Kyburg-Buchegg
Die Käserei steht vor dem Umbruch: «Schliessung wollen wir verhindern»

Marc Jakob muss die Arbeit als Käser aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Er hatte die Käserei im Alter von 21 Jahren übernommen. Die Nachfolgesuche erweist sich aber als relativ schwierig, denn Fachleute sind Mangelware.

Christof Ramser
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Hansueli Wyss (Präsident Käsereigenossenschaft) vor der Käserei in Kyburg-Buchegg.

Hansueli Wyss (Präsident Käsereigenossenschaft) vor der Käserei in Kyburg-Buchegg.

Hanspeter Bärtschi

Sie ist eine der letzten beiden verbliebenen Käsereien im Kanton Solothurn. Nun steht die Spezialitätenkäserei Buchegg vor dem Umbruch. Käser Marc Jakob muss seine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Er hat per Ende August bei der Käsereigenossenschaft Buchegg gekündet. «Im Moment läuft der Betrieb weiter wie gehabt», sagt Jakob auf Anfrage. Mehr war vom Buchegger Käser, der für seine Produkte auch schon ausgezeichnet wurde (siehe Kasten), nicht zu erfahren.

Genauere Auskunft gibt dafür Hansueli Wyss aus Brügglen, Präsident der Käsereigenossenschaft Buchegg. Die Genossenschaft ist Besitzerin der Käserei, Jakob betreibt die Anlage und ist selbstständiger Milchkäufer. Wyss ist einer von vier Bauern aus Brügglen und Kyburg-Buchegg, die ihre Milch noch in der Buchegger Käserei abliefern. «Eine Schliessung der Käserei wollen wir verhindern», sagt Wyss.

Die Landwirte suchen deshalb eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Doch die Suche verläuft zäh: Fachleute sind Mangelware.

Preisgekrönter Käse

Der Käse aus dem Bucheggberg von Marc Jakob dürfte auch vielen Migros-Kunden schmecken. Für den würzigen Käse Graf von Buchegg hatte Jakob vor zwei Jahren in einer Publikumswahl den Meilenstein-Preis der Migros Aare gewonnen. Dieser Rohmilchkäse reift 4 bis 5 Monate im Sandsteinkeller des «Buechischlössli» und wird unter dem Label «Aus der Region, für die Region» in der Migros Aare verkauft. Auch am World Cheese Award wurden seine Produkte prämiert. Statt auf die Produktion vom herkömmlichen Emmentaler hatte sich Marc Jakob früh auf Spezialitäten fokussiert. Noch vor zwei Monaten pries er, der seine Arbeit nun aufgeben muss, seine innovativen Produkte an der Handwerks- und Lebensmittelmesse Authentica in Solothurn an. (crs)

Kaum mehr Lehrlinge

In den beiden Käsereien im Kanton Solothurn – im Reckenkien und in Buchegg – werden keine Milchtechnologen mehr ausgebildet. Anders bei der Molkerei Lanz in Gerlafingen: Dort beginnen diesen August zwei Schulabgänger eine Lehre als Milchtechnologe. Und vor einem Jahr hat eine Frau die Ausbildung abgeschlossen. Dieses Jahr beschäftigte Lanz jedoch keinen Lehrling, sagt Olivia Lanz, Assistentin der Geschäftsleitung. «Die Stelle war zwar ausgeschrieben, wir haben aber mangels geeigneter Bewerbungen niemanden gefunden.» Die Ausbildung zum Milchtechnologen dauert drei Jahre und kombiniert die Bereiche Käse und Milch. «Wenn es möglich ist, geben wir unser Fachwissen gerne weiter», sagt Olivia Lanz.

Es hapert also bei der Ausbildung von Jungkäsern. Da sei es ähnlich wie bei den Bauern, sagt Wyss. «Es werden viel zu wenig Fachleute ausgebildet, um die Betriebe langfristig zu erhalten.» Verschlechterte Arbeitsbedingungen und die Tendenz einer «Verschulung» förderten diesen Trend.

Gerade einmal zwei Bewerbungen seien auf ein Stelleninserat der Buchegger Genossenschaft eingegangen, wobei ein Interessent infrage komme. Auch via persönliche Kontakte sei man aktiv auf der Suche. «Wir sind in der entscheidenden Phase.»

Arbeitsplätze erhalten

Ob sich schliesslich eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für Jakob finden lässt, kann der Brüggler Bauer derzeit nicht sagen. «Wir hoffen es», gelte es doch auch Arbeitsplätze in der Region zu erhalten.» Marc Jakob zeige sich indes sehr kulant und würde allenfalls auch nach Ablauf der Kündigungsfrist reduziert weiterarbeiten, um einen nahtlosen Übergang im Betrieb zu gewährleisten. Dass die Nachfolgersuche harzt, erstaunt Hansueli Wyss nicht.

Der Arbeitsaufwand in einer Käserei sei gemessen am Verdienst sehr hoch. Der Preisdruck steigt, der Lohn bleibt gering. Über den Konkurrenzdruck oder mangelnden Rückhalt in der Region jammern mag er indes nicht. «Die Käserei Buchegg hat eine treue Stammkundschaft.» Doch es schleckt keine Geiss weg: Die Pastmilch- und Joghurtproduktion ist mit viel Handarbeit verbunden und somit teuer. Der Käser muss für die Produkte einen Mehrpreis lösen können.

Käserei mit 21 übernommen

Für die Bauern in der Gegend wäre ein weiteres Käsisterben ein Nachteil. Die qualitativ hochwertige, silofreie Milch aus dem Bucheggberg müsste künftig Grossabnehmern geliefert werden. «Bei industriellen Molkereien erhalten wir eher einen Minderpreis», sagt Wyss. Die Abnahme der Milch wird der Käsereigenossenschaft Buchegg durch deren Vertragspartner, dem Milchverband Basel Miba, gewährleistet. Noch knapp 2000 Mitglieder aus sechs Nordwestschweizer Kantonen sind Mitglied bei der Miba. Miba liefert die Milch vor allem der Estavayer Lait SA (Elsa) sowie der Emmi.

Selber Käsen kommt für die Bauern auch nicht infrage. Marc Jakob, der die Käserei im Alter von 21 Jahren von seinem Vater übernommen hatte und dort nun acht Jahre gearbeitet hat, beschäftigte neben Verkäuferinnen mit Simon Hueter auch einen fest angestellten Käser. Diese Fachkraft, so Hansueli Wyss, möchte man nach Möglichkeit weiterbeschäftigen. Eine Übernahme des Betriebs komme für Hueter aus familiären Gründen aber nicht infrage.