Kehrichtbeseitigung
Die Kebag in Zuchwil wird erstmals in ihrer Geschichte rote Zahlen schreiben

Die Kehrichtbeseitigungs AG Zuchwil (Kebag) wird heuer erstmals rote Zahlen schreiben. Das wurde gestern Abend an derKebag-Generalversammlung in Oensingen bekannt.

Bruno Utz
Merken
Drucken
Teilen
Erstmals in der Geschichte der Kebag wird die Kehrrichtbeseitigungs-Firma rote Zahlen schreiben.

Erstmals in der Geschichte der Kebag wird die Kehrrichtbeseitigungs-Firma rote Zahlen schreiben.

mt Archiv

Alles andere als erfreuliche Zahlen präsentierte Kebag-Direktor Markus Juchli gestern den Aktionären: Das Betriebsergebnis 2011 fiel mit knapp 9,5 Millionen Franken um 39,5 Prozent tiefer aus als im Vorjahr.

Eine Überraschung war dies allerdings nicht: Mit der Schliessung der Borregaard Riedholz (2008) und der Papierfabrik Sappi Biberist (2011) habe die Kebag innert dreier Jahre ihre beiden grössten Energieabnehmer verloren, erinnerte Juchli.

Entsprechend sei der Energienutzungsgrad der Verbrennungsanlage von über 75 Prozent auf 30 Prozent gesunken. Im laufenden Jahr sehen die Prognosen noch düsterer aus: Weil die neue Kondensations-Turbine erst gegen Ende dieses Jahres in Betrieb geht, wird der Energienutzungsgrad auf 17 Prozent absacken.

5,1 Millionen Verlust budgetiert

Aus diesem Grund sehe das Budget zum ersten Mal in der 1976 begonnen Betriebsgeschichte der Kebag einen Verlust vor. Die Summe von 5,1 Millionen Franken werde jedoch durch Rückstellungen gedeckt sein.

«Trotz dieser ernüchternden Zahlen bleibt der Entsorgungspreis mit 125 Franken pro Tonne Kehricht gleich wie im Vorjahr», betonte Juchli. Dieser Preis liege weit unter dem schweizerischen Durchschnitt von 154 Franken pro Tonne. Die Kebag belege mit ihren Entsorgungsgebühren schweizweit den dritten Platz.

In erster Linie wird künftig auf Stromproduktion gesetzt

Ende Jahr sei die Durststrecke vorbei, beruhigte Juchli die Anwesenden. Nach der Sappi-Schliessung habe die Kebag auf den wegfallenden Bedarf an Prozessdampf reagiert und das genehmigte Projekt einer kleineren Turbine abgeändert. Künftig setze die Kebag in erster Linie auf die Stromproduktion.

Die neue grosse Turbine werde ab November bis 22 Megawatt Strom produzieren. «Damit können wir den Ertragsausfall von jährlich rund acht Millionen Franken wieder wettmachen», so Juchli. Neben der Stromproduktion speise die Kebag weiterhin Heisswasser in die Fernwärmenetze ein, die von der AEK und der Regio Energie betrieben werden. Ab Herbst 2012 werde zudem die Gemeinde Derendingen über die ehemalige Dampfleitung zur Sappi mit Fernwärme versorgt.

Neuanlage kostet zwischen 350 und 400 Millionen Franken

Gemäss Jahresbericht ist die Lebensdauer der Ofenlinien und der Nebenanlagen absehbar. «Wir werden uns deshalb ab 2013 intensiv der Frage widmen müssen, braucht es eine Neuanlage oder können die Ofenlinien partiell ersetzt werden», sagte Juchli gegenüber der az Solothurner Zeitung.

Vor zehn Jahren habe man dieselbe Frage mit werterhaltenden Investitionen beantwortet und dafür insgesamt 48 Millionen Franken bewilligt. Eine Neuanlage mit einer Verbrennungskapazität von 220000 Tonnen jährlich kostet laut Juchli zwischen 350 und 400 Millionen Franken. Zur Finanzierung des vorgesehenen Drittels – der Rest wird fremdfinanziert – tätige die Kebag zweckgebunden Rückstellungen. Diese betragen derzeit gut 93 Millionen Franken.

Ende Juni tritt Jürg Marti nach 39 Jahren in den Ruhestand

Die von Verwaltungsratspräsident Christoph Fankhauser (Herzogenbuchsee) geleitete Generalversammlung genehmigte den Jahresbericht und die Jahresrechnung ohne Gegenstimme. Die Anwesenden wurden schliesslich über den Wechsel der kaufmännischen Leitung informiert. Nach 39 Jahren im Dienste der Kebag tritt das Mitglied der Geschäftsleitung, Jürg Marti, Ende Juni in den vorzeitigen Ruhestand. Neu obliegt die Leitung der Abteilung Finanzen und Administration bei der 35-jährige Rebecca Wüthrich.