Sanierung des Biberister Glockenstuhls und vor allem die Kirchenaustritte geben Grund zur Besorgnis. Allein in den letzten zehn Jahren waren es deren rund 600.

Weitere Austritte verhindern

Für die vorgesehenen 400 000 Franken müsste der Steuerfuss um einen Punkt angehoben werden, was ganz sicher neue Austritte zur Folge hätte. «Die Blutwerte unseres Unternehmens sind überall schlecht», hielt Walter Ingold fest. Knapp hiessen die 68 Anwesenden in einer geheimen Abstimmung mit 37 zu 31 Stimmen den Antrag von KG-Präsident Andreas Beer gut, den Entscheid für eine neue Orgel um zwei Jahre hinauszuschieben. Dies nach diversen Kritiken wie «Verzögerungstaktik» und «Schwarzmalerei». Traktandiert war eigentlich ein Antrag auf Urnenabstimmung, der in der Folge nicht behandelt wurde. Wohl gerade darum, weil eine Verschiebung der Anschaffung noch Hoffnung zulässt, ein Nein an der Urne eher das Aus für das Thema Orgel bedeutete.

Einstimmig gutgeheissen wurde das Budget mit einem Ertrag von 1,423 Mio. Franken und einem Aufwandüberschuss von 18 800 Franken. Der Steuerfuss bleibt bei 15 Prozentpunkten auf der einfachen Staatssteuer.